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Auf dem Weg zur 35-Stunden-Woche?Anschober: "Müssen die Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte verbessern"

Die neue Matura mit Pflegeausbildung wird an vier bis fünf Standorten in Österreich ausprobiert, nach einem Jahr wird evaluiert. Sozialminister Rudolf Anschober will aber auch die Rahmenbedingungen für die Pflegekräfte verbessern. Gewerkschaft fordert die 35-Stunden-Woche.

75.000 Pflegekräfte werden bis zum Jahr 2030 fehlen. Anschober will handeln: "Wir werden uns die Rahmenbedingungen in der Pflege genau anschauen"
75.000 Pflegekräfte werden bis zum Jahr 2030 fehlen. Anschober will handeln: "Wir werden uns die Rahmenbedingungen in der Pflege genau anschauen" © APA/Hans Punz
 

Rudolf Anschober (Grüne) hatte heute seinen ersten Auftritt im Ministerrats-Foyer: Er stellte der Presse die neue Matura mit Pflegeausbildung vor. Gleichzeitig werden auch die Kollektivvertragsverhandlungen für die Sozialberufe ein Thema sein - diese gehen heute in die dritte Runde.

Beim Ministerratsfoyer wird künftig nicht der Kanzler auftreten, sondern der Ball liegt, wie berichtet, bei den Regierungskoordinatoren, Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) und Vizekanzler Werner Kogler (Grüne). Die Fachminister werden jeweils beigezogen, so wie heute ebene Rudi Anschober sowie Innenminister Karl Nehammer - er wird die Aufstockung der zusätzlichen Polizeikräfte um insgesamt 4.300 statt wie bisher geplant 4.100 Leute bis zum Jahr 2023 präsentieren.

 "Rahmenbedingungen verbessern"

Anschober betonte vor den Journalisten, es sei ihm bewusst, dass vor allem auch die Arbeitsbedingungen der Pflegekräfte verbessert werden müssten. "Wir haben 140.000 ausgebildete Pflegeberufe, aber viele arbeiten nicht in ihrem Beruf." Es brauche daher zusätzliche Pflegekräfte, aber "wir werden uns auch die Rahmenbedingungen für die Pflegeberufe ganz genau anschauen".

"Es ist ein Bereich, der eine enorme Wertschätzung verdient", so Anschober. "Es ist einer der schwierigsten Berufe überhaupt, aus psychologischer aber auch aus physischer Sicht."

GPA-Chefin Barbara Teiber erinnerte im Gespräch mit dem Ö-1-Morgenjournal daran, dass es vor allem darum gehe, die Arbeitsbedingungen in den Pflegeberufen zu verbessern, um dem Personalmangel zu entgegnen. Sie sprach sich vehement für einen ersten Schritt in Richtung 35-Stunden-Woche aus. Bisher sei man mit diesem Ansinnen gescheitert. Nur einen zusätzlichen Urlaubstag habe man im Vorjahr herausverhandelt.

35-Stunden-Woche

Bei der Forderung nach der 35-Stunden-Woche geht es einerseits um eine Maßnahme, die der Verdichtung der Arbeitsbelastung entgegenwirken soll, zum anderen um eine Annäherung an die Realität: 70 Prozent der Pflegekräfte arbeiten in Teilzeit, vor allem sind es Frauen. Eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit bei vollem Lohnausgleich würde bedeuten, dass ihr Gehalt entsprechend ansteigt.

Zahl der Pflegegeldbezieher steigt

Die Zahl der Pflegegeldbezieher ist im
Jahresvergleich neuerlich gestiegen. Im Dezember 2019 erhielten 466.360 Personen die Geldleistung. Das bedeutet einen Anstieg
um 1,15 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Die Pflegebedürftigkeit: 28,1 Prozent der Pflegelgeldbezieher entfielen zuletzt auf Stufe 1, 21,4 Prozent auf Stufe 2, 18,2 Prozent auf Stufe 3, 14,7 Prozent auf Stufe 4, 11,3 Prozent auf Stufe 5, 4,4 Prozent auf Stufe 6 und zwei  Prozent auf die Stufe 7, also jene mit dem höchsten Pflegebedarf. Die Einstufung in die  einzelnen Pflegestufen orientiert sich nach dem Pflegebedarf nach Stunden.

Von den 466.360 Pflegegeldbeziehern war erneut die klare Mehrheit weiblich. 293.015 Frauen (62,8 Prozent) und 173.345 Männer (37,2 Prozent) befanden sich im Dezember unter den Betroffenen.

