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JUNGWIRTH BLOGGTIm Zeitalter der Dreckschleuder

Der Wahlkampf mündet in seine dreckige Phase - und wir Journalisten stecken mittendrin und werden instrumentalisiert.

© Erich Repe
 

Ein kurzer Anruf: "Ich habe was für dich, eine sehr heiße Geschichte. Du kriegst es gleich, aber du hast es nicht von mir." Geschehen vor ein paar Tage, Details enthülle ich logischerweise nicht. Was tun? Die Vorwürfe publizieren, um Schlagzeilen zu produzieren? Oder nichts veröffentlichen, weil man sich nicht instrumentalisieren lassen will? Natürlich konfrontiere ich den politischen Widersacher, doch dieser dementiert energisch. Wer hat recht? Was tun?

Der heiße Wahlkampf ist längst zum dreckigen Wahlkampf mutiert, und wir Journalisten stecken mittendrin. Manche Tages- und Wochenzeitungen sind zum Verlautbarungsorgan, zum Propagandamedium verkommen. So sollen Unterlagen existieren, dass bereits im Sommer geplant wurde, gewisse Leaks befreundeten Medien zuzuspielen. Nicht nur die Parteien, auch die Medien liegen im Clinch. Der Falter bezweifelt öffentlich die jüngsten Enthüllungen von Profil und Presse  - entweder aus simplen Neid oder aus politischer Willfährigkeit, anders kann ich es mir nicht erklären.

Was in den letzten vier bis fünf Tagen abgegangen ist, sucht in Österreich seinesgleichen. Da tauchen zunächst Hinweise aus, dass das gegen ÖVP-Chef Sebastian Kurz auf Facebook gestartete Dirty-Campaigning von jenem Berater orchestriert wurde, den der Kanzler angeheuert hatte. Der Wahlkampfleiter tritt zurück, zwei Tage später der Verbindungsmann zur verdeckt operierten Spezialeinheit. SIlberstein ist ein international anerkannter Dirty-Campaigner, seine Aktivitäten bei den Präsidentschaftswahlkampf im Jahr 2002 wurden sogar in Hollywood verfilmt.

Am Donnerstag gelangen weitere Details an die Öffentlichkeit, die die Beteuerung des Kanzlers, Silberstein habe nur Umfragen interpretiert, schwer erschüttert. Offenbar ging Silberstein seit dem Spätherbst 2016 im Kanzleramt ein und aus und stieg zum Chefberater auf. Hatte der Kanzler bereits zwei Jahre vor dem eigentlichen Termin am Wahlkampf gebastelt?

Am Abend dann die nächste Bombe. Der Falter kam der Presse mit dem Artikel zuvor, wonach ein ÖVP-Mitarbeiter dem Silberstein-Statthalter Peter Puller in Wien 100.000 Euro angeboten habe, um ihn zum Seitenwechsel zu bewegen. Wieder  greife ich zum Telefon. Puller bestätigt die Behauptung per SMS, der beschuldigte ÖVP-Mitarbeiter dementierte hingegen den Vorwurf am Telefonat. Puller, der bis vor wenigen Jahren dem Kernteam der ÖVP angehört hatte, habe ja im Gespräch abgestritten, dass er im Sold der SPÖ stehe. Eine andere Quelle kontaktiert mich und versichert mir, das mit dem Geldkoffer habe er schon vor sechs Wochen gehört. Stimmt das eigentlich alles? Oder wird der Vorwurf einfach in die Welt gesetzt, um die ÖVP mit in den Abgrund zu ziehen, im Sinn einer Politik der verbrannten Erde?

Wem glauben? Die Gerüchte nehmen abenteuerliche Ausmaße an. Die Übersetzerin, die die Interna ausgeplaudert habe, sei mit dem Sohn eines hohen ÖVP-Politiker liiert. Und dann ist von Pre-Paid-Kreditkarten die Rede, mit denen die Aktivitäten der Spezialtruppe bezahlt bzw. das Sponsoring der inkriminierten Seiten finanziert worden sind.

Ich fürchte, das ist nur der Beginn des dreckigen Wahlkampfs. DIe SPÖ hat nichts mehr zu verlieren und schlägt wild um sich. Der ÖVP kann das keineswegs gelegen kommen. Je länger mit Dreck herumgeworfen wird, umso stärker schmilzt der Vorsprung von Herrn Kurz.

Nutznießer der Schlammschlacht ist ausschließlich Herr Strache und die FPÖ. Er kann nur hoffen, dass er nicht auf Platz eins vorrückt. Kanzler wird er nie, weil weder SPÖ noch ÖVP ihm dem Gefallen machen. Für den Vizekanzler reichen Platz zwei oder drei.

Kommentare (13)

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4581589URBA
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Mich würde es nicht wundern,

wenn die nàchste Koalition auf Grund der Überheblichkeit von Rot und Schwarz wie folgt aussieht: FPO, GRÜNE und NEOS.
Vielleicht gäbe es dann endlich eine Veränderung!

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bgb
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Wahl

In der KLZ lese ich vermehrt, dass wohl die KernSPÖ, na ja eigentlich war es ja Silberstein, nie dagewesene Kampagnen gegen Kurz veranstaltet, aber im gleichen Atemzug die ÖVP und Kurz in den selben Topf wirft!!
Der einzige der dies unmissverständlich getrennt hat war Armin Wolf, der im allgemeinen eher linkslastig argumentiert hat!
Unabhängige KLZ?

