Corona-Statistiker Erich Neuwirth: "5000 Fälle am Ostersonntag sind realistisch"

Statistikprofessor Erich Neuwirth wundert sich über die Beschwichtigungsversuche der Politik angesichts des Infektionsgeschehens. "Jetzt über Lockerungen zu reden, ist verantwortungslos."

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Erich Neuwirth
Erich Neuwirth: "5000 Fälle am Ostersonntag sind realistisch" © Fotolia/privat
 

Sie beobachten seit einem Jahr sehr genau die Situation, nicht im Auftrag der Politik. Im Herbst hat die Regierung zu spät gehandelt, wir haben das einmal unter dem Titel „Die Schlafwandler“ kommentiert. Sehen Sie Parallelen?

Erich Neuwirth: Die Motivation der Regierung ist mir unzugänglich. Seit sechs Wochen steigen die Zahlen, nach zwei Wochen sollte man, so die Erfahrung des Jahres, über Maßnahmen reden.

Wie dramatisch ist die Lage?

Dramatisch ist immer eine Frage der Sicht der Dinge. Wir haben derzeit einen stetigen Anstieg, der allerdings nicht sehr steil ist. Es ist schwer zwischen linear und exponentiell zu unterscheiden. In allen Bundesländern geht es seit Mitte Februar aufwärts, also seit mehr als vier Wochen. Vorarlberg ist eine Ausnahme, allerdings beobachten wir dort womöglich  auch eine Trendumkehr.

Wie ist die Lage in Ostösterreich? Kann man von einem dreigeteilten Land sprechen?

Wien ist nur mehr ganz knapp unter dem Höchststand der Intensivfälle von November. In Niederösterreich und Burgenland bewegen sich in diese Richtung, wobei es in den letzten Tagen in beiden Ländern eine Abschwächung gegeben hat.

Besteht Handlungsbedarf?

Jetzt über Lockerungen nachzudenken, halte ich für verantwortungslos.

Muss man verschärfen?

Die Frage ist wo. Ich habe den Eindruck, dass in den Schulen die Maßnahmen nicht konsequent genug durchgesetzt werden. Gibt es überall Luftfilter? Wird sorgfältig genug getestet? Da müsste man genau hinschauen. Ich verstehe das Bedürfnis, Schulen nicht zu schließen. Nur muss man dann die Bedingungen schaffen, damit es ungefährlich bleibt. Bei Homeoffice sehe ich auch noch Luft nach oben.

Es sieht so, als ob die Impfung nicht die dritte Welle aufhalten kann. Warum?

Ich weiß nicht, ob es nur ein Impfstoffengpass oder ein  Organisationsproblem ist. 60 Prozent der über 85-Jährigen sind geimpft. Da gibt es in manchen Ländern massive Probleme, weil das vor allem Heimbewohner waren.

Sind die spektakulären Rückgänge der Toten in Alten- und Pflegeheimen ein Erfolgserlebnis?

Das scheint tatsächlich gelöst zu sein. Allerdings lebt ein erheblicher Teil der Alten zu Hause, nicht in Heimen, und da gibt es noch Probleme. Ich bin durch meine Mutter selbst davon betroffen, sie ist bettlägrig zu Hause und ich habe noch keinen Weg gefunden, dass sie daheim geimpft wird.

Wenn die Politik die Hände in den Schoß legt, wo sind wir dann am Ostersonntag?

Eine echte Prognose ist schwierig. Ich würde meinen, 5000 Fälle pro Tage sind realistisch. Wenn die Zahlen so hoch sind und die Intensivkapazitäten nicht mehr ausreichen, werden die Todeszahlen dramatisch steigen. Wir sind bei den Todesfällen noch nicht dort, wo wir im November schon waren.

Kommentare (36)
RonaldMessics
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Pandemien....

...folgen nicht dem Mainstream an Meinungen. Pandemien für die es keinen Impfstoff gibt sind nur mit härtesten Maßnahmen und strenger Disziplin zu begegnen.