Das Pflegegeld, das seit seiner Einführung 1993 kontinuierlich an Wert verloren hatte, wurde mit Jänner 2020 angehoben und wird nun jährlich valorisiert. Die Geldleistung wurde davor erst fünf Mal erhöht, zuletzt 2016. Laut Experten soll das Pflegegeld in den vergangenen 25 Jahren rund 35 Prozent an Wert verloren haben.

Die Höhe des Pflegegeldes und der angenommene Pflegebedarf pro Monat:

  • Stufe 1: 160,10 Euro (65 Stunden)
  • Stufe 2: 295,20 Euro (95 Stunden)
  • Stufe 3: 459,90 Euro (120 Stunden)
  • Stufe 4: 689,80 Euro (160 Stunden)
  • Stufe 5: 936,90 Euro (180 Stunden)
  • Stufe 6: 1.308,30 Euro (180 Stunden)
  • Stufe 7: 1.719,30 Euro (180 Stunden)

Die Matura mit Pflegeausbildung werde wenig bringen, wenn die Arbeitsbedingungen nicht besser und der Beruf nicht attraktiver für junge Leute wird, so Teiber.

Auch Anschober weiß, dass die Zahl der verfügbaren Arbeitskräfte nicht automatisch sprunghaft steigen wird. Ihm ist es wichtig, mehr junge Leute auf den Weg zu bringen, ihnen eine neue Perspektive zu geben. Jugendliche mit 15 in ein Pflegeheim zu schicken macht auch für ihn - so wie für Kritiker des Projekts - wenig Sinn.

In den ersten beiden Jahren des Ausbildungsprogrammes, das an vier bis fünf Standorten quer durch Österreich im Rahmen eines Schulversuchs mit zunächst 150 Schülern in Form einer Höheren Lehranstalt realisiert werden soll, wird die Schulausbildung in Richtung Matura im Mittelpunkt stehen. Erst in einer späteren Phase erfolgt die praktische Ausbildung in der Pflege.

75.000 Fachkräfte in der Pflege werden bis zum Jahr 2030 fehlen. Die Matura mit Pflegeausbildung sowie eine dreijährige Fachschule sollen die Zahl der verfügbaren Pflegefachkräfte spürbar erhöhen.

Innenminister Nehammer betonte, der Bedarf an zusätzlichen Kräften in der Exekutive sei groß. Die ersten, in den Polizeischulen neu ausgebildeten Kräfte würden im Sommer 2020 in den Polizeinspektionen ankommen.

Die Herausforderungen für die Polizei würden immer größer, so Nehammer, der diesbezüglich auf die Migrationskrise im Jahr 2015 oder auf den aktuellen Cyberangriff auf das Außenministerium verwies: "Kriminalität verändert sich." Daher müssten auch neue Sondereinheiten geschaffen werden. Die zusätzlichen Planstellen würden die Rahmenbedingungen für eine moderne Polizei schaffen und Spezialisierungen wie zur Bekämpfung der Cyberkriminalität ermöglichen.

Kommentare (57)
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Gedankenspiele
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Der Zugang der ÖVP war bisher immer ein anderer.

Wenn eine Branche zu wenig Arbeitnehmer verzeichnet (siehe Köche im Tourismus, obwohl es genug darin Ausgebildete gäbe), reagierte die ÖVP stets mit der Erweiterung der Mangelberufsliste und der Zumutbarkeitskriterien für Arbeitslose, anstatt den Beruf zu attraktivieren (z.B. mit mehr Gehalt und/oder kürzeren Arbeitszeiten).

Der Zugang der ÖVP kautet dabei immer: Stelle stets die Interessen der Arbeitgeber pber jene der Arbeitnehmer. Irgendwann werden das auch Teile der 39 Prozent ÖVP-Wähler verstehen.

