StromnetzWie Europa am Freitag einem Blackout gefährlich nahe kam

Ein plötzlicher Zwischenfall in Südosteuropa stellte das gesamte europäische Stromnetz auf die Probe. Es hat bestanden – diesmal.

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© APA/ROBERT JAEGER
 

In der Sicherheitspolitischen Jahresvorschau, einer umfassenden Bedrohungsanalyse, die das Bundesheer jedes Jahr herausgibt, steht ein Szenario mit höchstem Impact für das Leben in Österreich und sehr hoher Wahrscheinlichkeit, dass es in den nächsten Jahren eintritt, in einer Tabelle gleich neben Pandemie: der Blackout.

Ein tagelanger, großflächiger Stromausfall, der das Leben in Österreich und darüber hinaus lahmlegt. Nicht nur komplexe Systeme wie Computer brauchen Strom, auch Handymasten, Kühlschränke, Benzin- und Warmwasserpumpen: Es geht schnell ans Existenzielle.

Foto © Bundesheer

Am Freitagnachmittag ist Europa an so einem Szenario vorbeigeschrammt. Wie knapp es war und wodurch es ausgelöst wurde, wird derzeit noch untersucht, heißt es von Experten.

Klar ist: Um 14.05 Uhr fiel die Frequenz des europäischen Verbundstromnetzes von ihrem regulären Wert knapp über 50 Hertz binnen Sekunden auf knapp unter 49,75 Hertz, nachdem durch einen noch unbekannten Zwischenfall in Südosteuropa ein Teil des gemeinsamen Netzes vom Verbundnetz abgetrennt worden war.

Es ist das erste Mal, seit 2006 eine Leitung in Norddeutschland für die Durchfahrt eines Schiffes gekappt wurde, dass die Frequenz des Netzes aus ihrem Regelbereich gefallen ist.

Anders gesagt: Das fragile Gleichgewicht zwischen Stromerzeugung und Stromverbrauch klaffte von einem Moment auf den anderen massiv auseinander – um die Produktionskapazität mehrerer Großkraftwerke. Das kann zur Folge haben, dass das Netz zwischen Kraftwerken und Verbrauchern zusammenbricht und der Strom tagelang ausfällt – wenn nicht schnell reagiert wird.

Notfallprotokoll hat funktioniert

In diesem Fall wurde schnell reagiert: Bei den Netzsteuerungsstellen (in Österreich die APG, Austrian Power Grid) schlugen Alarme an, daraufhin folgten Schritte „nach einem Notfallprotokoll“, wie man aus dem für Energie zuständigen Klimaministerium der Kleinen Zeitung bestätigt: In Frankreich und Italien schalteten einige Großverbraucher (vor allem Industriebetriebe) kurzzeitig ihre Maschinen ab, gleichzeitig fuhren zahlreiche Energieunternehmen zusätzliche Kraftwerkskapazitäten hoch – wodurch die Balance zwischen Produktion und Verbrauch wiederhergestellt werden konnte. Nach einer Stunde war der Spuk vorbei und das Netz kehrte auf seine übliche Frequenz zurück.

Grundsätzlich, heißt es aus dem Ministerium, sei die Lage im Netz im Winter angespannt, weil manche Staaten wie Frankreich beim Heizen stark auf strombetriebene Systeme setzen. Dass es aber trotz einer so schwerwiegenden Störung stabil blieb und die für solche Fälle vorgesehenen Protokolle eingehalten wurden, sei „im Grunde ein gutes Zeichen“.

Österreich "unzureichend vorbereitet"

Ein Zeichen dafür, wie schnell es gehen kann, sieht Herbert Saurugg von der Gesellschaft für Krisenvorsorge: „Ein Blackout wäre die Folge mehrerer für sich verhinderbarer Ereignisse“, sagt er zur Kleinen Zeitung – wie das Heer sieht er einen mehrtägigen Stromausfall als realistisches Krisenszenario, das in den nächsten Jahren eintreten könnte.

Österreich sei auf einen solchen Fall nur unzureichend vorbereitet: Weder was Haushalte angeht, die sich darauf einstellen sollten, bis zu zwei Wochen ohne Strom leben zu können (warme Kleidung, nichtverderbliche Lebensmittel, Kochmöglichkeit, Batterieradio) – noch was die Katastrophenbereitschaft staatlicher Institutionen angeht.

Kommentare (33)
onyx
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@scionesco

Ich habe den Artikel gelesen, die von Ihnen zitierte Passage ist mir bekannt.

Mir scheint Ihrer Meinung nach dürften sich hier nur Absolventen einer einschlägigen Hochschule äußern. Das stört mich. Es handelt sich schließlich um ein Forum einer Tageszeitung in dem auch "interessierte Laien" lesen und sich äußern möchten.

feiertag46
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Das wissen europäische Politiker seit Jahren ...

