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GastkommentarSelbsttötung braucht keine Unterstützung, sondern Vorbeugung

Gudrun Kattnig vom Katholischen Familienverband warnt davor, die aktive Sterbehilfe voreilig und leichtfertig zu legalisieren und plädiert dafür, von den Fehlern anderer zu lernen.

Am Donnerstag muss das Höchstgericht ein richtungsweisendes Urteil fällen
Am Donnerstag muss das Höchstgericht ein richtungsweisendes Urteil fällen © (c) APA/HERBERT NEUBAUER (HERBERT NEUBAUER)
 

Am Donnerstag berät der Verfassungsgerichtshof über vier Beschwerden, deren Ziel es ist, die Mitwirkung am Selbstmord sowie die Tötung auf Verlangen gesetzlich zu erlauben. Sollte es dazu kommen, ist davon auszugehen, dass sich die Zahl der Selbsttötungen künftig drastisch erhöhen wird. Argumentiert wird, dass jeder Mensch die Möglichkeit haben sollte, vor einem möglicherweise schrecklichen Sterbevorgang bewahrt zu sein. Zum Recht auf Leben gehöre auch ein Recht, sich selbst zu töten oder getötet zu werden, was beinhalten würde, dass es Menschen geben muss, die den Tötungsakt straffrei vollziehen.

Kommentare (16)

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GanzObjektivGesehen
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Ich musste zum Glück erst einmal ...

...einem schwer leidendem Menschen in die Augen sehen, das Gesicht vor Schmerz verzerrt, unfähig sich zu bewegen, unfähig sich mit seiner Umwelt zu
unterhalten, wundgelegen, im eigenen Kot.

Sie wollte sterben dem Schmerz entkommen. Ich konnte mit dem Satz "Jesus hat für uns am Kreuz gelitten" nichts anfangen, auch heute noch nicht.
Der Mensch wurde nicht zum Leiden geboren, auch wenn andere das zu glauben scheinen.

Ich wünschte ich hätte ihr damals helfen können. Und jetzt wische ich meine Tastatur trocken. Gute Nacht !

feringo
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@GanzObjektivGesehen : Schmerzen

Ihre Schilderung weckt sehr viel Mitleid in mir und es ist traurig, dass das passiert ist.
Trotzdem drängen sich in mir ein paar Fragen auf:
In welchem Jahr ist das passiert?
Warum wundgelegen? Wurde nicht ausreichend gepflegt?
Im eigenen Kot - in Windeln?
Schmerzverzerrt: Wurde kein Schmerzmittel angewendet?

GanzObjektivGesehen
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Irgendwann kommt jedes System an seine Grenze.

In meinem Fall ein Pflegeheim, in dem einfach nicht genügend Personal zur Verfügung stand. Ein sehr belastender (auch wenn die Arbeit mit Freude gemacht wird) Beruf, welcher chronisch unterbezahlt wird.

Und irgendwann hilft das beste Schmerzmittel zur Verfügung stehende Schmerzmittel nicht mehr. Das musste ich leider bei einer Nierenkolik selbst erfahren.

Die Welt ist nicht immer so wie wir sie gerne hätten.

feringo
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@GanzObjektivGesehen : Schmerzen2

Ich danke Ihnen für die hilfreiche Antwort und ich glaube ich verstehe Sie, auch meine Tastatur könnte jetzt bald einen Wischer brauchen. Alles Gute!

masterchristl
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GastkommentarSelbsttötung braucht keine Unterstützung, sondern Vorbeugung

Meine Mutter war jahrelang schwerstleidend. Ich pflegte sie. Hätte es damals aktive oder passive Sterbehilfe gegeben und sie das verlangt; bitte, wie hätte ich da weiterleben können? Ich kann es mir nicht vorstellen.

Kleinezeitungapp
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Wahlfreiheit

Ich unterstütze Ihre Entscheidung und die Entscheidung ihrer Mutter vollkommen. Ich möchte Sie allerdings bitten eine Wahlfreiheit in dieser Fragestellung anders Denkenden zuzugestehen.

Kleinezeitungapp
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Würde

Als jemand der seit Jahrzehnten viele Aspekte des Krankseinseins, des Leidens, und des fortschreitenden Verlustes von emotionalen und körperlichen Fähigkeiten in seinem Beruf kennen gelernt habe, habe ich für mich selbst die Entscheidung getroffen, dass ich am Ende eines selbstbestimmten Lebens nicht alle Fähigkeiten und Fertigkeiten wieder verliere die ich als Säugling und Kleinkind mühevoll über Jahre erworben habe. Ich möchte nicht wieder Windeln notwendig haben, ich möchte nicht die Fähigkeit verlieren mit Menschen zu kommunizieren und ich möchte nicht in der Befriedigung meiner These meiner grundlegenden Bedürfnisse wie Essen und Trinken von anderen Menschen abhängig werden - das ist mit meiner Menschenwürde nicht vereinbar. Diese Lebensumstände, mit denen viele Menschen rechnen müssen, sollen in der Diskussion über Sterbehilfe diskutiert werden.

feringo
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@Kleinezeitungapp & masterchristl

Ich danke Ihnen für die Schilderung Ihrer Erlebnisse. Sie zeigen wie vielfältig menschliche Eindrücke und Erfahrungen sein können.

bruzel
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aha

Zitat: "Es kränkt die Menschenwürde massiv, wenn auf eine tödliche Verzweiflung mit der Tötung des Verzweifelten reagiert wird!"

