BISCHOFSKONFERENZKardinal Schönborn: „Das Nulldefizit ist eine ethische Notwendigkeit“

Die heimischen Bischöfe tagten erstmals in Sarajevo, wo sie die Innenpolitik einholte. Kardinal Christoph Schönborn verurteilt die Verschuldung des Landes, korrigiert die Caritas und kritisiert die Balkanpolitik der FPÖ.

BOSNIA-RELIGION-CATHOLICISM
Die heimischen Bischöfe tagten erstmals in Sarajevo © APA/AFP/STR
 

Mahnende Worte zur hohen Verschuldung des Landes fand gestern Kardinal Christoph Schönborn zum Abschluss der Bischofskonferenz, die erstmals in Sarajewo stattfand. Das Kirchenoberhaupt sagte, er erinnere sich noch gut an das Jahr 1970, als „die ÖVP das Land schuldenfrei übergeben“ habe. „Inzwischen belastet allein eine Zinsenlast von mehreren Milliarden die Bürger.“ Das sei ethisch nicht hinnehmbar, zumal die hohen Schulden eine unverantwortbare Bürde für die nachkommenden Generationen seien, so Schönborn.

Vor diesem Hintergrund begrüße er es, dass die Regierung den „ernsthaften Versuch“ unternehme, ein Nulldefizit im nächsten Jahr umzusetzen. Das erfordere Mut und die Solidarität der Bevölkerung, da ein solches Ziel ohne schmerzhafte Opfer nicht möglich sei. Der Kardinal sprach sich für einen offenen Diskurs über die Frage aus, wo es zu Einschnitten kommen solle und wie Gerechtigkeit bei der Verteilung der Last hergestellt werden könne.

Kritik an der Caritas

Bezugnehmend auf die exponierte Haltung der Caritas in dieser Frage appellierte Schönborn daran, nicht mit Zerrbildern zu operieren. Es sei zwar richtig, auf die Situation der Ärmsten hinzuweisen, von einer „Aushöhlung des Sozialstaates“ könne dennoch nicht gesprochen werden. Das sei Polemik.

"Das Wort Asyl darf nicht zum Schimpfwort werden"

Um Differenzierung war das Oberhaupt der katholischen Kirche auch bei der Beurteilung der verschärften Migrationspolitik bemüht. Es sei nach der großen Flüchtlingswelle richtig gewesen, „dem Strom Grenzen zu setzen“. Dennoch sei bei der strengeren Handhabung der Aufnahmepraxis Augenmaß zu wahren. Schönborn: „Das Wort Asyl darf in Österreich nicht zu einem Schimpfwort werden.“ Es gehöre zum christlichen und europäischen Erbe. Menschenrechtliche Standards dürften nicht unterlaufen werden. Sie seien integraler Bestandteil der demokatischen Ordnung.

Die Bischofskonferenz befasste sich auch mit dem Gedenkjahr und dem März 1938, der sich zum 80. Mal jährt. Mit klaren Worten verurteilt das Episkopat die damalige Rolle der Amtskirche und ihr moralischs Versagen. In einer schriftlichen Erklärung heißt es wörtlich: „Es schmerzt heute noch, dass damals und in den düsteren Jahren danach die Christen - auch und gerade die Bischöfe - der Macht des Hasses, der Unmenschlichkeit und der Diktatur nicht entschlossener entgegengetreten sind.“

 "Es gab zu wenige Gerechte"

Das unverstellbare Leid des jüdischen Volkes sei für Christen mit der schmerzlichen Erinnerung an den Antisemitismus und die eigene schuldhafte Verstrickung verbunden. Ein jahrhundertlang religiös verbrämter Antijudaismus habe zur Folge gehabt, dass Christen einem rassistischen Antisemitismus nicht entschieden genug widerstanden. Das Bewusstsein der Glaubenssolidarität der Christen mit den Juden sei nicht vorhanden gewesen. „Es gab zu wenige, viel zu wenige Gerechte.“

Am Vortag hatte sich der Wiener Kardinal nachdrücklich für einen EU-Beitritt des Landes ausgesprochen und sich in der Kaisermoschee von „radikalen, aggressiven Parolen“ in seinem Land distanziert. Sie kämen nur von einer Partei, sagte Schönborn, ohne die FPÖ beim Namen zu nennen. Deren Verbrüderung mit den serbischen Zündlern, mehrfach von den bosnischen Gastgebern zur Sprache gebracht: Das sei, so der Kardinal, nicht das Gesicht Österreichs.

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Danke für Ihr Verständnis.

max13
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Herr Schönborn,

Reden sie nicht Unsinn .
Das Land war auch 1970 nicht schuldenfrei.
Durch die knebelungs Politik des Klaus,bekamen die schwarzen,das Budget einigermaßen klar.
Der schuldenstand nach verjagen der Schwarzen Regierung war umgerechnet ca 3600000000 Euro.
Schwarze Politik ist immer zum Schaden für Österreich. Das war 1966-1970 ,2000-2007 so.
Jetzt wird es noch schlimmer.

