"The Fountainhead" in Graz: Individuum gegen Kollektiv

Mit der Bühnenadaptierung des Romans "The Fountainhead" ("Die Spitze der Fontäne") von Ayn Rand ist dem Grazer Schauspielhaus am Freitag ein spannender und mutiger Saisonauftakt gelungen. Das Drama beschäftigt sich mit der Kontroverse Individuum und Kollektiv, eingebettet in das Schicksal zweier Architekten. Die ungewöhnliche Bühne bildete einen adäquaten Rahmen für die sehenswerte Aufführung.

 

Die Geschichte der beiden Architekten Howard Roark und Peter Keating auf die Bühne zu bringen, ist kein ganz einfaches Unterfangen, da die komplexe Handlung des 1949 erschienenen Buches mehr oder weniger nur erzählt wird, es gibt wenig Handlung, dafür lange Gespräche. Trotzdem ist es faszinierend anzuschauen, wie sich aus den Lebensläufen der beiden Männer so ganz nebenbei eine Diskussion um Individualismus und den Preis, der dafür gezahlt werden muss, entspinnt. Es geht auch um Macht, ein Architekturkritiker und ein Zeitungsherausgeber wollen Fäden ziehen, ohne zu merken, dass das Spiel längst eine Eigendynamik entwickelt hat.

Architekt Roark ist ein unnachgiebiger, harter Typ, der sich nach dem Studium nicht an die Realität der Arbeitswelt gewöhnen will und lieber auftragslos ist, als seine Vorstellungen anzupassen. Es ist diese Mischung aus Selbstsicherheit und Besessenheit für seine Visionen, die ihn zum Außenseiter macht - und gleichzeitig interessant für die elegant-neurotische Schönheit Dominique, die sich eher selbst zerstört, bevor sie Gefühle für ihn zulässt. Sein Studienkollege Keating baut ein Haus nach dem anderen und hat kein Problem damit, seine Arbeit anzupassen. Vor lauter Kompromissen - und weil die wirklich guten Ideen selten von ihm sind - bleibt er als ausgebrannte Hülle zurück.

Regisseur Daniel Foerster setzt auf sehr klare, exakte Aufbereitung, die Figuren bekommen Profil, weil sie ganz unspektakulär echt wirken. Dabei ist das Herumturnen in dem optisch spektakulärem Stahlgerüst mit den goldenen Riesenbeinstümpfen in der Mitte nicht ganz einfach und verlangt den Darstellern einiges ab. Durch die Kostüme wird zunächst die Entstehungszeit des Romans angedeutet, gegen Ende verwischt sich der Eindruck, und eine gewissen moderne Zeitlosigkeit wird sichtbar (Bühne und Kostüme: Lydia Huller und Robert Sievert)

Als Visionär ohne Skrupel konnte Fredrik Jan Hofmann (Roark) in jeder Hinsicht überzeugen, er punktete mit ruhiger Stärke, heischt nie um Sympathien und bekommt sie trotzdem. Florian Köhler (Keating) zeichnete einen weniger von seiner Arbeit besessenen, dafür anpassungsfähigeren Typen, der weinerlich in der Bedeutungslosigkeit versinkt. Eine Hollywood-Glamour-Schönheit wie aus alten Filmen stellte Evamaria Salcher (Dominique) auf die Bühne, sie zeigte eine Mischung aus Freiheitsdrang, Überspanntheit und Liebessehnsucht, die in allen Farben schillerte. Berührend als sehnsüchtig wartende Verlobte war Henriette Blumenau (Catherine), die mit verzweifeltem Lächeln ihre Zukunft immer weiter entschwinden sieht. Franz Solar ist ein eiskalten Architekturkritiker, der sich mitunter freundlich gibt, während Nico Link einen eigentlich ganz menschlichen Zeitungsverleger spielt, der eiskalt wirken will.

Das Stück bietet keine Lösungen, sondern entlässt den Zuschauer mit vielen Gedanken und einigen Fragen. "Der Beruf ist genau so. Es hat sich seit damals nichts geändert", meinte eine renommierte Architektin in der Pause der über dreistündigen Aufführung. Eine dichte und intelligente Aufführung, die hoffentlich vom Publikum entsprechend gewürdigt wird.

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