Ein Karrierediplomat als Bundeskanzler

Der ausgewiesene Europaexperte und enge Vertraute von Sebastian Kurz übernimmt - wenn es nach der ÖVP geht nur vorübergehend - des Posten des Bundeskanzlers.

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© (c) APA/GEORG HOCHMUTH (GEORG HOCHMUTH)
 

Den Politzirkus kennt Alexander Schallenberg nur zu gut. Ins Außenamt kam der Diplomat bereits vor mehr als 20 Jahren. Mit dem Aufstieg von Kurz ins Bundeskanzleramt gelang dem langjährigen Pressesprecher mehrerer Außenminister auch sein größter Karrieresprung – bis heute. Vor seinem Wechsel als Minister in die Expertenregierung von Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein leitete Schallenberg die EU-Koordinationssektion im Bundeskanzleramt. In dieser Funktion spielte er eine zentrale Rolle während der österreichischen EU-Ratspräsidentschaft 2018.

Zur Person

Alexander Schallenberg, geboren am 20. Juni 1969 in Bern (Schweiz), geschieden, Vater von vier Kindern. Jurist. Seit 1997 im Außenministerium, u.a. an Österreichs Vertretung bei der EU in Brüssel, weist er eine lange Karriere in ÖVP-Kabinetten auf. Ab 2006 Pressesprecher von Außenministerin Ursula Plassnik und ab 2008 von ihrem Nachfolger Michael Spindelegger. Ab 2013 unter Außenminister Sebastian Kurz für "strategische außenpolitische Planung" zuständig. Ab 1. März 2018 Leiter der EU-Koordinationssektion des Bundeskanzleramts, seit 3. Juni 2019 Bundesminister für Europa, Integration und Äußeres im Übergangskabinett von Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein.

Aufsteiger in Europa

Die Diplomatie wurde Schallenberg quasi in die Wiege gelegt. 1969 in Bern als Sohn des Botschafters und späteren Generalsekretärs im Außenministerium (1992 bis 1996), Wolfgang Schallenberg, geboren, wuchs er in Indien, Spanien und Frankreich auf. Von 1989 bis 1994 studierte er Rechtswissenschaften in Wien und Paris, danach Europäisches Recht am Europacollege in der belgischen Stadt Brügge.

Nach Belgien führte ihn auch sein erster Auslandsposten - an die österreichische EU-Vertretung in Brüssel, wo er fünf Jahre lang die Rechtsabteilung leitete. Zurück in Österreich machte sich Schallenberg als Pressesprecher der früheren Außenministerin Ursula Plassnik sowie später von deren Nachfolger Michael Spindelegger (beide ÖVP) einen Namen. Die EU-Verträge kennt Schallenberg wie seine Westentasche. Bereits 1999 legte er als Außenamts-Mitarbeiter in der Abteilung für EU-Grundsatzfragen und Mitautor eine umfassende Analyse der ersten österreichischen EU-Ratspräsidentschaft von 1998 vor.

Als Kurz die Agenden des Außenministers übernahm, beförderte er den Kommunikationsprofi mit Mühlviertler Wurzeln zum Leiter für "strategische außenpolitische Planung". Auch in den Regierungsverhandlungen nach der Nationalratswahl 2017 zählte Kurz auf seinen "Initimus", wie Schallenberg in Medien genannt wurde. Selten habe er einen so talentierteren Minister erlebt, streute Schallenberg im Interview mit dem deutschen Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" Kurz als Außenminister Rosen. So folgte der ausgewiesene Europaexperte Kurz auch ins Bundeskanzleramt, wo er während der türkis-blauen Regierungszeit die Stabsstelle Strategie und Planung leitete.

Ruhiger Stil

Außenpolitisch setzte Schallenberg auf Kontinuität. So setzte er sich gemeinsam mit der Mehrheit seiner EU-Kollegen für die Aufnahme von EU-Beitrittsverhandlungen mit Nordmazedonien und Albanien ein, was Frankreich allerdings blockierte. Für Bierlein war Schallenberg stets eine wichtige Stütze, er begleitete die Kanzlerin regelmäßig zu Gipfelvorbereitungen und wichtigen EU-Treffen nach Brüssel.

Der Karrierediplomat und Vater von vier Kindern musste sich dabei aber mit weit mehr als Europa- und Außenpolitik befassen. In seine Agenden als Kanzleramtsminister fielen zusätzlich die Kunst-, Kultur- und Medienpolitik.

 

Kommentare (1)
himmel17
1
0
Lesenswert?

Wirkung

Als Politiker wirkt er eher eitel, arrogant und abgehoben. Ob er Wahlen gewinnen kann bezweifle ich.