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Van der Bellen zum Nationalfeiertag"Im Gemeinsamen liegt oft bessere Lösung"

Ohne Panzer und Hubschrauber ging am Nationalfeiertag die traditionelle Leistungsschau des Bundesheers am Heldenplatz über die Bühne. Dennoch kamen laut Bundesheer 745.000 Interessierte. Dafür war erstmals die historische Ostarrichi-Urkunde in Wien ausgestellt, Van der Bellen lud zum Österreich-Fest.

Bundespräsident Alexander Van der Bellen
Bundespräsident Alexander Van der Bellen © (c) APA/HANS PUNZ (HANS PUNZ)
 

Bei perfektem, fast spätsommerlichem Wetter hat Österreich am Samstag seinen Nationalfeiertag zelebriert. Abgespeckte Version der traditionellen Heeres-Schau inklusive.

Mit vielen Attraktionen bildete der Wiener Heldenplatz das Zentrum des Geschehens: In der Früh legten Bundespräsident Alexander Van der Bellen und die Regierung Kränze zum Gedenken an die Soldaten nieder. Das Bundesheer will 745.000 Besucher bei seiner Leistungsschau gezählt haben, während Institutionen wie das Parlament Tag der offenen Tür hatten. Zwei junge Österreicher harrten vier Stunden vor der Hofburg aus, um den Bundespräsidenten vom Fall ihrer seit Juli in der Türkei festsitzenden Mutter zu erzählen.

In seiner TV-Ansprache am Abend erinnerte Van der Bellen ebenfalls an das Gemeinsame, das nicht vergessen werden sollte.

Die Rede des Bundespräsidenten

"Im Gemeinsamen liegt oft die bessere Lösung", sagte er und forderte erneut, das Gemeinsame vor das Trennende zu stellen. Um diese Suche nach dem Gemeinsamen gehe es auch bei den Gesprächen zur Regierungsbildung, spielte Van der Bellen auf die aktuelle politische Lage an.

Ostarrichi-Urkunde "daheim"

Mit dem Nationalfeiertag feiert Österreich die "immerwährende Neutralität", die der Nationalrat am 26. Oktober 1955 beschlossen hat. Aus diesem Anlass wurde im Haus der Geschichte heuer auch die Ostarrichi-Urkunde ausgestellt, in der Österreich 996 zum ersten Mal erwähnt worden ist.

Bereits in der Früh kamen mit Kanzlerin Brigitte Bierlein und der Bundesregierung die ersten prominenten Gäste, um einen Blick auf die Urkunde zu werfen. Die Urkunde ist für eine Woche lang in Wien ausgestellt, auch am Nachmittag standen noch immer viele Menschen Schlange, um sie - am Nationalfeiertag bei freiem Eintritt - zu sehen.

Heeresschau am Nationalfeiertag: Lange Warteschlange vor Ostarrichi-Urkunde

Lange Warteschlangen bildeten sich am Nationalfeiertag vor der Hofburg - vor allem vor der erstmals ausgestellten Ostarrichi-Urkunde.

(c) APA/HANS PUNZ (HANS PUNZ)

Die Ostarrichi-Urkunde, in der "Österreich im Jahr 996 zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde.

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Österreich-Fest

Perkussionist Martin Gruber beim Österreich-Fest des Bundespräsidenten

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1000 Rekruten wurden am Heldenplatz angelobt.

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Österreich-Fest

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1000 Rekruten angelobt

Feierliche Stimmung herrschte im Anschluss auch bei der Angelobung von mehr als 1.000 Rekruten auf dem Heldenplatz. Einig waren sich die Festredner bezüglich der schlechten finanziellen Lage des Bundesheeres. Auch der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig plädierte dafür, dass die Rekruten "mit den Ressourcen ausgestattet werden, die sie brauchen". Er wünschte ihnen, dass sie beim Bundesheer "viel Freundschaft, viel Kameradschaft" erleben werden, auch wenn es wohl so manchen "drückenden Dienst" geben werde.

