Ukrainischer Präsidentenorden für Tschernobyl-Helfer Otto

Für sein jahrelanges Engagement zugunsten von strahlenkranken Tschernobyl-Kindern ist der österreichische Umweltaktivist Christoph Otto (66) mit einem hohen ukrainischen Orden ausgezeichnet worden. Präsident Petro Poroschenko übergab dem Global-2000-Projektleiter am heutigen Mittwoch im Kiewer Präsidentenpalast das Iwan-Mazepa-Kreuz.

 

Die Übergabe fand im Rahmen des Ukraine-Besuchs von Bundespräsident Alexander Van der Bellen statt. Otto hatte das Projekt im Jahr 1996 anlässlich des zehnten Jahrestages der Tschernobyl-Katastrophe ins Leben gerufen. Seither wurden Erholungsaktionen für über 2.500 Kinder organisiert sowie Hilfslieferungen im Gesamtwert von über vier Millionen Euro durchgeführt.

Mittlerweile umfasst das Hilfsprojekt auch die Ostukraine, wo Kinder Opfer von jahrzehntelangen schweren Umweltverschmutzungen werden. So wurden etwa 75 Trinkwasser-Reinigungsanlagen in Spitälern, Schulen, Behindertenheimen, Kindergärten und Internaten installiert.

"Für die vielen geretteten Kinderleben möchte sich die Ukraine mit dieser Auszeichnung aufs Herzlichste bedanken", betonte der ukrainische Botschafter in Wien, Oleksander Scherba, anlässlich der Übergabe der Auszeichnung. Bundespräsident Van der Bellen wies darauf hin, dass das "enorme menschliche Leid", das durch den Reaktorunfall ausgelöst wurde, "noch heute in der Ukraine allgegenwärtig" sei. Er freue sich sehr über die Auszeichnung für den Global-2000-Projektleiter. Otto ist der erste Österreicher, der diese ukrainische Auszeichnung erhält.

Global 2000 hatte das Hilfsprojekt im Jahr 1995 im Rahmen einer Anti-Atom-Kampagne gestartet. Ursprünglich war es nicht auf Dauer angelegt, erinnert sich Otto. Er habe Überzeugungsarbeit leisten müssen, damit das Projekt fortgeführt werden könne, sagte er der APA in Kiew. "Solange Du Geld dafür findest, kannst Du weitermachen", sei ihm gesagt worden. Zunächst seien nur wenig Mittel hereingekommen. "Ich musste mir selbst den Spenderkreis aufbauen." Mittlerweile gebe es viele Menschen, die konkret für die Tschernobyl-Kinder spenden.

Zu Beginn hatte Otto auch seine liebe Not mit bürokratischen Hürden in der Ex-Sowjetrepublik. "Am Anfang war es sehr chaotisch", sagte er. Mit Unterstützung der jeweiligen Gouverneure haben sich die Projekte dann aber leichter umsetzen lassen. Vor allem hätten die österreichischen Helfer immer selbst die Zügel in der Hand behalten. "Der Erfolg des Projektes beruht darauf, dass wir selbst die Kontrolle ausüben", betonte der gebürtige Baden-Württemberger.

Gebraucht werde die Hilfe heute mehr denn je. Einerseits seien wegen des Krieges die Mittel für das Gesundheitssystem deutlich zurückgegangen, andererseits nehmen die Fälle von Strahlenkrankheit weiterhin zu. Die Ursachen liegen weitgehend im Dunkeln. Bei der Atomkatastrophe seien 100 radioaktive Substanzen freigesetzt worden, "und von den meisten wissen wir nicht, wie sie wirken", sagte Otto.

Indirekt steigt die Anzahl der Tschernobyl-Kinder auch durch die Rückkehr von Ausgesiedelten ins nähere Umfeld von Tschernobyl. Viele in den 1980er-Jahren evakuierte Personen würden ihre Ersatzwohnungen den mittlerweile erwachsenen Kindern überlassen und in die verbotene Zone zurückziehen. Problematisch werde das, wenn sie Besuch von den Kindern und deren Nachwuchs erhalten. "Die Kinder erhalten von ihren Großeltern dort alles, was verboten ist, wie etwa Beeren oder Pilze", betont Otto.

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