Wien-Wahl 2020Familieninterner Wahlkampf um die Döblinger Stimmen

Die Bezirksvertretungswahl im 19. Wiener Gemeindebezirk bietet eine Premiere. Zum ersten Mal seit über 40 Jahren heißt der amtierende Bezirksvorsteher nicht Adi Tiller. Sein Nachfolger Daniel Resch stellt sich seiner ersten Wahl an der Spitze des Bezirks. Diesen Posten will ihm sein Bruder Klemens streitig machen – als Spitzenkandidat der FPÖ.

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Wenn Daniel und Klemens Resch sonntags bei ihren Eltern eingeladen sind, "geht es oft zu wie bei 'Im Zentrum' – nur mit gutem Essen." So beschreibt Daniel Resch, seines Zeichens Bezirksvorsteher von Döbling, das Verhältnis zu seinem um vier Jahre jüngeren Bruder Klemens nicht zum ersten Mal. Privat stehen sie sich sehr nahe, politisch haben die Brüder die eine oder andere Reibungsfläche, über die sie gerne diskutieren. Bei der Bezirksvertretungswahl im Oktober stehen sie jeweils an der Spitze ihrer Liste, Daniel Resch auf der türkisen, Klemens Resch auf der blauen. Was die Bezirkspolitik betrifft, sind sie sich dann doch oft einig.
 
In Döbling sind etliche ur-wienerische Institutionen beheimatet. Der längste zusammenhängende Wohnbau der Welt, der älteste Fußballverein Österreichs und das typische Ortsbild mit seinem dörflichen Charakter, dutzenden Weingütern und Heurigen. Vor allem Letzteres sei gefährdet, da sind sich beide Reschs einig: "Der eine oder andere Neubau als Akzent tut dem Ortsbild gut, aber wenn irgendwann die Heurigen die Akzente in der Heurigengegend sind, verstehe ich das nicht," sagt Bezirksvorsteher Resch. FP-Klubobmann Resch stimmt dem zu: "In den letzten Jahren ist in Sachen Verbauung einiges schief gegangen. Hier braucht es Maßnahmen, die das Ortsbild effektiv schützen."
 
Die FPÖ wünscht sich dazu eine Ortsbildkommission im Bezirk, "die Bauprojekte auf ihre Ortsbildverträglichkeit prüft und gegebenenfalls Änderungen erwirken kann", sagt Klemens Resch. Auch Bezirksvorsteher Daniel Resch hätte gerne mehr Kompetenzen im Bezirk. Bisher gebe es nur den Bauausschuss, der aber nur bei tatsächlichen Überschreitungen der Bauordnung tagen würde. Einig sind sie sich auch, was die grundsätzliche Verkehrspolitik betrifft. Beide wollen einen Ausbau der Busverbindungen und keine "Parkplatzvernichtungen" oder "Schikanen gegen Autofahrer".

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Nach Unterschieden im politischen Tagesgeschäft muss man aber auch nicht lange suchen. Ende 2018 hat Klemens Resch im Bezirksparlament einen Antrag eingebracht, dass Gemeindewohnungen nur mehr an Österreicher vergeben werden sollen. Die ÖVP unter Daniel Resch hat ihn abgelehnt – gemeinsam mit SPÖ, Grüne und Neos. Klemens Resch bezeichnete die Bezirks-ÖVP daraufhin als "Wurmfortsatz der Willkommenspolitik". Ebenso 2018, noch vor der Tiller’schen Amtsübergabe, wurde das Parkpickerl von der ÖVP mitbeschlossen, trotz Mehrheit gegen das Pickerl bei einer Bürgerbefragung. Das sei eine Politik des Drüberfahrens, die er ablehne, so Klemens Resch.
 
In den letzten Jahren war Döbling einer der Bezirke mit den größten Unterschieden zwischen dem Wahlergebnis auf Gemeinde- und auf Bezirksebene. Trotz klarer Wahlsiege für Bezirksvorsteher Tiller auf Bezirksebene, ist Döbling auf Gemeindeebene seit Jahren rot. Am 11. Oktober werden wir sehen, ob das nur der Tillerbonus war oder ob die Döblinger ihre zwei Kreuzerl unabhängig voneinander machen, egal wer an der Spitze steht.

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