Seit wann gibt es die Feuerwehrjugend in der Steiermark?
Peter Kirchengast: Die Geschichte beginnt im Herbst 1969 in Fürstenfeld. Da gab es das erste Lager der Jugendfeuerwehr, wie sie damals hieß. Da konnten erstmals auch unter 14-Jährige mitmachen. Bis dahin durfte man erst ab 15 zur Feuerwehr. Das war quasi der Startschuss und bereits 1973 gab es in jedem steirischen Bezirk zumindest eine Jugendgruppe. Ab 1979 gab es die Feuerwehrjugend in der Altersgruppe zwischen 12 und 16 Jahren, ab 2008 zwischen 10 und 15.

Warum kam es überhaupt zur Gründung der Feuerwehrjugend?
Als Folge der späten Eintrittsmöglichkeit kamen immer weniger neue Mitglieder zur Feuerwehr. Es wurde den Verantwortlichen klar, dass es eine neue Organisation braucht und man bei den Jüngeren ansetzen muss. Zusätzlich wurde die Feuerwehr durch Leistungsbewerbe, Zeltlager und viele andere Aktivitäten attraktiver gemacht und es wurde verstärkt in die Öffentlichkeit gegangen.

Und wie gut hat das funktioniert?
Bisher sehr gut. Wir haben derzeit etwa 4500 Jugendliche in der Feuerwehrjugend. Durch Corona merken wir aber einen leichten Rückgang bei den Eintritten. Das hängt vor allem mit verminderten Aktivitäten im sportlichen Leistungsbewerb zusammen, die der körperlichen Ertüchtigung und Feuerwehrfertigkeit dienen, aber auch für Zuseher attraktiv sind. Und wir arbeiten viel mit Schulen zusammen, was heuer natürlich kaum möglich war.

Peter Kirchengast, Brandrat des Fachdienstes, zuständig für die Feuerwehrjugend allgemein. Seit 1976 bei der Feuerwehr (FF Gössendorf), hauptberuflich als Angestellter und Betriebsrat eines großen steirischen Automobilzulieferers tätig.
© LFV Franz Fink

Wie schaut diese Zusammenarbeit aus?
Wir haben ein österreichweites Bildungsprojekt „Gemeinsam.Sicher.Feuerwehr“, wo wir naturwissenschaftlichen Unterricht mit Feuerwehr-Technik erlebbar machen. Wir zeigen, warum man einen Fettbrand nie mit Wasser löschen darf oder unter welchen Umständen gefährlicher Rauch entsteht. Wir bieten da Physik und Chemie quasi zum Angreifen. Das Prinzip der Umlenkung zeigen wir am Greifzug. Oder wir machen die Temperaturentwicklung mittels Wärmebildkamera beim Löschen mit der Kübelspritze sichtbar. Das kommt bei den Schülerinnen und Schülern sehr gut an.

Apropos Schülerinnen: Wie hoch ist der Frauenteil bei der Feuerwehrjugend?
Der liegt in den letzten Jahren konstant bei einem Viertel der Mitglieder. Interessanterweise gibt es da ein Nord-Süd-Gefälle. Im Süden der Steiermark beläuft sich der Mädchenanteil in der Feuerwehrjugend auf etwa 30 Prozent, im Norden sind es etwa 15. So kommen wir auf einen Gesamtschnitt von etwa 25 Prozent.

Worin liegt die Faszination Feuerwehrjugend?
Da ist einmal das Gemeinschaftserlebnis, im Team arbeiten und miteinander agieren. Auch der Sport ist wichtig. Der Ehrgeiz bei den Leistungsbewerben, wo es auf das reibungslose Ineinandergreifen des ganzen Teams ankommt. Schlauchleitung über Hindernisse verlegen, Zielspritzen, Geräteerkennung und ein 400-Meter-Hindernislauf – das alles gegen die Uhr und die anderen Feuerwehren. Ein wichtiger Punkt ist auch die Technik in Kombination mit der Freizeit.

Wie sieht diese Kombination aus?
Zum Beispiel sind unsere Geräte für die Menschenrettung im Prinzip dieselben wie beim Klettern. Unsere Boote und das Tauchen haben Berührungspunkte zum Wassersport. So kann man persönliche Hobbys feuerwehrtechnisch integrieren. Und da ist das Abenteuer. Zeltlager mit Nachtwanderungen, gemeinsames Grillen und viele andere Aktionen, einmal eine Zeit lang weg aus dem Elternhaus und sich in einer Gemeinschaft zurechtfinden. Das können prägende Erlebnisse sein.

Kurs im Feuerwehrausbildungszentrum in Lebring 1974
© KK

Können alle bei der Feuerwehrjugend mitmachen?
Grundsätzlich ja. Es gibt nur am Anfang eine ärztliche Untersuchung. Dabei sollen medizinische Risiken ausgeschlossen werden. Wir machen auch viel Integrationsarbeit. Egal ob im Rollstuhl sitzend oder erst seit Kurzem im Land – grundsätzlich ist jeder willkommen. Und es wird auch Rücksicht auf gewisse Beeinträchtigungen genommen. Jemand mit körperlichen Handicaps wird vielleicht nicht im Leistungsbewerb antreten, sehr wohl aber bei den Wissenstestbewerben oder der Funkausbildung. Wenn wir bei Jugendlichen Probleme bemerken, arbeiten wir mit verschiedenen Sozialeinrichtungen zusammen.

Wie wird man Mitglied bei der Feuerwehrjugend?
In der Steiermark hat jede Freiwillige Feuerwehr einen Fachbereich „Jugend“. Einfach zur Feuerwehr gehen, ein Feuer­wehr-Mitglied ansprechen oder bei der Gemeinde fragen. Der oder die Jugendbeauftragte wird sich dann melden und dann geht’s los mit dem Hineinschnuppern. Unser Motto ist: „Sport, Spaß, Spiel und Ausbildung“. Natürlich geht es nicht um Spitzensport, sondern um die motorischen Fähigkeiten. Und wir freuen uns über jedes neue Mitglied.