"Humanitäre Katastrophe"NGOs rufen die Regierung zur Aufnahme von afghanischen Flüchtlingen auf

Ein Bündnis aus kirchlichen Vereinen, Menschenrechtsorganisationen und lokalen Initiativen appelliert an die Regierung, ein humanitäres Aufnahmeprogramm ins Leben zu rufen. Damit sollen Angehörige von in Österreich lebenden Afghanen und besonders gefährdete Menschen aus Afghanistan gerettet werden.

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Mehr als 30 Organisationen haben sich zusammengeschlossen und appellieren an die Regierung, gefährdete Menschen aus Afghanistan zu retten.
Mehr als 30 Organisationen haben sich zusammengeschlossen und appellieren an die Regierung, gefährdete Menschen aus Afghanistan zu retten. © APA/HANS PUNZ
 

Mehrere NGOs haben sich zusammengeschlossen, um für die Aufnahme von Menschen aus Afghanistan zu werben. Sie haben am Dienstag ein Forderungspapier an die Regierung zur Rettung von bedrohten Menschen aus Afghanistan präsentiert. Gefordert werden die Aufnahme von Familienangehörigen von hier lebenden Afghanen und besonders gefährdeten Menschen sowie die Beendigung von Abschiebungen. Dem Bündnis gehören u.a. Amnesty International, Diakonie und Caritas an.

Klaus Schwertner von der Caritas und Heinz Patzelt von Amnesty International Österreich übten bei einer Pressekonferenz am Dienstag scharfe Kritik an der Bundesregierung. In Afghanistan stehe vor einer dramatischen Hungersituation und einer humanitären Katastrophe, so Schwertner. Anstatt darüber nachzudenken, wie man die Europäische Menschenrechtskonvention umgehen und Menschen nach Afghanistan abschieben könne, sollte die Bundesregierung besonders gefährdete Menschen von dort herausholen. Alles andere sei "schändlich", so Patzelt. Er zeigte Fotos von Frauen aus Afghanistan, die sich für die Demokratie engagiert haben und nun um ihr Leben fürchten. Er warf der Regierung mangelnden Anstand vor, wenn sie sich nicht solidarisch erkläre.

Regierungslinie sei "völlig entglitten"

Schwertner bezeichnete die Wortmeldungen aus der Regierung zu Afghanistan als "ernüchternd und schockierend". Nur weil man nicht alle retten könne, sei es keine Alternative, niemanden zu retten. Es gehe sowohl um Hilfe vor Ort als auch um Evakuierungen. Viele Länder hätten sich entschieden zu helfen, ebenso die EU-Kommission und die Kirchen. "Einzig die österreichische Bundesregierung hat die Dringlichkeit des Themas nicht erfasst." Die Regierungslinie sei "völlig entglitten", so Schwertner. Es brauche keine "realitätsfremden Abschiebungsfantasien, sondern Evakuierungen". "Europa und Österreich müssen ihre Verantwortung wahrnehmen." Auf die Frage, wie viele Menschen nach Ansicht des Bündnisses aus Afghanistan nach Österreich geholt werde sollte, sprach Schwertner von "einigen Hundert Menschen".

Fehlender Realitätssinn

Lukas Gahleitner-Gertz von der Asylkoordination warf der Regierung Angstmacherei vor. Angesichts der verstörenden Bilder aus Kabul könne man nicht die "Verantwortung abwälzen und mit dem Finger auf andere zeigen". "Das bringt uns nicht weiter. Wir müssen unseren Beitrag leisten", so Gahleitner-Gertz. Unter den politisch Verantwortlichen müsse ein Realitätssinn einkehren, so Gahleitner-Gertz weiter, derzeit gebe es große Unterschiede zwischen den angstmachenden Szenarien, vor der die Regierung warnt und der Realität.

Diakonie-Direktorin Maria Katharina Moser verwies auf die besondere Gefährdung für Frauen, die in Afghanistan in der Öffentlichkeit aufgetreten sind, durch die Taliban. Es gehe um Journalistinnen, Richterinnen und Politikerinnen. Es gebe Berichte aus Afghanistan, wonach sich diese Frauen in Kellern verstecken und ihre Bildungszertifikate verbrennen, um von den Taliban nicht umgebracht zu werden. Man höre sogar Berichte über Frauen, die sich das Leben nehmen, um einer Zwangsverheiratung zu entgehen. "Um diese Frauen geht es", so Moser. Diese würden nämlich in den Nachbarländern nicht ausreichend Schutz bekommen.

