Drama um den in den letzten Tagen in Turbulenzen geratenen ehemaligen FPÖ-Nationalratsabgeordneten Hans-Jörg Jenewein: Nach Informationen der Kleinen Zeitung soll Jenewein in der Nacht auf Sonntag in seinem Haus in Niederösterreich einen Suizidversuch unternommen haben. Er konnte rechtzeitig in ein Wiener Spital gebracht werden.

Schwester meldet sich zu Wort

Am Sonntagnachmittag meldet sich Jeneweins Schwester, die Abgeordnete Dagmar Belakowitsch, zu Wort. Sie bestätigte die "Verzweiflungstat", dementierte allerdings Medienberichte, wonach ein Abschiedsbrief gefunden wurde bzw. er im künstlichen Tiefschlag liege. "Er liegt Gott sei Dank nicht im Koma."

Rosenkranz verschiebt Pressekonferenz

Unterdessen sagte der Kandidat der FPÖ für die Hofburg, Walter Rosenkranz, seine für Montag geplante Pressekonferenz ab. Bei dem Termin wollte er für Unterstützungserklärungen werben.

Der frühere Vizekanzler und Ex-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache meldete sich indes auf Facebook zu Wort. Der ehemalige Spitzenpolitiker nutzte die Tragödie, um seinem früheren Parteifreund auszurichten, dass "niemand mit einem Suizid aus dem Leben scheiden und davonlaufen, sondern sich den behördlichen Anwürfen stellen" sollen.

Ex-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache meldete sich auf Facebook zu Wort
Ex-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache meldete sich auf Facebook zu Wort
© Facebook/Kleine Zeitung

Der FPÖ-Fraktionsführer im ÖVP-U-Ausschuss, Christian Hafenecker, kritisierte hingegen die Berichterstattung über den Zustand seines Ex-Kollegen als "absoluten Tiefpunkt des österreichischen Journalismus, durch den alle Dämme des Anstands gebrochen wurden". Jenewein sei "nach seiner tragischen Verzweifungstat durch die Verletzung seiner Persönlichkeitsrechte für vogelfrei erklärt", seine Familie in diesen schweren Stunden nicht geschützt und "mit dieser entsetzlichen Art der Berichterstattung "auch noch nachgetreten" worden, so Hafenecker. Das habe mit Journalismus nichts mehr zu tun, so der FPÖ-Abgeordnete "– das ist übelste Hetze".

Jenewein hatte in den letzten Tagen für Schlagzeilen gesorgt, weil er überraschend aus der FPÖ ausgetreten ist. Offenbar kam er einem Parteiausschluss zuvor. Auf dem bei einer Razzia beschlagnahmten Handy wurde der Entwurf einer anonymen Anzeige gefunden, die gegen Teile der Wiener FPÖ-Riege eingebracht worden ist. Jenewein gilt als enger Vertrauter von FPÖ-Chef Kickl, in Parteikreisen geht man davon aus, dass Jenewein dies nicht ohne Wissen des Parteichefs getan hatte. Jeneweins Handy war beschlagnahmt worden, weil der Verdacht im Raum stand, dass Informationen des ehemaligen BVT gegen Geld geflossen sein sollen – es gilt die Unschuldsvermutung.