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Was ist das beste Pflegemodell?Anschober startet Dialog-Tour

Gesundheitsminister Anschober (Grüne) will mit Betroffenen, Fachexperten, NGOs, Initiativen und Institutionen aus der Praxis Gespräche zu den Themen Pflege, Soziales und Gesundheit führen. Trägerorganisationen plädieren für Ausbau der häuslichen Versorgung, der mobilen Dienste und der Tageszentren. Treffen mit den Ärzten und Buchautoren Günther Loewit und Rudolf Likar.

Sozial- und Gesundheitsminister Anschober (Grüne)
Sozial- und Gesundheitsminister Anschober (Grüne) © APA/HANS KLAUS TECHT
 

Gesundheits- und Sozialminister Rudolf Anschober (Grüne) hat sich Freitagvormittag erste Tipps für die bevorstehende Pflegereform geholt. Er startete im "Haus der Barmherzigkeit" in der Seeböckgasse eine Dialog-Tour mit Betroffenen, Fachexperten und NGOs. Diakonie-Direktorin Maria Katharina Moser empfahl als erstes einen Ausbau der häuslichen Versorgung, der mobilen Dienste und der Tageszentren.

Als zweites wünschte sich Moser, die als Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrt (BAG) am Termin mit dem Minister teilnahm, ein flächendeckendes Informationsnetz. Die BAG ist ein Zusammenschluss der großen Trägerorganisationen Caritas, Diakonie, Hilfswerk, Rotes Kreuz und Volkshilfe. Moser verwies zudem auf den Fachkräftemangel. "Wir brauchen gute Rahmenbedingungen für die Mitarbeiter." Im Mittelpunkt jeder Reform müsse auf der einen Seite der zu pflegende Mensch und seine Würde stehen und auf der anderen Seite die Pflegekräfte.

Auf das burgenländische Anstellungsmodell für pflegende Angehörige angesprochen, zeigte sich Anschober für alle Idee offen. "Ich gehe total offen in diesen Dialog rein. Ich will lernen dabei." Aber er stehe erst am Beginn des Dialogs, am Ende werde er ein Ergebnis präsentieren. "Wir werden uns das burgenländische Modell - auch direkt vor Ort - anschauen, aber ich kann am Anfang des Dialogs noch keine Ergebnis nennen."

"Wir müssen Pflege viel mehr zum Thema machen als es derzeit der Fall ist", sagte Anschober. Er werde die zweimonatigen Dialogtour dazu nutzen, sich "in allen Kernbereichen ein wirkliches Bild zu machen". "Ich will dabei lernen", so der Minister, der insgesamt große Ziele hat. So will er sein Ministerium zum "Ministerium für Zusammenhalt machen" und die Sozialpartnerschaft nicht nur wieder beleben, sondern weiterentwickeln und sie um eine Dritte Säule der Zivilgesellschaft erweitern.

Zeitplan

Für die Pflegereform skizzierte er neuerlich den Zeitplan, wonach nach der Dialogtour im Februar und März nach Ostern die Taskforce gestartet wird und im November ein Paket zur Pflegereform im Detail stehen soll.

Zur umstrittenen Indexierung der Familienbeihilfe, die ein Prestigeprojekt von Türkis-Blau war und vor allem viele ausländische Pflegekräfte trifft, äußerte sich Anschober ablehnend. "Ich habe das von Beginn an kritisch gesehen, weil es Auswirkungen hat auf unser System." Er warte jetzt aber das Ergebnis der diesbezüglichen anhängigen Klage beim Europäischen Gerichtshof (EuGH) ab.

Derzeit gibt es in Österreich 460.000 Pflegegeldbezieher, der finanzielle Aufwand beträgt 2,6 Mrd. Euro im Jahr. Ein Drittel der Pflegegeldbezieher (153.500) bezieht mobile Dienste. 95.000 Menschen bzw. 20 Prozent der Pflegegeldbezieher sind in Pflegeheimen. Mehr als 175.000 Menschen werden ausschließlich von Angehörigen gepflegt. Weniger als sechs Prozent der Pflegegeldbezieher nutzen Angebote wie Tageszentren, Kurzzeitpflege, betreutes Wohnen oder mehrstündige Alltagsbegleitung.

Es gibt mehr als 950.000 pflegende Angehörige und mehr als 42.000 pflegende Kinder. 73 Prozent der pflegenden Angehörigen sind Frauen. Gleichzeitig sind 127.000 Pflege- und Betreuungspersonen in Krankenhäusern und im Bereich der Langzeitpflege tätig. Mehr als 85 Prozent davon sind weiblich und rund ein Drittel ist über 50 Jahre alt. Das bedeutet, dass in den kommenden zehn Jahren über 41.000 Pflegepersonen aufgrund von bevorstehenden Pensionierungen ersetzt werden müssen und aufgrund der demografischen Entwicklung zusätzlich 34.000 Pflegekräfte benötigt werden, in Summe also mindestens 75.000.