Estarte
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SCHWERARBEIT

Für diese Schwerarbeit braucht man bessere Arbeitsbedingungen und ein höheres Gehalt.
Um einen älteren Menschen nach dem WC Gang zu reinigen, ihn ganz körperlich zu waschen, und zu verbinden..... benötigt man keine Matura.
Mit der billigen 5 jährigen Matura würden die meisten Menschen wohl weiterstudieren.
Pflege kann man bereits schon studieren, es gibt etwa aktuell 140 Studierende und jedes Jahr 7 Absolventen

NK4FOLJ5WW35WS6F
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ein anständiges Gehalt

ist noch immer die beste Motivation. Natürlich - Geld ist nicht alles - aber es erleichtert Vieles.

wintis_kleine
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Ich finde den Vorstoß von Hrn. Anschober im bezug auf die Pflegekräfte vollkommen richtig

Aber bitte auch zu berücksichtigen, dass viele Personen über den SWÖ KV entlohnt werden, die nicht direkt in der Pflege arbeiten (Tagesmütter, BuchhalterInnen, Transitarbeitkräfte in AMS Projekten, etc.)
Hier wärte die Reduzierung der Arbeitszeit nicht nur kontaproduktiv, sondern würde diesen Bereich übermäßig verteuern, was absolut nicht nötig ist.

schteirischprovessa
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Der Anschober hat da bereits einen sehr guten

Zugang zu den tatsächlichen Problemstellungen.
Dies lässt hoffen, dass in Sachen Pflege wirklich eine gesamtheitlich sinnvolle Lösung getroffen wird.
Und zwar im Gegensatz zu dem kontraproduktiven Unsinn, der einst durch die SPÖ und die Gewerkschaften für die 24-Stunden Pflege mit Versicherungs- und Steuerpflicht veranstaltet wurde und der dazu geführt hat, dass sich viele diese Art der Pflege nicht mehr leisten konnten (eigene Erfahrung nach schwerem Schlaganfall meines Vaters).

lieschenmueller
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@schteirischprovessa

Verstehe ich nicht ganz. Die meisten Pflegerinnen versichern und versteuern aus z.B. bei uns 88,70 pro Tag. Soll heißen sie sind Selbständige.

Feja
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Da beuten wir doch lieber weiter die Pflegekräfte aus

Modernes Sklaventum.
Und dann wundert man sich warum es keine Leute gibt die diesen Beruf ergreifen wollen.

lieschenmueller
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@Feja - Sklaventum

Bei seriösen Agenturen haben die Frauen in 2 Wochen das verdient wie daheim in 2 Monaten. Wenn überhaupt.

schteirischprovessa
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Genau so ist es!

Da hätte es weitaus sinnvollere Lösungen gegeben. Doch da glauben Ahnungslose, die nie in der Praxis damit zu tun gehabt haben, sie müssen ihren Senf dazu geben.

mapem
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Na ja, proveeeeesa …

wennst a bisserl einen Senf nebst oder unter so ein 0815-Würstl setzst, gibt´s dem Ganzen erst den richtigen Pep – findest nicht?

Kernöl hingegen zieht fettige, unansehnliche Schlieren und wird bald ranzig … sogar hier im Forum ziehen sie sich überall durch … diese Schleimspuren … wähhh …

Es lebe der Senf!

hermannsteinacher
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Nullelanten

können mit steirischem Kürbiskernöl nicht umgehen.

lieschenmueller
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@schteirischprovessa

Ich hatte bevor es nötig wurde auch null Ahnung und hörte von Bekannten oft, "wenn es bei meiner Mutter oder Vater einmal soweit ist, dann nehme ich mir eine 24-Stunden-Pflege".

Ja Grüß Gott, das muss man sich erst einmal leisten können. Wurde mir vom Institut auch bestätigt. Mit einer kleinen Pension geht sich das nicht aus. Und der Staat fördert im Grunde nicht schlecht. Die Pflegestufen und zusätzlich 550 Euro pro Monat (Anspruch ab Stufe 3). Trotzdem braucht es noch Ersparnisse. Man rechne sich die von mir angeführten Sätze, also 88,70 ab heuer auf die Monatstage, plus Fahrtkosten, plus Verpflegung und plus Institut aus …..

Ein Pflegeheim käme uns billiger.

Feja
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Woher willst du wissen, dass ich nichts damit zu tun habe?

Lächerlich *fg*

Feja
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Ja Lieschen

Aber wenn es so wie zuvor sein sollte wie Prozesse schreibt, dann gebe es weder Versicherung noch Steuer und das ist Sklaventum.

lieschenmueller
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@Feja

Es gibt unglaublich viele Institute. Welche die die Versicherung den Angehörigen übergeben aber dafür der Tagsatz billiger ist, dann welche, wo es die Vermittler abrechnen oder wie bei uns die Selbständigen-Variante.

