Politikerinnen als ZielGaby Schwarz (ÖVP): "Gegen grausliche E-Mails kann man sich nicht wehren"

Die stellvertretende ÖVP-Klubchefin im Parlament, die Burgenländerin Gaby Schwarz, ist eine starke Frau. Gegen Beschimpfungen unter der Gürtellinie ist auch sie oft machtlos.

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Nicht die offene Konfrontation macht Politikerinnen wie Gaby Schwarz (stellvertretende Klubchefin der ÖVP im Nationalrat) zu schaffen, sondern die Schläge unter der Gürtellinie abseits der Öffentlichkeit
Nicht die offene Konfrontation macht Politikerinnen wie Gaby Schwarz (stellvertretende Klubchefin der ÖVP im Nationalrat) zu schaffen, sondern die Schläge unter der Gürtellinie abseits der Öffentlichkeit © APA/HELMUT FOHRINGER
 

Drei von vier Mandatarinnen im Parlament geben laut aktueller Umfrage an, sexualisierten oder frauenfeindlichen Hass selbst erlebt zu haben. Hat Sie das überrascht?

GABY SCHWARZ: Die Zahl der E-Mail, die viele von uns bekommen, nimmt zu: Ich meine die E-Mails, die unter jeder Gürtellinie sind, sexistisch, grauslich, in jeder Hinsicht zu verachten. Wenn über Facebook so etwas hereinkommt, dann klage ich das sofort ein. Das ist ja auch der Hintergrund der „Hass im Netz“-Maßnahmen: Frauen müssen möglichst rasch auf so etwas reagieren können. Das geht aber nur bei Postings, nicht bei E-Mails.

Bei E-Mails ist gar nichts möglich?

Wenn das der Herr Gschistigschasti731@hotmail.com ist, dann hat man ein Pech gehabt. Man hat nur dann die Möglichkeit einzuschreiten, wenn es eine gefährliche Drohung beinhaltet. Ich lasse das meinen Anwalt immer prüfen, weil ich mir denke, ich muss mir nicht alles gefallen lassen. Das sind Menschen, die mich nicht persönlich kennen, die mich öffentlich wahrnehmen und dann auf das Absurdeste beschimpfen, das ist bei Frauen immer sexistisch.

Wie gehen Sie damit um?

Manchmal kann man es gut abstreifen, an anderen Tagen nicht. Einmal habe ich versucht, zurückzuschreiben, ich habe geschrieben, dass mich das jetzt schon erstaunt, mit wie wenig Respekt wir miteinander umgehen.  Das ist dann in einer derartigen Massivität zurückgekommen, noch viel tiefer, das war genau der gegenteilige Effekt. Es hat nichts genützt, zu appellieren. Das ist schon etwas, was mir ganz persönlich auch manchmal sehr zu schaffen macht.

Ist Ignorieren der einzige Weg?

Man kann tatsächlich nur versuchen, es zu ignorieren und es nicht zu nah an einen herankommen zu lassen. Die Aggressionen steigen jedenfalls, und die Hemmschwelle wird immer niedriger. Da muss man auch hellhörig bleiben: Wehret den Anfängen, denn auch verbale Gewalt ist eine Art von Gewalt, und sexualisierte verbale Gewalt erst recht. Da gegenzusteuern ist nach wie vor eine große Aufgabe in der Frauenpolitik.

Parlamentarierinnen haben in internationalen Analysen zu Protokoll gegeben, dass sie das auch in ihrem Handeln lähmt, dass sie manchmal nicht so stark Position beziehen, wie sie es gerne möchten, um sich diesem Hass nicht auszusetzen. Merken Sie selbst auch, dass Sie das beeinträchtigt?

Nein! Ich lasse mich von solchen Menschen sicher nicht so weit beeindrucken, dass ich mich komplett zurücknehme. Ich stehe für bestimmte Werte, für eine bestimmte Gesinnung, das gebe ich sicher nicht auf, nur weil mir dann Aggression begegnet. Aber angenehm ist es nicht.

Zur Person

Gabriela Schwarz wurde als Tochter des Eisenstädter ÖVP-Bürgermeisters Alois Schwarz geboren. Sie studierte Publizistik und begann 1980 ihre berufliche Laufbahn in der Jugendredaktion des ORF-Landesstudio Burgenland. Später moderierte sie "Burgenland heute", wurde Leiterin der Marketingabteilung und war 2008 bis 2017 Programmchefin für das ORF-Radio Burgenland.

Seit 2014 ist sie organisatorische Leiterin der Krisenintervention und Mitglied des Katastrophenkommandos des Roten Kreuzes im Burgenland.

Seit 2017 ist sie ÖVP-Nationalratsabgeordnete und wurde auf Anhieb zur ÖVP-Klubobmann-Stellvertreterin gewählt. Sie ist ÖVP-Gesundheitssprecherin und war unter anderem auch Mitglied im BVT-Untersuchungsausschuss.

Viele Parlamentarierinnen spüren auch im eigenen Klub Sexismen? Wie geht es Ihnen da?

Ich schwöre Ihnen: Nicht ein einziger hat mich in dieser Form jemals angesprochen, geschweige denn sonst etwas gemacht! Das ist mir nicht begegnet?

Trauen sich die Männer das nur nicht bei Ihnen? Würden Sie die Hand dafür ins Feuer legen, dass es in der ÖVP generell keinen Sexismus gibt?

Das habe ich mir abgewöhnt, das ist aber kein Spezifikum der Politik! Ich kenne diese Dinge natürlich seit meinen frühesten Jahren, aber das hat nichts mit Politik zu tun, sondern mit einer gewissen Art von Gesellschaftskultur.

Sie waren auch im ORF in einer Arbeitsgruppe, wo es  um Prävention gegen sexistische Übergriffe gegangen ist. Was ist Ihrer Erfahrung nach das effektivste Mittel, um in einer Welt, die stark von Männern geprägt ist, gegenzusteuern?

Frauennetzwerke. Frauen, die einander gegenseitig stärken und sagen: „Lass dir das nicht gefallen.“ Und die dann auch da sind, um zu beraten und zu begleiten. Je geschlossener man dagegen auftritt, desto mehr Chancen haben die Frauen, dagegen anzugehen. Man darf die betroffenen Frauen nicht alleine lassen.

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Danke für Ihr Verständnis.

voit60
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Wo besteht der Schutz

Vor dem Hanger?

Vielgut1000
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Red Bull Hangar-7

Der Hangar-7 ist eines von sechzehn besonderen Häusern, die sich durch herzliche Gastfreundschaft, gelebte Tradition, unvergleichliche Lage und ein herausragendes kulinarisches Angebot auszeichnen. So wird dieses Haus dem Anspruch gerecht, ein "beflügelnder Ort" zu sein und darf daher das Qualitätssiegel Tauroa tragen.

PiJo
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Schutz

Grauslicher als die Auftritte vom Hangar gehts eh fast nimmer.

100Hallo
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freie Meinung

es wird schon einen Grund haben

heri13
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Leider gegen grausliche Türkise Politiker,auch nicht.

.

hakre
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!

Gegen so blöde Schreiber gibt es nur eine Antwort- dumm dumm

Patriot
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@hakre: heri13 hat absolut recht!

Die Grauslichkeit der türkisen Politik wird den meisten erst dann so richtig bewusst werden, wenn es ums Zurückzahlen der Coronaschulden geht. Wenn der Mittelstand geschröpft wird und die Reichen von Kurz und Blümel weiterhin verschont bleiben!