Faßmann bleibt bei ÖVP-Linie

Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) bekräftigte dagegen am Rande einer Pressekonferenz am Dienstag die ÖVP-Linie. "Ich bin mir nicht sicher, dass die Ansage, alle Leute aufzunehmen, die Lösung darstellt." Man müsse vielmehr alles tun, um aus dem "failed state" Afghanistan wieder einen funktionierenden Staat zu machen. Auch die Aufnahme einzelner Bevölkerungsgruppen löse das Problem nicht. Als Demograph weise er außerdem darauf hin, dass Österreich in der Vergangenheit eine große afghanische Community aufgenommen habe. Nun seien andere europäische Staaten solidarisch verpflichtet, etwas zu tun.

Kommentare (8)
Sam125
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Liebe NGOs Österreich hat die meisten Migranten Europaweit aufgenommen und ist

Inzwischen zum Mirgationsland Nr.1 geworden!Doch welche Veränderungen sind seit einigen Jahren im negativen sinn in Österreich geschehen? Noch vor 6,7Jahren waren wir eine "Insel der Seligen"!Die Polizeistationen wurden aufgelöst und zusammengelegt und Posten abgebaut,das Heer wurde in Frage gestellt und die Kasernen verkauft und die Gefängnisse waren NICHT überfüllt und es gab sogut wie KEINE Brennpunktschulen und die Migranten integrieren sich von selbst in unsere Gesellschaft uns was geschieht jetzt? Wir haben vie zuwenig Polizisten,das Heer feiert einen Wiedersufstieg,die Gefängnisse sind von mehr als die Hälfte von ausländischen Straftätern belegt und viele Brennpunktschulen und Parallelwelten feiern ihren Aufschwung und viele Migranten lernen nichteinmal mehr unsere Sprache! Danke an die NGOs!

argus13
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diese guten Menschen, die primär fordern, der Staat soll möglichst viele Flüchtlinge aufnehmen und zahlen, sollen dazu sagen, wer nach welchen Kriterien diese ausgewählt werden. Wir haben jetzt schon mehr Flüchtlinge im Verhältnis zur Bevölkerung aufgenommen, als viele andere Staaten. Weiteres sollen sie unter Eid aussagen, welche Flüchtlinge sie selbst bei sich aufgenommen und finanziell versorgt haben. Tue Gutes und sprich darüber. Nur lautstark fordern ohne nachzudenken, wie das alles passieren soll, wer es finanzieren soll, ist naiv. Sie vergessen leider, dass wir in Ö. über eine halbe Mio Bürger unter der Armutsgrenze leben und rund 1,5 Mio Bürger armutsgefährdet sind- warum fordern sie für diese armen Mitbürger nichts, die vielfach Steuern bezahlt haben? Ich bin für Austrian citizen first ACF oder zuerst die Situation (Obdachlose!) eigenen Landsleute verbessern, bevor wir fremde Menschen mit Steinzeitmentalität bevorzugen.

UHBP
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... scharfe Kritik an der Bundesregierung.

Die Bundesregierung spiegelt in diesem Fall nur die Meinung der Mehrheit der Österreicher wieder.
Und das sind überwiegend Christen. Aber wen interessiert das. Die christlichen Werte werden ja nur hergenommen wenn es gerade passt, ansonsten sind diese doch den meisten egal.
Und die Unchristlichsten veranstalten dann noch scheinheilige Betrunden im Parlament :-)))))

Balrog206
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Uh

Bist du etwa kein Christ ? Getauft , gefirmt usw ?

UHBP
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.. alle Leute aufzunehmen, die Lösung darstellt.

Die Ansage ist wohl an die Einfachsten der einfachen Türkiswähler gerichtet.
Denn das kann und will niemand.

ordner5
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Absurd!

Wenn einige Nato – Staaten meinten sie könnten 20 Jahre in dem Land herumblödeln, mit dem Endergebnis dem Land ein Chaos, einen Scherbenhaufen zu hinterlassen, dann, ja dann sollten gefälligst diese Verursacher soviel Charakter aufbringen, die Folgen des angerichteten Schadens nicht auch noch völlig Unbeteiligten umzuhängen.

Dubai
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Das Bild

von diesen NGO-Vertretern kann ich schon nicht mehr sehen, sollten sie doch selbst zu Hause mal einen Flüchtling - sprich Afghanen - aufnehmen. Diese wollen ja nur auf die Mitleidsdrüse drücken, damit etliche wieder mal ein bisserl Geld locker machen für ihre Organisationen. Sprichwort: Was Du nicht willst, das man Dir tu, das füg auch keinem anderen zu ! Also liebe NGO´s helft mal vorerst armen Österreichern - die sind Euch egal!

Balrog206
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Für

Leonie gab zumindest keine Lichterkette od eine Demo ! Is passiert !