Also wenn ein Mensch am Ende einer Erkrankung zum Beispiel langsam erstickt, dann ist das menschenwürdig?

Wenn ein Mensch am Ende so viele Schmerzen leidet, dass er so stark medikamentös behandelt wird, dass er ohnehin nur mehr vor sich hin döst und kaum mehr was mitbekommt, dann ist das menschenwürdig?

Aber wenn ein Mensch für sich beschließt, dass er sich bewusst verabschieden möchte, solange er noch kann und keine weiteren Leiden mehr ertragen möchte, dann ist das menschenunwürdig?

Das ist also das "christliche" Weltbild von Menschenwürde, wo die Würde und Autonomie eines Menschen einer Doktrin geopfert wird.

dieRealität2020
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ich kann es nicht anders nennen, dass ist eine absolute Kacke,

"...In allen Ländern, in denen das Tötungsverbot fällt, steigen die Sterbehilfefälle rasant an..."
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>>>> Dann sollte er bem Nachbarn Belgien die Zahlen seit der Sterbehilfe einholen. <<<
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Das sind nichts anderes als subjektive Ausdrucksformen zB. was heißt rasant?

feringo
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Bedingungslose Liebe

"Es kränkt die Menschenwürde massiv, wenn auf eine tödliche Verzweiflung mit der Tötung des Verzweifelten reagiert wird!"
Sehr interessant, wenn das Wort "Menschenwürde" als gleichwertig bzw. vorrangig mit "Mensch" gesetzt wird. Für mich ein Hinweis, dass es der Argumentatorin zuerst um die christlichen Vorschriften geht und erst dann um das Menschenleid.
Dass die Nachfrage nach selbstbestimmtem Tod nach Erlaubnis durch den Staat ansteigt, ist kein Gegenargument sondern ein Beweis der Bedürftigkeit.

dieRealität2020
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Dass die Nachfrage nach selbstbestimmtem Tod nach Erlaubnis durch den Staat ansteigt, ist kein Gegenargument sondern ein Beweis der Bedürftigkeit.

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Genau das ist u.a. ein Teil die Krux der Sache. Die Menschen die hier seit Jahren ihre Meinungen loslassen, wissen nicht einmal die Inhalte von Rechtsverträgen (Ethikverträge) bei der Sterbhilfe. Bei der Prüfung der Rechtsmäßigkeit muss eine Fülle von Voraussetzungen erfüllt werden. Googeln sie diesen Ethikvertrag in Belgien (Amtsblatt). Bei ernsthaften Interesse lege ich gerne eine Kopie zur Einsicht auf.

feringo
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@dieRealität2020 : Verträge

Aus Ihrer Antwort kann ich nicht erkennen, wo Sie sich hinstellen.
Ich denke klar geschrieben zu haben, Menschenleid über Verträge zu stellen.
Dass Juristen keinen dem Menschenleid passenden Vertrag in Österreich zustande bringen, nehme ich den Gegnern nicht ab.

feringo
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@dieRealität2020 : P.S.

P.S.: Pardon, alles klar, habe Ihre anderen Stellungnahmen gelesen.

dieRealität2020
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was kann eine Katholikin und Geschäftsführerein vom katholischen Familienverband äußer? was?

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Sie wie auch andere Menschen Gegner der Sterbehilfe, kennen keine Menschen die sterben wollen und auch nicht die Angehörigen, das sind die Tatsachen, somit können sie auch nichts zur Sache sagen. Auch in diesen Bereich sind Menschen mit erhöhten Selbstdarstellungsdrang unterwegs sich in Szene zu setzen, ohne tatsächlich zu wissen was Sache ist. Der Inhalt dieses Artikel zeigt mir das diese Aussagen nicht korrekt und sachlich erhoben wurden.
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was sollte ein Ethiker dazu sagen? Ethiker Theo A. Boer warnt: „Wenn man eine umstrittene Praxis legalisiert, stellt man sie in einem Schaufenster als Warenangebot aus.“?
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Tatsache ist, dasss ich in den 10 Jahren nach dem Tod meiner Frau über die ersten Sterbehilfen in Belgien, nur Meinungen lese und höre ohne Grundlagen zur Sache. Es sind genaugenommen nur gefühlsmäßige Äußerungen.
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Man möge mir sagen warum sich im letzten Jahrzehnt keine Angehörigen zu Wort gemeldet haben oder befragt wurden, ausgenommen eine Frau eine Verwandte aus der 2. familiären Ebene im Fernsehen.

dieRealität2020
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ich kenn die Zahlen der letzten 13 Jahre,

diese Zahlen werden größtenteils nahezu immer verdreht und vom einzelnen Meinungsgeber instrumentalisiert, dabei wird hier nicht in den Hintergrund geblickt. Angehörige und Menschen in der Sterbehilfe geben durchwegs keine Interviews, lassen sich nicht filmen (im deutschen Fernsehen wurde eine Dokumentation (die nicht dieses Wort verdient) gezeigt und eine über einen 92jährigen der zum Sterben mit dem Auto in die Schweiz fuhr. Und dann diese trottelhaften und dümmlichen Artikel von Journalisten, die Kommentare abgeben ohne tatsächlich zu wissen was Sache ist.
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