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bimsi1
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Der große Zweifel an Pullers Aussage.

Puller sagt ja:"Grundsätzlich sei es in der PR-Branche üblich, das zu tun, was der Kunde wolle."
Und die SPÖ wollte halt nicht alleine dastehen....

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Irgendeiner
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Naja haltma fest, Silberstein macht a u c h dirty campaigning,ist nicht

so daß der das ausschließlich macht und so wie das jetzt aussieht hatte er von den Roten keinen direkten Auftrag dazu.Und Puller, naja,kommt ja wohl aus dem schwarzen Lager und daß der sowas manchmal macht, wissen alle seit ers mit Voves getan hat, für die ÖVP. Den wolltens aber doch selbst haben wie ich lese.Und der Falter war noch nie irgendwem gegenüber willfährig, zuviele Querköpfe dort.Und ich lese heute im Print, ich habe im Gegensatz zu jenen die es immer kündigen wenn was nicht paßt tatsächlich ein Abo, daß Basti sich als Verteidiger der Menschrechte geriert, die werden bei uns im Verfassungsrang gehandelt,heißt EMRK, die verbieten eine Limitierung weils universell sind, fordert Basti aber, die verlangen explit Gleichbehandlung, Basti will aber Asylberechtige bei der Mindestsicherung explizit schlechter stellen und dann verbietet Art.17 auch kleinen Bastis Schritte zu unternehmen die den Zugang zu Menschenrechten einschränken, Routenschließungen zum Beispiel. Und dann stellt der sich als Verteidiger der Menschenrechte hin, rotzfrech ist ein Hilfsausdruck.Aber er hält halt viel kognitive Dissonanz aus, Festinger schau oba,der Basti, muß man erst mal bringen sich ein Strategiepapierl zur Machtübernahme schreiben zu lassen und keine Ambitionen in die Richtung zu haben, schafft nicht jeder.

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oros5
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etwas mehr respekt

wäre angebracht, Ihre vielen Worten sind das Paradebeispiel für eine Nebelgranate. Der Batsi heist eigentlich Sebastian u. seine Visionen sind kein Papierl. Sebastian ist einer der Wenigen denen nicht der alte Mief anhaftet. Wenn man überhaupt jemand zutrauen kann die Kukunft anders, moderner gestalten zu können, dann ist er es. Die linkskonservativen Ideologien sind die Vergangenheit, ihre Sprüche unerträglich u. unerhrlich.

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Irgendeiner
1
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Nein, das ist ein Irrtum,ich bin keine Nebelgranate,wenn ich einschlage

bist nicht blind aber weh tuts,ist ein ganz klassisches Modell.Und Respekt muß man sich verdienen bei mir und wenn Du es umgekehrt an diesem mangeln läßt,wie Basti bei Mitterlehner, erzwing ich ihn mir, darf Basti gern auch versuchen.Und der, der von den Kandidaten da am längsten in der Regierung war und ausschließlich in der Partei gearbeitet hat, was der sonst noch so getan hat steht im oberen Posting und wäre noch lange fortsetzbar,selbst Strache hat zwischendurch an Kunstzähnen geschraubt,der also ist Dir ein Fanal der Erneuerung, ja freilich.Und linkskonservativ,naja, mehr von einem Konservativen als Basti hab ich sicher und was menschliches Leid betrifft bin ich auch weiter links als er,ist aber keine Kunst wenn einer substanzlos ist.Weißt, ist so, bei einer kleinen ÖVP Parteigängerin könnts Euch vielleicht erzwingen daß die ihre Meinung vor lauter Furcht als Irrtum zurückzieht,nicht mit mir probieren, ich bin was anderes und bei Druck werd ich erst so richtig unerträglich, ganz ehrlich.

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fqv6ssum13sap5abxz40ny258v0mf47s
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Puller vertrauenswürdig?

Puller gibt sich mit seinen (unerhörten?) Anschuldigungen selbstbewusst. Er bläst zum Halali auf das Büro Kurz. Seine dünnen Beweise reichen wahrscheinlich nicht aus, um Kurz in Verlegenheit zu bringen. Kern springt aber auf den Zug auf und spricht vom größten Politskandal aller Zeiten. Wenn dabei nichts herauskommt, ist Kern einem Schwindler aufgesessen.

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bimsi1
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Kern sagt dann:"Ich habe mich leider geirrt."

Vielleicht sogar als Videoansprache....

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Pollheim
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Das ist...

wirklich peinlich Herr Jungwirt. Haben auch sie ein Angebot vom "Kurzen" Pressesprecher bekommen? ; )

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AIRAM123
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Re: Das ist...

Herr Jungwirt gehört zum heimlichen Wahlkampf Team von Kurz. Er überschlägt sich laufend vor Begeisterung.

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bgb
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Re: Re: Das ist...

Heute in der KLZ:
Rot Schwarz am Ende?
Hier wird wieder unterschwellig der Versuch unternommen beide Parteien in einem Topf zu werfen!!

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fqv6ssum13sap5abxz40ny258v0mf47s
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Umzingelter Witz

Lachkonserven bitte einschalten, sonst hört man nur das Kopfschütteln.

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UHBP
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Objektive Berichte sind auch was anderes Herr Jungwirth,

aber ganz im Sinne der Zeitungslinie.
Schönen Abend

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