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raspel
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Da liegen Sie leider falsch,..

..die heutige Schuldenlast ist während der rot-schwarzen Regierungen entstanden. Die SPÖ kann heute nicht vorgeben, als hätte sie damit nichts zu tun. Wahrscheinlich ist es ihr sogar egal, denn Schulden haben sie nie besonders irritiert.

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glashaus
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Herr Schönborn

es wäre Zeit zurückzutreten, denn es stinkt gewaltig.

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Respekt

Wenigstens scheint der Herr Kardinal noch an die Vernunft zu glauben. Dass man mit Schulden keinen Sozialstaat "finanzieren" kann, müsste einem Volksschüler nach der ersten Klasse einleuchten. Aber ich schreib hier ja sowieso gegen "Gummiwände". Mir soll mal ein Caritasmensch erklären, wie das mit der "Verteilung" des Reichtums aussieht, wenn man Milliarden an Steuergeld (ja , das ist unser Geld liebe Sozialdemokraten) zum Zinsenzahlen an in- und ausländische (Sic) Banker, Spekulanten und Großkapitalisten "verteilt"! Den Sozialbewegten hier ins rote Stammbuch geschrieben: Hochverschuldete Staaten sind schwache Staaten, schwache Staaten fördern die ungleiche Verteilung des Volksvermögens, weil sie sich auf dem Kapitalmarkt finanzieren MÜSSEN. Hirn einschalten, Leute!

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GordonKelz
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ETHIK.....

...Herr Kardinal ist auch ,sich nicht in die Belange der POLITIK einzumischen , Kirche und POLITIK ist ein unheilvolles Gespann, das zieht sich leider um die Welt ! Die Folgen sind täglich verheerend !
Kehren Sie vor der eigenen Tür , da staubt es gewaltig ! Wie wäre es auch einmal die Steuern zu bezahlen ,die jeder von uns bezahlt ....!!!
Gordon Kelz

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Jak39
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Sg. Herr Kardinal,

bevor man ständig mit dem Finger auf die anderen zeigt, bitte vor der eigenen Tür kehren. Oder ist das wieder ein Manöver, um von den Problemen unserer r.k. abzulenken.

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scionescio
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Sehr entbehrliche Kommentare des Kardinals ...

... aber er könnte ja beim NUlldefizit mithelfen und den unnötigen Reichtum, der zum größten Teil unter fragwürdigen Umständen (von der Hexenverbrennung über die Kreuzzüge, dem Ablaßhandel, Frondiensten, etc.) angehäuft wurde, der katholischen Kirche zur VErfügung stellen ...

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isogs
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Deal

Schön wieder einen Deal mit dem Bundeskanzler? Zuerst wird der ehemalige Karitaspräsident Küberl als Stiftungsrat abberufen und nach Kritik der Caritas wird das Nulldefizit hochgelobt. Es zählt nur das Geld nicht der Mensch. Besonders bei unserem Kardinal.

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walter1955
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schönborn

ist kein Vertreter der röm.kath kirche
für mich ist er ein schlei-er

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cleverstmk
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Schönborn

Der hat doch den ehemaligen Caritasdirektor die Kündigung unter der Tür durchgeschoben.Auf seine Zurufe verzichten wir gerne.

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altbayer
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Historikerkommission

Vielleicht sollte die katholische Kirche auch einmal eine Historikerkommission einsetzen und sich mit der Zeit von 1939-1945 beschäftigen, bevor in Bosnien große Reden über die FPÖ geschwungen werden.
Ich hatte vor 2 Jahren Jahr am Christkönigsonntag das "Vergnügen" der Predigt eines Pfarrers beim Firmgottesdienst (Beginn der Vorbereitung) zu lauschen.
Dabei wurde Kardinal Innitzer als Märtyrer gegen die NS Zeit in den Himmel gelobt.
Sorry, aber wer hat 1938 in Wien alle Kirchenglocken läuten lassen, als der "Dolferl" in seine Stadt heimgekehrt ist?
Die Rolle des Kardinals im NS-Regime ist nie aufgearbeitet worden.

Herr Kardinal Schönborn, bitte leben sie auch einmal Geschichte - wir "jetzt lebenden Österreicher" wollen diese Zeit aufarbeiten (egal welche Partei, Institution, Turnverein, etc.), damit diese Zeit nie wieder zurück kommt.

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Lodengrün
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Abgesehen davon das die Historikerkommissionen

das nicht umsonst machen, man immer im Augenmerk haben soll welcher Partei diese Mitglieder nahe stehen so sollten sie nicht zu viel in die Vergangenheit schauen. Denn da tut sich bei Kirche als auch ÖVP nicht gerade die Blumenwiese auf. Und was soll das? Jetzt zieht Herr Kurz wie ein Bulldozer durch das Land und walzt das historisch gewachsene Sozialgefüge nieder. Als ob alles ein Schmarren war.

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