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Kulturwissenschaftlerin im GesprächJudith Kohlenberger: Den Demonstranten geht es ums Dagegensein

Das Land braucht mehr „Wir“-Gefühl, fordert Judith Kohlenberger. Die Kulturwissenschaftlerin im Gespräch über unproduktive Corona-Demos, Migranten als Betroffene und gesellschaftliche Gräben, die bleiben werden.

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Kulturwissenschaftlerin Judith Kohlenberger
Kulturwissenschaftlerin Judith Kohlenberger © (c) Christian Lendl
 

Im ersten Lockdown vor einem Jahr wurde stark an das „Wir“ appelliert, wir gemeinsam zum Schutz der Alten. Diese Erzählung wirkt kaum mehr. Wie ist uns das „Wir“ abhandengekommen?
Judith Kohlenberger: Ich teile diesen Befund. Im Herbst sind wir in die Mühen der Ebene der Pandemiebekämpfung gekommen. Das solidarische „Wir“ hat sich in ein „Wir“ und „die anderen“ differenziert. Auch, weil soziales Abstandhalten keinen Austausch mit Menschen außerhalb der eigenen „Blase“ ermöglicht hat. Und ein größeres „Wir“ entsteht eben auch durch Kontakt mit anderen.

Kontakt mit anderen haben derzeit nur jene, die an Corona-Demos teilnehmen. Entsteht hier eine neue Art „Wir“-Gefühl?
Die Teilnehmer sind aus meiner Sicht von der Sehnsucht nach einem Wir-Gefühl getrieben – wir, das Volk, gegen „die da oben“. Dabei handelt es sich um eine sehr heterogene Gruppe, die nicht einmal durch ein klares, gemeinsames Interesse verbunden ist. Es geht nicht um das demokratische Ringen um Konsenses, sondern ums Dagegensein. Und wer nicht dagegen ist, ist nicht Teil des „Wirs“. Produktiv kann eine solche Debatte nur dann sein, wenn man sich beim Ausstreiten der Positionen immer auf gemeinsame Errungenschaften wie Grund- und Freiheitsrechte verständigt. Und das geschieht hier nicht.

Kommentare (10)
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himmel17
4
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Erfrischende Intelligenz

Frau Judith Kohlenberger argumentiert erfrischend intelligent und öffnet einem die Augen für das derzeitige gesellschaftliche Leben. Ein ausgrenzendes Wir-Gefühl lässt bis zu 30.000 Demonstranten ungeniert zusammenrücken und ihr Immunsystem an diversen Viren austesten. Ein Rechtsstaat, der anscheinend nur mehr Bankerlsitzern Herr wird und bei demonstrierenden Provokateuren unverhältnismäßig nachsichtig ist. Eine vorsichtige Zivilgesellschaft, die sich an alle Regeln hält, sich aber hypertolerant auf den "Kopf herumdemonstrieren" lässt. Es muss mehr gestritten werden! Das ständige Wegsehen ist ärgerlich! Coronaleugnern und ihren politischen Aufstachlern muss entschiedener entgegengetreten werden.

ReinholdSchurz
32
9
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Überflüssig 🤧

Am besten ist keine Meinung zuhaben und alles was wir Vorgesetzt bekommen zu akzeptieren genau das ist in den ersten Jahrzehnten des 20 Jahrhunderts passiert, also Vorsicht oder wollen wir wieder solche Zeiten😏
( Kaiserreich, Nationalsozialismus, Leninismus, Stalinismus mit Millionen von unschuldigen Toden ).🤦🏻‍♂️

Morpheus17
6
10
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Welche Demo ist schon produktiv?

Völliger Müll. Habe noch noch nie eine "produktive" Demo gesehen. Großteils sind die Demos politisch motiviert und jene Demos die nicht politisch motiviert sind, werden sowieso kein Gehör geschenkt. Eher geht es um Demokratieverständnis und aus diesem Grund sollen eben Ökospinner und Coronakritiker auf die Sraße gehen dürfen.

pregwerner
0
12
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Einfach psychologisch:

Die Gruppendynamik im Bezug auf den "gemeinsamen Feind".

Schlimm wird die Sache dann, wenn der "gemeinsame Feind" eigentlich Recht hätte oder nur zum "Feindbild" instrumentalisiert wird um auch andere (eigentlich unbeteiligte) Gruppen gegen ihn aufzuhetzen.

Typisches Beispiel der nahen Vergangenheit: Der "satanische Westen" kontra der "Achse des Bösen".

Patriot
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Dieses Interview

werden die Coronaleugner mit großer Wahrscheinlichkeit nicht lesen, da sie alles, was mit "Kultur" beginnt, nicht interessiert!

Wiener58
24
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Dagegensein!

Wären wir 1978 nicht gegen das AKW-Zwentendorf gewesen müsste sich die junge Generation jetzt mit einem alten AKW beschäftigen. Wer gegen die Maßnahmen der Regierung demonstriert ist kein weltfremder Extremist.
Bei diesen Demos geht es um die Sache. Wer gegen die Einschränkung der Freiheitsrechte demonstriert hat eine Überzeugung und die Geschichte wird zeigen wer recht hatte.

smithers
6
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Wieviel CO2 hätte man in 40 Jahren AKW einsparen können. Denken sie an die Gas und Kohlekraftwerke in Österreich.

Wiener58
1
6
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CO2

Die Entsorgungskosten inklusive Umweltbelastung einer AKW- Demontage (denn irgendwann ist das Teil Schrott) sind sicher auch nicht gering.

dieRealität2020
9
11
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Das ist aber nichts Neues noch Aufregendes, wissen wir schon seit Jahren, ich habe bereits bei Beginn dieser Versammlungen davon geschrieben.

."Es geht nicht um das demokratische Ringen um Konsenses, sondern ums Dagegen sein."
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Der Großteil sind Menschen die versuchen unter dem Deckmantel der Corona Themen ihre Gewaltbereitschaft auszuüben.
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Wieder eine der 1.128 Meinungen zu Corona. Danke Frau Kulturwissenschaftlerin Judith Kohlenberger das sie uns ihre Erkenntnisse nähergebracht haben.
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Stellst langsam den Schmäh ein und bringt konstruktive Erkenntnisse, die wir noch nicht kennen und wie eine tibetanische Gebetsmühle heruntergeleiert werden.
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Bemüht euch besser um konstruktive Impffahrpläne, Impfstoffe und dementsprechende Abwicklungen.

DergeerderteSteirer
5
19
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Ein sachlich gutes Interview welches einige wichtige Verhaltensweisen aufzeigt, leider beherzigen es Teile der Gesellschaft nicht da objektives und reales Denken anscheinend abhanden gekommen ist oder bei einigen nicht vorhanden ist !


Ein wichtiger und vielaussagender Satz : "Es geht nicht um das demokratische Ringen um Konsenses, sondern ums Dagegensein.
Und wer nicht dagegen ist, ist nicht Teil des „Wirs“. Produktiv kann eine solche Debatte nur dann sein, wenn man sich beim Ausstreiten der Positionen immer auf gemeinsame Errungenschaften wie Grund- und Freiheitsrechte verständigt."

Genau dies ist das Grundübel in einigen Gesellschaftsteilen und Gegebenheiten und nötige Handlungsweisen werden oft komplett mißachtet und mißverstanden.

Nötiges und auch wichtiges ist wie in diesem Satz beschrieben : "Abgrenzung zu anderen ist wichtig, um die eigene Identität zu entwickeln."