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"Einzigartiges Projekt": Marte über die Landesgalerie NÖ

Die Alte Dogana in Feldkirch. Von außen deutet nichts darauf hin, dass in diesem 650 Jahre alten Gebäude am Fuße der Schattenburg eines der innovativsten Architekturbüros Österreichs seinen Sitz hat. "Wir haben großen Respekt vor alten Dingen", sagt Bernhard Marte. Mit seiner Landesgalerie Niederösterreich setzt er dagegen einen Paukenschlag. Am 1. März ist das Kremser Museum erstmals zugänglich.

© APA (KUNSTMEILE KREMS)
 

Zwischen 25 und 30 Architekten arbeiten im Büro von marte.marte - eine entspannte, konzentrierte Atmosphäre in einem Haus, das Geschichte atmet. Die Martes haben beim Umbau das Dach geöffnet, ansonsten die alte Bausubstanz behutsam revitalisiert und hier vor zweieinhalb Jahren ihr Headquarter aufgeschlagen. "Noch lieber wären wir ja da oben eingezogen", lacht Marte und deutet nach hinten: "Unsere große Leidenschaft gilt eigentlich den Burgen." Das merkt man auch dem Museumsneubau an: Der abgesehen von geschwungenen Glasflächen im Erdgeschoß weitgehend fensterlose Bau besitzt am Dach eine kleine Terrasse, die über eine in die Fassade eingeschnittene Zacke den Blick auf das auf der anderen Donauseite gelegene Stift Göttweig eröffnet - ein kleines Zinnen-Zitat des Burg-Fans.

Die Eröffnung der neuen Landesgalerie Niederösterreich ist "zweifellos der bisher wichtigste Tag" in der Geschichte des 1993 von den Brüdern Bernhard und Stefan Marte gegründeten Architekturbüros. "Ein einzigartiges Projekt", nennt Bernhard Marte die Aufgabe, zwischen der Kunsthalle Krems und der Donau und vor dem Tor zur mittelalterlichen Stadtlandschaft von Stein ein Museum hinzustellen, das künftig als Landmark fungieren soll. Mit einem sich als "tänzerische Skulptur" (Elke Delugan-Meissl, die Vorsitzende des Architekturwettbewerbs) elegant in die Höhe schraubenden Pyramidensockel, dessen Fassade von 7.200 matt-silbergrauen Schindeln aus einer Zink-Titan-Legierung bedeckt wird, ist den beiden Architekten tatsächlich ein einzigartiger Bau gelungen, der international für Aufmerksamkeit sorgen wird. Dass beim Pre-Opening am ersten März-Wochenende noch lange vor der eigentlichen Eröffnung unter dem Motto "Architektur pur" das Gebäude im Zentrum des Interesses steht, wertet Marte im Gespräch mit der APA als "Ausdruck einer speziellen Wertschätzung".

Dass ein derart prägnantes Architektur-Statement in einer Weltkulturzone ohne größere Proteste möglich war, verdanke sich vor allem der "professionellen Vorgangsweise der Projektverantwortlichen", sagt Marte. Das haben marte.marte auch schon ganz anders erlebt: Ihr Projekt des Montafoner Heimatmuseums in Schruns, ein Betonbau mitten im Ortskern, wurde 2011 in einer Volksabstimmung von 78 Prozent der Schrunser abgelehnt. "Es war wohl das falsche Projekt zur falschen Zeit", blickt der Architekt zurück. Moderne Architektur hat auch im Ländle Aufreger-Potenzial. "Fortschrittliche Architektur demokratisch zu betrachten ist ganz schwierig", gibt Marte zu bedenken. In Krems habe man die Bevölkerung vorbildlich informiert, dennoch könne man wohl nicht sicher sein, wie ein allfälliger Volksentscheid letztlich ausgegangen wäre.

Die Vorarlberger Baukultur genießt Weltruf, wird normalerweise aber mehr mit modernem Holzbau in Verbindung gebracht. Die Landesgalerie ist ein durch Drehung, Verkleidung und die Gestaltung des Erdgeschosses durchaus nicht schwerfällig wirkender, aber doch kompakter Betonbau. Auch ihre Schanerlochbrücke in Dornbirn (2005), das Evangelische Diözesanmuseum Fresach (2011) oder die Aflenzbrücke in Lorüns (2010) sind Betonbauten. "Wir sehen uns selbst nicht so als DIE Betonbauer. Wir haben große Freude mit dem Material Beton, bauen aber auch sehr gerne mit Holz", verweist Marte auf die in Holz ausgeführte neue Messehalle Dornbirn.

In Wien hat man erst ein Einfamilienhaus für einen Vorarlberger realisiert, ein 2005 ausgeschriebener Wettbewerb für einen Umbau der Bundespräsidentschaftskanzlei wurde zwar gewonnen, konnte aber letztlich nicht realisiert werden. Außer im Burgenland und der Steiermark habe man aber schon in jedem österreichischen Bundesland Bauten realisiert, sagt Bernhard Marte. Die nächsten großen Projekte werden jedoch im Ausland fertiggestellt: In Liechtenstein baut man das Headquarter einer großen Zahntechnik-Firma, in Berlin realisiert man den Umbau des Deutschlandhauses, das als Ausstellungszentrum der Stiftung "Flucht, Vertreibung, Versöhnung" ein politisch besonders heikles Feld umfasst. Und vor kurzem konnte man den Wettbewerb für das Besucherzentrum Mathildenhöhe in Darmstadt für sich entscheiden. Auch hier bewegt man sich auf sensiblem Terrain, betreibt die Stadt doch die Aufnahme der Künstlerkolonie auf jene UNESCO-Welterbeliste, auf der sich die Wachau schon längst befindet. "Wir sind auf dem besten Weg, Welterbe-Spezialisten zu werden", schmunzelt der Architekt.

Am 1. März, 17 Uhr, stellt er sich vor geladenen Gästen in Krems einer Diskussion u.a. mit der Jury-Vorsitzenden Elke Delugan-Meissl und der Architekturkritikerin Ute Woltron, ehe ab 20 Uhr das Haus für einen "Backstage Nightwalk" geöffnet wird. Am 2. März führt Marte um 15 Uhr gemeinsam mit seiner Projektleiterin Alexandra Grups persönlich durch die neue Landesgalerie Niederösterreich. Erst nach dem Pre-Opening-Wochenende beginnt der Einbau der Ausstellungsarchitektur und die Anlieferung der Kunstwerke. In einem gedrehten und gewundenen Gebäude, das an der Außenseite einen einzigen rechten Winkel aufweist, vermutlich keine leicht Aufgabe. "Es wird eine Herausforderung", sagt Bernhard Marte und wirkt recht gelassen dabei. Erst beim Grand Opening am 25./26. Mai wird man wissen, wie sie gelöst wurde...

(S E R V I C E - Krems, Landesgalerie Niederösterreich, Krems, Museumsplatz, Pre-Opening: 1.-3. März, Backstage-Nightwalk am 1.3., 20-23 Uhr, Anmeldung: ; Tage der offenen Tür am 2. und 3.3., 10-18 Uhr, mit künstlerische Interventionen und stündlichen Themenführungen. Information: Tel. 02732/908010, ; )

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