DergeerderteSteirer
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@RonaldMessics, deinem Kommentar und deiner Meinung stimme ich zu 100 % zu,......

da gibt's keine anderen Alternativen, leider sieht es ein gewisser Teil von unserer Gesellschaft nicht so!!
Deshalb geht's ständig hin und her, das dies für viele ein "Anzipff" ist ist völlig klar, da hilft nur eins und das heißt weiter verantwortungsbewusst und flexibel zu bleiben!!

pianofisch
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Wozu ?

Irgendwo treiben die Medien halt immer wieder einen auf, der mit“dramatischen“ Prognosen aufwartet.
Eine Statistik-Professor ist es halt diesmal.

RonaldMessics
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wozu dient ihr Posting?

Ihre Posting ist typisch für Menschen, die mit Realitäten nicht zurecht kommt.
Zur Abwechslung mal eine andere Sichtweise:
Impfen ist wahrscheinlich die einzige Form um diese Krankheit in ihrer Auswirkung zu mildern. Daher ist die Impfstoffproduktion der Schlüssel.
Wir haben ca. 9 Milliarden Einwohner auf dem Planeten. Wieviel Fläschchen müssen pro Sekunde erzeugt werden, damit zumindest innerhalb eines Jahres alle Erdbewohner geimpft werden können?
Schaffen sie die Erfassung dieser Zahl?

lieschenmueller
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Das hat's jetzt braucht

um den Wochenbeginn zu versüßen :-(

stern000
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Impfung

Vielleicht sollte man endlich eher Jüngere, die im Berufsleben stehen, impfen, die viel mehr Kontakte haben, als Pensionisten?!

Mein Graz
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@stern000

Die Jüngeren impfen?
Und die Alten krank werden und vielleicht sogar sterben lassen?

Bisher ist noch nicht bekannt, ob oder dass die Impfung die Weitergabe des Virus verhindert. Impft man die Jungen, tragen sie das Virus - weil sie sich in falscher Sicherheit wiegen - zu den Alten, die daran häufig schwer erkranken und auch die Todesrate sehr hoch ist.

Ist es das, was du möchtest? Junge impfen - Alte krank und vll. sterben?

lieschenmueller
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@Mein Graz

Kennst Du das, wenn sich die Gedanken drehen wie ein Kreisel?

Lese ich Deine Zeilen, denke ich, Du hast recht. Ein Posting weiter unten Ragnar Lodbrok, dann noch eines weiter, calcit, die User aber auch.

Bei den neueren Varianten ist der Verlauf bei den jüngeren Menschen auch "kein Spaziergang" mehr, was ohnehin nie der Fall war. Hätte es meinen Nachwuchs anfangs getroffen, meine Sorgen wären ungleich kleiner gewesen als jetzt. An Jahren jung und gesund gilt nicht mehr im März 2021.

Du und ich müssen nicht so viel raus wie die voll im Beruf Stehenden. Deine Sorgen um die Mutter weiß ich. Zum Glück ist Impftermin in Sicht oder schon absolviert. Hätte ich noch eine, die ginge nicht aus dem Haus, aber der mobile Dienst, den wir mal auch hatten, 100 x an einem Tag in verschiedene Wohnungen. Die gehören für mich zu den Gefährdeten ganz vorne.

Man liest immer, im Supermarkt wäre nicht viel bekannt über Ansteckungen. Fragt sich, wieviel an Information heraus kommt. Ich weiß schon von Verkäuferinnen, die es hatten. An die große Glocke hängte es keiner.

Die Geistesriesen bei den Demos. Herumschreien bei den Polizisten in der Nähe. Die meinigen im engen Tal der Mürz stehen bei Sonnenschein* mit der Radarpistole. Die in Wien haben schlechtere Karten.

Ließe sich lange fortsetzen.

*Mein Karma verdunkelt sich und ich muss schauen, dass ich Papiere, Pannendreieck, Warnweste und aktuelle!! Autoapotheke schnellstens griffbereit habe :-)

Ragnar Lodbrok
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Wer gefährdet ist - muss sich schützen!

