IntegrationsbarometerKlimawandel größte Sorge in Österreich

Die Corona-Krise ist nicht mehr die größte Sorge der Österreicher. Das zeigt das neue Integrationsbarometer. Erstmals wird die Einstellung von Zuwanderern gegenüber Frauen als größtes Problem im Zusammenleben gesehen.

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Integrationsministerin Susanne Raab sorgt sich um die Einstellung von Zuwanderern gegenüber Frauen.
Integrationsministerin Susanne Raab sorgt sich um die Einstellung von Zuwanderern gegenüber Frauen. © APA/Georg Hochmuth
 

Der Klimawandel ist wieder das Thema, um welches sich die Österreicherinnen und Österreicher am meisten sorgen. Das zeigt das aktuelle Integrationsbarometer, für das im August 1.000 Personen befragt wurden. Vor allem Frauen und ältere Menschen machen sich Gedanken über Klimaerwärmung und Umweltfragen. Die Zahl der Personen, die sich über einen erneuten Anstieg der Covid-19-Fälle sorgen, ist seit Februar deutlich gesunken. Weit mehr als die Hälfte der Befragten machen sich aber immer noch zumindest öfters Gedanken zu diesem Thema.

Hinter dem Klimawandel wird am häufigsten die Sicherung ausreichender Pensionen als Thema genannt, um das sich die Befragten öfters oder sehr oft Gedanken machen. Der Wert derjenigen, die über ihre Altersvorsorge "sehr oft" nachdenken, ist seit Februar gestiegen. Stark zurückgegangen sind indes Sorgen um die wirtschaftliche Lage in Österreich. Leicht angestiegen ist im letzten halben Jahr die Zahl der Personen, die sich vermehrt Gedanken um die Verbreitung des politischen Islam in Österreich machen. Deutlich über der Hälfte der Befragten zeigen sich auch besorgt über die Integration von Flüchtlingen und zugewanderten Menschen.

Sicherheitsgefühl stabil

Das persönliche Sicherheitsgefühl ist für eine Mehrheit der Befragten im vergangenen Jahr gleich geblieben. Für 36 Prozent hat es sich verschlechtert, sieben Prozent nehmen dahingegen eine Verbesserung wahr. Im Vergleich zur letzten Umfragewelle im Februar 2021, die unter dem Einfluss der Corona-Pandemie und des Terroranschlags von Wien stand, hat sich das Sicherheitsgefühl im August 2021 wieder etwas verbessert.

Problembereiche im Zusammenleben

Die Bewertung des Zusammenlebens mit verschiedenen Migrantengruppen ist im Vergleich zu früheren Umfragewellen stabil. Es wird weiterhin das Zusammenleben mit Zuwandern positiver bewertet als jenes mit Muslimen oder Flüchtlingen, das Zusammenleben wird aber mit allen drei Gruppen mehrheitlich als (eher) schlecht wahrgenommen. Kritische Bereiche des Zusammenlebens mit Migranten sind der öffentliche Raum, das Wohnviertel und die Schule, mehrheitlich positiv wird das Zusammenleben dahingegen im Arbeitsumfeld und in Geschäften wahr genommen.

Die Einstellung gegenüber Frauen wird erstmals als größtes Problem beim Zusammenleben genannt (55 Prozent). Es folgen kulturelle und sprachliche Unterschiede sowie Gewaltbereitschaft und Kriminalität. Zentrale Merkmale einer guten Integration sind aus Sicht der Österreicher Kenntnis und Anerkennung der Gesetze, einer Arbeit nachzugehen, österreichische Werte zu kennen und zu akzeptieren sowie die deutsche Sprache gut sprechen zu können.

Parallelgesellschaften und Lösungsansätze

Fast drei Viertel der Befragten sind der Meinung, es gäbe Parallelgesellschaften in Österreich. Dieser Wert ist im Vergleich mit früheren Umfragewellen stabil. Parallelgesellschaften werden vor allem im öffentlichen Raum und im Wohnviertel wahrgenommen, auch die Schule wird als Problembereich identifiziert.

In Bezug auf die Vorschläge im Bereich Migration und Integration gibt es die stärkste Zustimmung zu einer Ausbildung und Kontrolle islamischer Religionslehrer durch den österreichischen Staat sowie zu integrationsfördernden Inhalten des islamischen Religionsunterrichts.

Im Themenfeld Schule wünschen sich die Österreicher vor allem eine stärkere Einbeziehung der Eltern in die Bildung der Kinder. Auch für eine starke finanzielle Unterstützung von Brennpunktschulen spricht sich eine Mehrheit zumindest "eher" aus.

Gemischtes Bild bei Staatsbürgerschaft

Etwas zurückhaltender sind die Österreicher in Hinblick auf die Vergabe der Staatsbürgerschaft. 57 Prozent sehen diese als Ergebnis einer gelungenen Integration. Geteilte Meinungen gibt es zum Vorschlag, dass in Österreich geborene Kinder automatisch die Staatsbürgerschaft bekommen, wenn sich zumindest ein Elternteil seit mindestens 5 Jahren legal im Land aufhält: 48 Prozent stimmen dem zu, 44 Prozent lehnen den Vorschlag ab. Ablehnend steht eine Mehrheit dem grundsätzlichen Zulassen von Doppelstaatsbürgerschaften, der Möglichkeit, die Staatsbürgerschaft schon nach 6 Jahren rechtmäßigen Aufenthalts zu vergeben sowie einer Erleichterung des Erwerbs der Staatsbürgerschaft gegenüber.

Regelmäßige Befragung

Der Integrationsbarometer ist eine regelmäßige Befragung des Meinungsforschers Peter Hajek im Auftrag des Österreichischen Integrationsfonds mit 1.000 Befragten. Die Befragung wird seit 2015, meist zwei Mal im Jahr mit Staatsbürgern ab dem 16. Lebensjahr durchgeführt. Die aktuelle Umfragewelle wurde telefonisch und online von 3. bis 31. 8. durchgeführt.

"Wir sehen, dass nach der Corona-Krise die Integrations-Themen wieder stark an Bedeutung gewonnen haben. Auffallend ist, dass die Einstellung gegenüber Frauen als größtes Problem beim Zusammenleben mit Zuwandern gesehen wird", kommentierte Integrationsministerin Susanne Raab (ÖVP) die Studienergebnisse.

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