Erstere hat den Nachteil, dass man sich dabei auskennen muss und zusätzlich Arbeit, die zweite, dass wenn ein Institut unseriös ist, die Abgaben nicht abführt und die Pflegerinnen das gar nicht wissen und erst bei Arztbesuchen etc. draufkommen.

Variante drei ist unseren Pflegerinnen die liebste und über unsere Agentur geht das auch gar nicht anders, nämlich jeden 3. Monat zahlen die Schwestern ihre Steuern und ihre Versicherung selbst, dafür hohe Tagsätze unsererseits.

Ohne Versicherung und Steuern wäre ja ein Irrsinn und meiner Meinung nicht legal.

Feja
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Ja aber genau darum ging es steirischerprov ja

Um die Einführung der Versicherung und Steuer.
Er schrieb:
„ Und zwar im Gegensatz zu dem kontraproduktiven Unsinn, der einst durch die SPÖ und die Gewerkschaften für die 24-Stunden Pflege mit Versicherungs- und Steuerpflicht veranstaltet wurde...“

lieschenmueller
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@Feja

Also das der zu Pflegende besser gesagt dessen Familie das Organisatorische noch dazu hätte?

Mir ist unsere Variante auch weit lieber, das mit der Selbständigkeit.

Bei so vielen Instituten - man schaue nur ins Netz - ist es ein wahrer Dschungel und auch eine Gefahr für unwissende Frauen aus den diversen Ländern. Oft noch mit Knebelverträgen, wo sie lange nicht raus kommen.

Wir hatten schon 5 Jahre mobile Pflege* von einem der paar großen Anbieter, also blieben wir auch bei den 24-Stunden dabei.

*die machen Einheimische

GuentAIR
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Um die tatsächlichen Bedingungen zu sehen ...

... müssten die Politiker/innen mal persönlich mit den Pflegekräften reden, va mit jenen der mobilen Pflegedienste - und nicht in „Vorzeigehäusern“ einen angekündigten Pressetermin absolvieren.

homerjsimpson
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Pflege-Mitarbeiter, Kindergärnterinnen.... 2 "Randgruppen" der Gesellschaft....

.....wenn man nach der Bezahlung geht, und auch den Arbeitsbedingungen in der Pflege. Es ist beschämend für uns, was diese Berufsgruppen für Rahmenbedingungen und Gehälter bekommen. Nichts gegen "Top-Manager", aber warum wer 100x so viel wie eine Kindergärtnerin verdienen muss, der zum Großteil von den Leistungen der Mitarbeiter darunter lebt, soll mir mal einer erklären.

schetzgo
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Matura mit Pflegeausbildung

da wird keiner pflegen sondern maximal evaluieren und delegieren- am Kranken bzw Pflegebett werden aber Menschen mit Herz gesucht, die auch angreifen und zuhören können.

homerjsimpson
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Maturanten haben kein Herz und Arbeiten nicht oder wie ist das zu verstehen???

Sagen Sie mal......

Feja
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Ich glaube nicht, dass das so gemeint war

Tatsache ist jedoch, dass nur weil man dann Matura hat, deswegen nicht mehr Menschen diesen wirklich harten Job ergreifen werden.

redbull
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Die Matura alleine bringt gar nichts außer später die Möglichkeit zu haben, ein Studium oder eine Fachhochschule zu absolvieren bzw. sich anders weiterzubilden.

lieschenmueller
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@redbull - AHS ja,

die Matura bei einer BHS bringt eine Berufsausbildung zusätzlich.

redbull
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Stimmt

Bei einer BHS-Matura hat man eben die Auswahl: Beruf oder Studium. Und bei weitem nicht alle entscheiden sich für ein Studium, wie hier vielfach befürchtet.

lieschenmueller
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Zusätzlich bitte nicht bei den Einrichtungen sparen

Heute wieder der Fall, wo die 24-Stunden-Pflege nicht mehr weiter kann, Anruf Arzt, Einlieferung Krankenhaus. Nach Erkundigung meinerseits ob stationär oder nicht, wird einem irgendwie durch die Blume gesagt (wenn überhaupt), dass man den Kranken dort deponieren möchte. Also man hätte am gleichen Tag wieder heim geschickt. Betten* sind rar.

Jetzt werden zum Glück noch weitere Untersuchungen gemacht, warum und wieso - was man im Grunde voraussetzt. Weil sonst nach ein paar Stunden wieder Rettung rufen und alles beginnt von vorne …..

*Wenn in diesen Bereichen gekürzt wird haben wir bald ein riesen Problem.

 
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