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Nach kritischem BerichtUmstrittenes Heumarkt-Projekt wird gestoppt

Der ICOMOS-Bericht ist für Landtagspräsident Woller "nicht das Ende der Diskussion", zwei Jahre lang wolle man nun aber über das Projekt "nachdenken".

RENDERING: WIENER HEUMARKT-AREAL
© APA/ISAY WEINFELD&SEBASTIAN MURR
 

Die Wiener SPÖ hat in der Diskussion um das geplante Hochhaus-Projekt am Heumarkt-Areal im Bezirk Landstraße am Sonntag eine "zweijährige Phase des Nachdenkens" angekündigt. "In den nächsten zwei Jahren wird sich gar nichts ändern", sagte der Wiener Landtagspräsident Ernst Woller (SPÖ) im Gespräch mit der APA. Außerdem solle ein Managementplan für das Weltkulturerbe in Wien erstellt werden.

In einem aktuellen Gutachten des Denkmalrats ICOMOS zum Heumarkt-Projekt wurde laut Medienberichten ebenfalls empfohlen, die Planungen für zwei Jahre auszusetzen und mit dem Entwickler Alternativen zu erarbeiten, die mit dem UNESCO-Weltkulturerbe-Status vereinbar sind. Der Bericht sei "wenig überraschend", betonte Woller. "Wir sind in sehr intensiven Gesprächen - fast täglich, wöchentlich - mit der UNESCO und mit ICOMOS", sagte er. Er sei zuletzt erst mit Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) in Paris gewesen, wo beide Organisationen ihren Sitz haben, wies er zugleich Oppositionskritik am Stadtoberhaupt zurück. "Der Bürgermeister ist in dieser Frage hochaktiv", so Woller.

Umfassender Bericht

Der ICOMOS -Bericht sei umfassend. Die 68 Seiten beinhalten laut Woller "gute Sachen". Diese sind "Teil des Dialogs, den wir seit vergangenem Jahr führen", als er und Ludwig im Mai ihre neuen Ämter angetreten hatten, erläuterte der Landtagspräsident. "Ich bin froh, dass dieser Bericht endlich vorliegt". Das Gutachten sei "nicht das Ende der Diskussion", sondern ein Teil davon.

UNESCO-Welterbe

Die UNESCO verleiht den Titel Welterbe (Weltkulturerbe und Weltnaturerbe) an Stätten, die aufgrund ihrer Einzigartigkeit, Authentizität und Integrität weltbedeutend sind und von den Staaten, in denen sie liegen, für den Titel vorgeschlagen werden.

Der Titel beruht auf der mit Stand 2016 von 193 Staaten und Gebieten ratifizierten bzw. angenommenen Welterbekonvention von 1972.

Im Jahr 1978 wurde die Welterbeliste mit zwölf Welterbestätten eröffnet.

Neben der Nachdenkphase für die kommenden zwei Jahre und der Erstellung eines Managementplans, in den ICOMOS laut Woller einbezogen wird, betonte Woller, dass der Bund beauftragt sei, die soziokulturellen und sozioökonomischen Effekte des geplanten Projekts zu untersuchen. Es gäbe nun eine "Phase bis 2021, wo nichts radikal Neues passiert, schon gar keine Baumaßnahmen". Dass sich in dieser Zeit nichts ändert, heiße auch, die Wiener Innenstadt bleibe auf der Roten Liste des bedrohten Weltkulturerbes.

 "Schandfleck mitten in der Stadt"

Der Projektbetreiber hat laut Woller inzwischen eine Baubewilligung beantragt. Das sei ein normales Verfahren, das noch nicht begonnen habe. Zudem werde dieses ebenfalls etwa zwei Jahre dauern, betonte der Wiener Landtagspräsident. Mit dem aktuellen Zustand des Areals am Heumarkt ist Woller jedenfalls nicht zufrieden. Er sprach von einem "Schandfleck mitten in der Stadt".

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