"Pogusch-Koalition" Kurz und Kogler - wie alles begann

Die Kleine Zeitung könne mit einer "gewisse Berechtigung behaupten", erklärt Vizekanzler Werner Kogler, "türkis-grüner Türöffner" gewesen zu sein. Bei der Weinkost am Pogusch lernten sich Kurz und Kogler näher kennen. Auch Puls-4 und die Kronen Zeitung spielten später eine Rolle.

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Kogler und Kurz bei der Weinkost am 21. Juni 2019 am Pogusch
Kogler und Kurz bei der Weinkost am 21. Juni 2019 am Pogusch © (c) Juergen Fuchs (FUCHS Juergen)
 

Die Handynummern mussten nicht mehr ausgetauscht werden, es war aber, wie von Kanzler und Vizekanzler gegenüber der Kleinen Zeitung dieser Tage bestätigt, das erste substanzielle Gespräch, das beide geführt haben: Am Rande der traditionellen, von der Kleinen Zeitung veranstalteten Weinkost am steirischen Pogusch zogen sich Sebastian Kurz und Werner Kogler für gut 20 Minuten zu einem Gedankenaustausch unweit des Wirtshauses zurück.

Ibiza hatte ziemlich genau einen Monat zuvor Türkis-Blau zu Fall gebracht, die Opposition hatte Kurz aus dem Kanzleramt vertrieben, der Vorwahlkampf für die Neuwahlen am 29. September war bereits auf vollen Touren. Zugegen bei der Weinkost war auch Neos-Chefin Beate Meinl-Reisinger, dem Vernehmen nach sondierte der ÖVP-Chef im Vier-Augen-Gespräch mit Kogler bereits die türkis-grüne Option, was den Grünen-Chef komplett überraschte. Nicht nur Kogler, fast alle politischen Beobachter und Meinungsforscher gingen damals davon aus, dass sich arithmetisch höchstens eine „Dirndlkoalition“ aus ÖVP, Grünen, Neos ausgehen würde. Nur der renommierte Meinungsforscher Franz Sommer, auf den Kurz hört, tippte damals schon – nahezu prophetisch – auf eine knappe Mehrheit für Türkis und Grün.

Die "Pogusch"-Koalition

„Die Kleine Zeitung kann mit einer gewissen Berechtigung sagen“, erklärte Kogler am Wochenende, „der Türöffner gewesen zu sein.“ Bei dem Gespräch am 21. Juni am Pogusch vereinbarten K. u. K. (Kurz und Kogler) ein weiteres Treffen im Hochsommer in Wien, dieses ging als „Mineralwassertreffen“ in die Geschichte ein. Der Grünen-Chef hatte damals von einem nicht sehr prickelnden Gespräch berichtet. Heute korrigiert Kogler die Aussage schmunzelnd: „Das bezog sich darauf, dass ich nur stilles Wasser trinke.“

Nach der Elefantenrunde auf ein Bier

Ein drittes Meeting fand eine Woche vor der Wahl spontan nach der Elefantenrunde von Kronen Zeitung und Puls 4 statt. "Alle anderen waren schon weg, Kurz und Kogler zogen sich mit einem Bier zurück", schildert ein Augenzeuge die Situation.

Offenkundig waren diese Treffen von entscheidender Bedeutung - auf dem Weg zur "Pogusch-Koalition": "Wir haben schnell eine Gesprächsbasis gefunden und von Beginn an offen und geradlinig miteinander kommuniziert. Das half sehr", erklärte Kogler jüngst im Interview. Kurz wusste kürzlich Ähnliches zu berichten. Offenbar wurde bereits beim allerersten Sondierungsgespräch, das die beiden Wahlsieger im Winterpalais geführt haben, die Grundarchitektur des Koalitionsabkommens fixiert - dass das Migrationskapitel eine türkise Handschrift, das Klima- und Umweltkapitel eine grüne Handschrift trägt.

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