Muss SICH schützen! genau das machen viele Ältere nicht! gerade die sind es - die einem im Supermarkt auf Tuchfühlung nahe kommen!
die Jungen müssen arbeiten - müssen raus!
Und - die älteren müssen sich auch impfen lassen! Nicht umsonst gehen die Infektionszahlen in den Seniorenheimen zurück - trotzdem gibt es etliche - die lieber warten und schauen was passiert. ich kann nicht - nur weil ich gefährdet bin - das restliche Österreich dazu verpflichten auf mich aufzupassen! Jeder ist für sich selbst verantwortlich!
Und ich muss ja nicht am Samstag vormittag oder am Freitag Nachmittag einkaufen gehen! Die Supermärkte sperren um 7:15 auf - da bin ich fast alleine im Geschäft. Aber nein - man muss ja am Samstag um 11:00 - sich eine halbe Stunde bei der Wurst anstellen - für 10 Gramm Extrawurst... und alle anderen sollen aufpassen...

calcit
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Erstens können Pensionisten eher daheim bleiben...

....gerade Lehrer, Verkaufspersonal, Polizisten, etc... haben viel mehr Kontakte, müssen sie haben und können diese nicht so einfach verweigern. Und bei den älternen - die wiegen sich jetzt auch in Sicherheheit? Wenn man sieht was die schon sowieder herumrennen, meine Mutter ist 80 und war die erste wieder beim Friseur... Und vielleicht muss man es mal deutlich aussprechen und auch mal zur Diskussion stellen.: immer mehr "jüngere" (so um die 50 bis 60) werden krank, der Krankheitsverlauf wird dramatischer, und vor allem trifft es jene aus dem Berufsleben, also doppelt belastend für die Gesellschaft (Krankheitskosten, Reha, Arbeitsausfall) - vielleicht sollte man mal überlegen ob jetzt die geimpft werden und die "Alten" bleiben daheim...

Mein Graz
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Euch allen, die ihr mir geantwortet habt

erst mal ein Danke für eine angenehme Diskussionsatmosphäre.

Ich verstehe und akzeptiere eure Argumente - und ihr bringt mich zum Nachdenken.

Sollte man tatsächlich "eher" die Jüngeren impfen oder auch hier differenzieren? Sollen etwa auch Jüngere geimpft werden, nur weil manche Chefs Homeoffice verweigern, obwohl es möglich wäre?
Wenn man jüngere impft, sollten da nicht auch besonders gefährdete bevorzugt werden?

Mir wäre es - wie vermutlich euch auch - am liebsten, man müsste nicht"eher" sagen sondern es gäbe ein "auch".
PS an lieschen: meine Mutter kriegt am Mittwoch die 2. Impfung 👍

lieschenmueller
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2. Impfung

Gut Ding brauchte Weile, aber DIE Sorge hast Du weniger jetzt. Zumindest gemildert.

Liebe Mein Graz, wir sind im Grunde alle ratlos momentan. Und müssen aufpassen, dass die Gesellschaft nicht an sich selbst zerbricht. Weil jede Einzelperson abhängig von ihr als Ganzes ist.

freeman666
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Es ist schwer zwischen linear und exponentiell zu unterscheiden.

Aha, bei meiner Mathematik Matura wäre diese Antwort, wohl als negativ beurteilt worden.
Aber ich bin ja kein Experte.

scionescio
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@freemann: glaubst du ernsthaft, dass der Herr Professor nicht zwischen "a mal x" und "a hoch x" unterscheiden kann oder willst du nur grundlos Klugscheißen?

Es liegt wohl auf der Hand, dass momentan die Qualität der Daten nicht ausreicht, um aktuell diese Frage eindeutig zu beurteilen - die gemeldeten Daten variieren, ändern sich im Nachhinein und die Abhängigkeit von der Anzahl der Tests (die selbst wiederum nicht eindeutig quantifizierbar sind) spielt auch noch mit.

Den aktuellen Verlauf kann man sowohl linear als auch exponentiell ziemlich gleich gut interpolieren und erst die nächsten Wochen werden zeigen, wie sich die Kurve tatsächlich verhält.

