Wahlkampf-Finale in Tirol„Auf welcher Liste stehst denn du?“

Obwohl bei der Tiroler Landtagswahl am 25. Februar kaum Überraschungen warten, ist der Wahlkampf intensiv.

FERNSEH-PRESSESTUNDE ORF: 'DISKUSSION DER SPITZENKANDIDATEN ZUR TIROLER LANDTAGSWAHL': PLATTER
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Beim Parteitag in der Innsbrucker Olympiaworld mit 2100 Sympathisanten legte die Tiroler ÖVP Wert auf Eigenständigkeit. Weit und breit kein Türkis, in Tirol bleibt man schwarz. Diese Konsequenz wurde dem Parteichef Landeshauptmann Günther Platter eindrucksvoll gedankt. Bei der Großveranstaltung, die man kurzerhand in den Wahlkampfauftakt verwandelt hatte, konnte der ehemalige Gendarm aus Zams 99,2 Prozent der Stimmen auf sich vereinen.

Bundeskanzler Sebastian Kurz war als Wahlhelfer angereist und zeigte sich verwundert darüber, dass alle Parteichefs sich einig sind, dass auch der nächste Landeshauptmann Platter heißt. Die Frage sei nur, wer nach dem 25. März mit ihm koalieren „darf“. Platter jedoch sah das anders und sprach von einer „ganz schwierigen Situation“. Wenn nämlich alle vom Wahlsieg der ÖVP überzeugt sind, könne sich der eine oder der andere denken: Da brauche ich ja gar nicht zu Wahl zu gehen.

"Altar Tirols"

Die Grünen haben sich beim Wahlkampfauftakt für einen symbolträchtigen Ort entschieden. Von Patsch, wo sie ihre Wahlplakate aufgestellt haben, kann man den „Altar Tirols“, die beeindruckenden Gipfel der Serles, ebenso sehen wie die Europabrücke der Brennerautobahn, auf der 2017 mehr als zwei Millionen Transit-Lkw durch das Land rollten: Die heile Bergwelt wollen die Grünen erhalten und den überbordenden Transitverkehr eindämmen. Parteichefin Ingrid Felipe: „Die Natur des Landes ist in Gefahr durch die Profit-Interessen einiger weniger.“ Deshalb sei es das Ziel der Grünen, diesen Herausforderungen etwas Wirksamens entgegenzusetzen.

Elisabeth Blanik hat eine schwierige Aufgabe übernommen. Sie soll die SPÖ, die in Tirol nur eine untergeordnete Rolle spielt, wieder auf Vordermann bringen. In früheren Jahren waren die Roten gewohnt, in der Regierung zu sitzen, in der zu Ende gehenden Legislaturperiode mussten sie sich mit der Oppositionsrolle zufriedengeben. Nach dem 25. Februar soll sich das ändern. Deshalb hat sich Blanik an diesem kalten Wintermorgen gemeinsam mit dem Listenzweiten Georg Dornauer in den Straßenwahlkampf gestürzt. Vor der Parteizentrale in der Innsbrucker Salurner Straße sind noch nicht viele Menschen unterwegs zu dieser frühen Morgenstunde. Doch sie nehmen sich Zeit für ein Plauscherl, ein grauhaariger Trachtenträger meint: „Ich bewundere die Frau Blanik sehr für ihren Einsatz. Denn ihre Partei liegt ja ziemlich am Boden.“ Um mehr Leute zu treffen, wechselt der rote Trupp in die Markthalle. Dort spielt der Sellrainer Bürgermeister Georg Dornauer seinen Charme aus. Mit dem Kompliment „Ihr Kleid ist sehr hübsch“ bringt er eine junge Standlerin zum Erröten. Ein männlicher Kollege kann dem Besuch der Kandidaten nicht viel abgewinnen: „Die Politiker sieht man unter dem Jahr nur selten. Vor der Wahl sind sie plötzlich da.“

Den Alois-Lugger-Platz im Innsbrucker Olympischen Dorf hat FP-Chef Markus Abwerzger für seinen Auftritt auserkoren. Kaum dem Auto entstiegen, fragt ihn ein Mann mit Mütze: „Auf welcher Liste stehst denn du?“ Abwerzger: „FPÖ.“ Fragesteller: „Ah, dann bist der Abzwerger!“ Die unkorrekte Namensnennung bringt den gebürtigen Vorarlberger nicht aus der Ruhe: „Du bist nicht der Einzige, der meinen Namen nicht richtig ausspricht. Aber du brauchst nur den Ersten auf unserer Liste ankreuzen. Das passt dann schon.“ Als Maskottchen dient dem blauen Spitzenmann Markus, das Murmeltier, das für Sympathien sorgt sowohl mannshoch in Verkleidung als auch als kleines Stofftier.

"Mädchen für alles"

Die Neos verteilen um 7 Uhr früh am Innsbrucker Hauptbahnhof Kipferln an Hunderte Pendler. Andreas Leitgeb, Listenzweiter und „Mädchen für alles“, hat die Aktion organisiert und spricht mit den Leuten. Eine halbe Stunde später trifft auch Spitzenkandidat Dominik Oberhofer ein. Der Hotelier aus dem Stubaital entschuldigt sich bei seinen Mitstreitern: „Meine beiden Kinder sind krank. Da kommt man nicht so leicht weg von zu Hause.“ Sein Wahlziel ist klar: „Die Neos sind schon in drei Landtagen vertreten. Das wollen wir jetzt auch in Tirol schaffen.“ Dann eilen alle Pinken hinaus auf den Bahnsteig. Parteichef Matthias Strolz kommt aus Wien, um seinen Parteifreunden beizustehen.

Die Liste Fritz wurde einst vom ehemaligen Arbeiterkammer-Präsidenten Fritz Dinkhauser gegründet. Der ist mittlerweile 77 Jahre alt und darf auf ärztlichen Rat hin nicht mehr wahlkämpfen. Listenführerin Andrea Haselwanter-Schneider verwaltet sein Erbe und will die zwei derzeitigen Landtagsmandate verdoppeln. Eine Regierungsbeteiligung ist nicht drin, deshalb sieht man sich in der Oppositionsrolle, die die Menschen goutieren. Beim Besuch in einem Haus mit 77 Parteien klagt ein grauhaariger Bewohner: „Die Politiker verarschen uns. Als sie uns über die Patscherkofelbahn abstimmen ließen, sind oben schon die Bagger aufgefahren.“

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