Die "Dialog-Tour" führt Anschober nach der Pressekonferenz am Vormittag zu einem Treffen mit den Ärzten und Buchautoren Günther Loewit und Rudolf Likar Freitagnachmittag.

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Danke für Ihr Verständnis.

gerbur
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Jo mei!

Bei Kreisky waren das die berühmten "Kommissionen" , jetzt sind es halt Dialogtouren. Irgendwie muss man ja die Zeit bis zum Platzen dieser Koalition totschlagen.

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lieschenmueller
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@gerbur

Was finden Sie falsch daran, sich umfassend zu informieren? Und hinterher das Erfahrene an die Bevölkerung weiter zu geben.

Glauben Sie mir, wenn nicht selbst davon betroffen hat Otto-Normalverbraucher in Bezug auf Pflege meist soviel Ahnung wie der Blinde von der Farbe. Mit ging es selbst nicht anders.

Der Kelch geht zum Glück an vielen vorbei, aber leider nicht an allen. Hinterher aus allen Wolken zu fallen, weil das Angedachte gar nicht leistbar ist obwohl man halt von da oder dort hört, irgendwer hat das Modell XY und annimmt, im schlimmsten Fall nimmt man das auch und dann geht es nicht, DEM ist gegenzusteuern.

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gerbur
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@lieschenmüller

Meine Familie ist ja auch betroffen, es helfen aber alle zusammen und es läuft halt so leidlich. Die "Politik" schiebt das Problem (vornehmlich Finanzierung) seit jeher vor sich her. Anschober macht nichts anders. Man muss das Rad nicht neu erfinden, es braucht kein halbes Jahr um den Ist Zustand zu erheben, der ist bekannt. Und warum setzt man überhaupt einen in dieses Amt, der offensichtlich so gar kein Bild von der Situation hat? Warum beauftragt man damit nicht Leute, die in die Thematik eingearbeitet sind?

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lieschenmueller
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@gerbur - Ins Amt setzen

Ja schauen Sie sich einen Teil der Regierung an und welches Bild sie von ihren Ämtern aufgrund ihrer Berufsausbildung (wenn überhaupt vorhanden) haben. Wer ist da in die neu erworbene Thematik eingearbeitet? Einer, Zwei? Dann war es das aber schon.

Betreffend Pflege, ich nenne Ihnen ein Beispiel: Bei einer seriösen Agentur ist die 24-Stunden-Schwester vertraglich relativ gut abgesichert, was ich absolut befürworte. Kommt der zu Pflegende ins Krankenhaus, bleibt sie ja erstmal an Ort und Stelle weil der Zeitpunkt der voraussichtlichen Entlassung nichtmal ein Arzt beantworten kann. Er müsste Hellseher sein. Sie wird weiterbezahlt, selbstverständlich, aber wenn absehbar es dauert lange hat sie einen Anspruch auf 8 Tage Weiterzahlung wenn es in ihren Rhythmus fällt. Auch da bin ich voll dafür. Aber! das Pflegegeld wird ab dem 1. Tag Krankenhaus gestrichen, die Kosten laufen weiter plus die ca. 10 Tage pro KH-Tag zusätzlich. Es wären eben diese "kleinen Dinge", wo man auch darüber nachdenken könnte, ob man daran nichts ändert in Zukunft. Um es nicht so abstrakt zu sagen, ca. 90 Euro pro Tag = 720 für 8 Tage, wo das Pflegegeld eingefroren ist und trotzdem die Kosten anfallen, sogar höher, als wäre der Kranke zuhause.

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GordonKelz
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WIRD NICHT NACHGEDACHT...da es sie nicht...

betrifft. Und wenn, bei den Gehältern der Verantwortlichen spielen diese Kosten keine Rolle...
Gordon Kelz

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lieschenmueller
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@GordonKelz

Der Ansatz von Hr. Anschober ist aber vollkommen richtig. Nämlich alle Institutionen miteinzubeziehen. Es wäre auch nicht schlecht, würde er einmal z.B. Pflegestammtische besuchen, soll heißen wo sich Angehörige treffen oder die Pflegepersonen selbst. Ich war privilegiert, musste nur organisieren und verwalten, aber wie zu lesen, sind der Hauptteil Familienangehörige, die dies selbst tun. Das ist aber bei vielen nicht möglich wegen Beruf, Wohnort ganz wo anders etc. Oder weil man selbst das als meist Tochter auch gar nicht will (und deswegen ist man KEIN Egoist) und der zu Pflegende dies auch nicht von dieser möchte. Es ist nämlich ein großer Unterschied, ob diese Tätigkeiten - ich möchte gar nicht ins Detail gehen - jemand aus der Familie tut oder ein Profi. Natürlich unterschiedlich, aber etliche möchten dies in Bezug auf ihre eigene Würde liebe von letzterem gemacht kriegen.

Ich könnte vom Hundertsten ins Tausendste kommen bei dem Thema. Und abwerten tue ich die Ansinnen dieses jetzigen Ministers nicht. Der Erste wo ich Hoffnung habe.

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