In einem Interview in der kommenden Ausgabe des Nachrichtenmagazins „profil“ sagt die Leiterin der Bioethik-Kommission, Christiane Druml, dass „die Covid-19-Impfpflicht der Startschuss für einen neuen Anlauf sein könnte, Menschen besser gegen überflüssige Krankheiten wie Masern, Keuchhusten oder Influenza zu schützen – auch mittels Impfpflichten“.

Zur Grippe meint sie: „Es bestehe definitiv ein gesellschaftliches Interesse daran, unnötige Grippewellen zu vermeiden.“ Sie erinnert in diesem Zusammenhang an die Kombinationsimpfstoffe gegen Covid-19 und Influenza, an denen die Pharmaindustrie bereits arbeitet.

Leiterin der Bioethik-Kommission, Christiane Druml
Leiterin der Bioethik-Kommission, Christiane Druml
© APA/GEORG HOCHMUTH

Bei den Masern verweist die Vorsitzende der im Bundeskanzleramt angesiedelten Ethikkommission auf die bereits bestehende Impfpflicht in Deutschland ­– der Besuch von Schulen und Kindergärten ist an die Impfung geknüpft. Die Ausbreitung der Masern sei durch das Maskentragen stark eingeschränkt worden, sagt Druml. Das könne sich jedoch rasch ändern, weil in der Pandemie viele Impfungen gegen andere Krankheiten wie Masern ausgelassen wurden.

Für eine Covid-19-Impfpflicht hatte sich Druml bereits vor 1,5 Jahren ausgesprochen. Eine gruppenspezifische Impfpflicht für das Personal in Spitälern, Altersheimen, Schulen, körpernahen Dienstleistungen sowie für Menschen über 55 Jahren hätte sie jedoch einer allgemeinen Impfpflicht vorgezogen. Druml: „Das hätte viel Aufwand, Emotion und Polarisierung erspart.“