Bei mir hättest du die Matura auch nicht bestanden: auswendig gelernte Formeln, ohne zu wissen, wie man sie in welchem Kontext verwendet, ist zuwenig und unterscheidet den Mathematiker vom Möchtegern.

blubl
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🤔

Es ist sogar, nach einem Jahr, für die sogenannten Experten schwer, zwischen Infizierten und Erkrankten zu unterscheiden.

blubl
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🤫

Für die Rotstrichler anscheinend auch - Vorschlag: Lexikon aufschlagen und den Unterschied zwischen Infektion, Kontamination, Erkrankung usw. - für ein besseres Verständnis nachschlagen

future4you
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Und wer verlangt die Lockerungen?

Die FPÖ und die NEOS.

SoundofThunder
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🤔

Die Wirtschaft nicht?

VH7F
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Die Deutschen verlängern ihren Lockdown,

da wird den Österreichern auch was dazu einfallen. Nur wir dürfen zu Ostern halt nicht nach Malle.

DavidgegenGoliath
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Wenn wir bis dahin die Testanzahl verdoppeln,

Ist das ohne weiteres möglich, aber deshalb nicht bedrohlicher! Je mehr Tests, umso höher die Fallzahlen! Das wissen inzwischen schon die Kindergartenkinder!

umo10
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Impfen, impfen impfen

Ziel muss es sein, kein einziges Fläschchen auf Lager zu legen!!!!!!!. Dazu braucht man vielleicht Logistiker einer Chipfabrik, die es schaffen Milliarden von Mikrometer kleinen Chips an Kunden auf der ganzen Welt zu vertreiben ohne Lagerhallen voller Chips, die in einem Jahr schon wieder überholt werden von der nächsten Generation

dude
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Sie haben schon recht, umo,

... aber es liegt nicht nur an der Logistik. Es liegt sehr viel an der Produktion. Und dies ist keinesfalls ein Vorwurf, denn es ist einfach unmöglich, viele Milliarden Impfdosen binnen weniger Wochen und Monate zu produzieren. Da könnten auch keine Manager aus der Chip-Industrie helfen. Dazu fehlt es an den Produktionskapazitäten. Es geht einfach nicht so schnell!
Natürlich wird's immer ein paar Klugscheißer geben, die sagen "Geht nicht, gibt's nicht!", aber dann sollen die die es bitte einfach machen und möglichst schnell die Impfstoffe für 8,5 Mrd. Erdenbürger liefern.

umo10
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Das lasse ich nur dann gelten, wenn

Zu den 1,5 Millionen erhaltenen impfdosen 1,49 Millionen Dosen verimpft sind und nicht 1,2 Millionen

DannyHanny
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Umo10

Es muss so viel auf Lager sein um jeden, die zweite Dosis zu verabreichen, falls aus welchem Grund auch immer die Firma nicht liefern kann oder will!
Man könnte sich darüber informieren, aber schimpfen ist leichter!

MoritzderKater
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WENN ........ ja, WENN sich die Menschen..........

an die vorgegebenen Regelungen --- so wie beim ersten Lockdown --- auch bei den anderen daran gehalten hätten, wären wir heute nicht da, wo wir sind.
Die permanent Corona Existenz leugnenden Mitmenschen, sind einfach zu DUMM dafür, den ernst der Lage zu kapieren.
Demonstrationen ohne Abstand und Mundschutz, diverse Feiern, alles zum Nachteil jener, die sich seit März 2020 an die Gegebenheiten zum Schutze aller, daran halten.

Und dann wird immer wieder die Regierung verantwortlich gemacht, nur weil die Leute disziplinlos sind und ihre eigenen Fehler der Regierung unterschieben wollen.

derschwarze
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Der Fehler die Gastronomie zu schließen, lässt

sich halt nicht mehr kompensieren. Die Gastronomie war die einzige Branche, die das ganze Jahr 2020 geregelt war. Die freundschaftlichen Heimtreffen werden ohne Tests und Masken abgehalten. Kurz hat das Glück, dass die Gastronomie und Hotellerie hörig sind.

 
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