Der europäische Verbund fährt jeden Winter am Limit bei der Stromerzeugung und beim Stromtransport. Wenn irgendwo ein / zwei grössere Kraftwerke ausfallen oder eine Nord-Süd-Transitleitung in den Alpen ausfällt, dann wird es kritisch. Wobei der Stromtransport noch das grössere Problem darstellt, weil sich seit Jahren die Genehmigungsverfahren für Hochspannungsleitungen bis zu 20 Jahren dahinschleppen.

Parallel wird von den selben europäischen Politikern und der Stromlobby die Elektromobilität zur Lösung unserer klimatischen Probleme gefördert. Ich war bei einigen dieser Infoveranstaltungen und habe mir erlaubt die simple Frage zu stellen: Woher soll der Strom für die Ladestationen kommen. Da ist es immer still geworden im Raum. Eine Schnellladestation braucht, je nach Ausführung, soviel Strom wie 5-10 Haushalte.

melahide
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Natürlich

wird es da still, weil sich im Raum dann alle auf den Kopf greifen und die Augen überdrehen, weil ein „gescheiter Mensch“ schon wieder das E-Mobilität-Totschlag-Argument bringen will mit „und wo kommt der Strom her“.... wir wissen so Öl herkommt, wie es gefördert und Transportiert wird, wir wissen wie viel Energie die Verarbeitung braucht und wie viel Schaden es anrichtet. Und weil wir das wissen ist es jetzt die bessere Alternative?

Jetzt stell dir vor. Der Mensch lebte früher in Höhlen. Einer sagte: „He, vielleicht ist es besser wenn wir uns Holzhäuser bauen. In den Höhlen zieht es, Licht gibt es nicht, kalt ist es, Ackerbau geht auch nicht ...“. Dann steht einer auf und fragt: „Und wo soll das ganze Holz herkommen?“ ...

scionescio
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@melahide: Für selbsternannte Laien wäre es manchmal einfach besser zu schweigen, als wieder einmal das fehlende Fachwissen öffentlich zu demonstrieren...

... es ist ein Faktum, dass wir ein massives Regel-, Verteil- und Speicherproblem bei der elektrischen Energie haben und diese Probleme durch BEV noch zusätzlich befeuert werden!
Auch Windkraft und PV hilft uns nicht beim Regelproblem, weil man den Wind und die Sonne eben nicht auf Knopfdruck mehr blasen/scheinen lassen kann - typischerweise werden thermische Kraftwerke, die sich schnell hoch- und niederfahren lassen, zum Regeln benutzt.
Ich stelle mir gerade einen Blackout in einer BEV Welt vor: die Rettung und Feuerwehren warten aufs nachladen, nachdem die ihren Akku mit ein, zwei Einsätzen verbraucht haben, die Polizei schaut tatenlos bei den Plünderungen zu, weil die Einsatz-BEV an den Ladesäulen warten, das Gleiche gilt für das Bundesheer....
Die Menschen am Land können bei Unfällen/Schwangerschaften nicht ins Krankenhaus fahren und alle die gerade unterwegs sind, haben eine gute Chance, dass sie wegen der kleinen Reichweite der BEV irgendwo stranden ... das sind natürlich Horrorszenarien, die aber leider nicht aus der Luft gegriffen sind - da helfen auch die inhaltsleeren Floskeln aus der Fanboy Echokammer nichts!

feringo
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am feiertag46

Die Überlegungen feiertag46s sehe ich lediglich als Hinweis auf die Problematik des ausschließlichen Stromtransportes in EINEM einzigen Netz. Es wird ja nicht für das Öl gesprochen.
Als Steinzeitmensch mit Steinklinge würde ich mir einen Holzbau tatsächlich nicht zutrauen. - Ist nur scherzhaft gemeint.

untermBaum
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Und da sollen

Elektro Autos die Zukunft sein? Immer mehr sind am Netz. Das kommt einem vor wie beim Wohnbau, bauen bauen aber die Verkehrswege und andere Infrastruktur bleibt über Jahrzehnte gleich. Gnade Gott wenn ein Blackout kommt. Da kann man nicht weit genug von Städten entfernt sein!

DergeerderteSteirer
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Ja, das wäre ein "Worst Case" der bei bei einem Großteil der Leute die Sicherungen durchbrennen ließe, .................

die meisten haben keine Notfallstrategie, befassen sich auch nicht damit !!
Wenn so eine Situation in realem Fall eintreten würde dann wäre das Chaos unbeschreiblich und ich möchte nicht wissen weder erahnen wie es da zwischen den Leuten vor Panik umgehen würde !!

scionescio
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@GeerdeterSteirer: das ist zB einer der Gründe, warum das Militär in den nächsten Jahrzehnten sicherlich nicht auf BEV umstellen wird ....

... allein aus diesem Grund (und auch wegen der Baumaschinen, des Schwerverkehrs, der Schifffahrt, etc. ) wird es noch über viele Jahrzehnte Diesel und Benzin geben.

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