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Ärzte ohne Grenzen: "Transitzentren" funktionieren nicht

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) hält nichts von den von der EU geplanten und von Österreich forcierten "Transitzentren" für Flüchtlinge in Nordafrika. "Wieso sollte etwas, das in Europa, in der EU, nicht funktioniert, woanders funktionieren?", warnt der humanitäre Einsatzleiter von MSF in Griechenland, Ad Apostolos Veizis, am Mittwoch im Gespräch mit der APA.

 

Er hätte sich, nach vielen Einsätzen in Krisengebieten, nicht erwartet "jemals solche Zustände in Europa sehen zu müssen", so Veizis. "Angst, Gewalt und sexueller Missbrauch stehen in den Camps auf der Tagesordnung, 50 Prozent der 9.000 Flüchtlinge in dem Camp Moria auf Lesbos sind Kinder. Die EU muss in der Lage sein 10.000 Menschen so zu versorgen, dass diese würdevoll leben können", forderte Veizis. Er ortete "durchaus auch politischen Unwillen" vonseiten der verantwortlichen Regierungen.

Momentan halten sich in Griechenland rund 43.000 Flüchtlinge auf. Das Anti-Folter-Komitee des Europarats hat die Zustände in griechischen Flüchtlingslagern bereits scharf kritisiert. Die Situation in den sogenannten Hotspots, wo Migranten auf die Umverteilung aufs Festland oder in andere EU-Staaten warten, sei "hoch explosiv", heißt es in einem Bericht der Organisation.

Auch in Libyen ist die Lage nach dem Raketenbeschuss Dienstagnacht auf den Flughafen von Tripolis weiter angespannt. Im Gespräch mit der APA erläutert Ibrahim Younis, Einsatzleiter vor Ort für MSF, dass "momentan nur ein nationales Helferteam von MSF" vor Ort sei, da die Einreise nicht möglich ist. Younis forderte außerdem die Freilassung Hunderter "willkürlich" in Libyen inhaftierter Asylsuchenden. Nach Angaben von MSF befinden sich bis zu 8.000 Menschen in libyschen Lagern und leben dort unter "unmenschlichen" Bedingungen.

Beide Vertreter von MSF forderten "legale und sichere Wege" um gemäß der Genfer Flüchtlingskonvention (GKF) in der EU um Asyl ansuchen zu können.

Beim informellen EU-Gipfel der Staats- und Regierungschefs kommende Woche in Salzburg steht erneut Migration im Zentrum der Beratungen. Im Juni hatte sich die Union auf die Errichtung sogenannter Anlande- bzw. Ausschiffungsplattformen in nordafrikanischen Ländern geeinigt. Bisher hat sich jedoch kein geografisch in Frage kommender Staat dazu bereiterklärt, in der Sache mit der EU zu kooperieren.

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