Angelobung am Heldenplatz

 

Heer in Nöten

Verteidigungsminister Thomas Starlinger hob in seiner Ansprache die "besondere Bedeutung" des Nationalfeiertags hervor und pries die Neutralität Österreichs. Dass das Heer in finanziellen Nöten ist, bringe auch Risiken mit sich, betonte der Minister zum wiederholten Mal. "Was ich fordere ist keine Luxusarmee", sagte er und verlangte nach einer schrittweisen Anhebung des Heeresbudgets. "Sicherheit und Neutralität müssen uns etwas wert sein", so Starlinger.

745.000 Besucher

Laut Eigenangaben des Bundesheeres besuchten am heurigen Nationalfeiertag 700.000 Interessierte die Heeres-Leistungsschau in Wien und weitere 45.000 die Schau in Innsbruck

 

Im Rahmen der Feierlichkeiten am Heldenplatz wurden auch die Bundesheer-Sportler Verena Preiner und Lukas Weißhaidinger geehrt. Sie hatten zuletzt bei der Leichtathletik-WM je eine Bronze-Medaille errungen und erschienen in ihren Bundesheer-Uniformen zum Festakt.

Freiheit, Frieden, Wohlstand

Kanzlerin Bierlein sah den Nationalfeiertag in ihrer Rede auch als Gelegenheit zur Besinnung. "Das Bundesverfassungsgesetz über die Neutralität Österreichs markiert einen Wendepunkt in der Geschichte unseres Landes", so die Kanzlerin. "Es setzte einen Schlusspunkt unter eine schreckliche Epoche von Krieg, Vernichtung und Besatzung." Gleichzeitig sei damit aber auch der Beginn einer neuen Ära eingeläutet worden, betonte Bierlein am Heldenplatz. "Heute steht unser Land für Freiheit, Frieden und Wohlstand und gilt international als Ort der diplomatischen Brücken und des Ausgleichs."

Die Rekrutinnen und Rekruten bat Bierlein, "sich nicht nur für die Sicherheit unseres Landes einzusetzen, sondern auch für die Vitalität unserer Demokratie". Weiters rief sie die jungen Menschen dazu auf, nicht auf jene zu hören, "die das Trennende vor das Gemeinsame stellen".

 

"Sie - unsere Rekrutinnen und Rekruten - gehören zum Besten, was unser Land zu bieten hat", sagte sie. "Der Republik in dieser Art zu dienen verlangt mir und allen großen Respekt ab." Die Europäische Union bezeichnete Bierlein in ihrer Rede als "erfolgreichstes Friedensprojekt der Geschichte". Nur ein starkes Europa mit verbindenden Werten wie Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechten könne weiterhin Garant für die Sicherung des Friedens und des Wohlstands sein, sagte sie.

Herausforderndes Jahr

Präsident Van der Bellen leitete seine Ansprache mit einem kleinen Rückblick ein. "Wir haben ein ereignisreiches politisches Jahr hinter uns", sagte er vor den Rekruten und vielen Zuschauern auf dem Heldenplatz. Nach dem "verstörenden Ibiza-Skandal" wurde erstmals "eine Regierung angelobt, die nicht aus einer Mehrheit des Nationalrates hervorging", fuhr der Bundespräsident fort. Sowohl die Bundesverfassung als auch die staatlichen Institutionen hätten "diese Prüfung bestanden", sagte er. Obwohl man darauf durchaus stolz sein könne, habe die zukünftige Regierung "einige Herausforderungen" zu bewältigen, warnte Van der Bellen. An die derzeit verhandelnden Parteien richtete er den Appell: "Finden Sie gemeinsam die beste Lösung für Österreich."

In Sachen Bundesheer sagte Van der Bellen, dass eine ausreichende Ressourcenzuweisung gewährleistet" werden müsse. "Denn unsere Soldatinnen und Soldaten verdienen die bestmögliche Ausrüstung für ihre Einsätze." Danach wünschte er den Rekruten alles Gute für den Wehrdienst.

Feier der Neutralität

Seit 1965 gilt der 26. Oktober als Nationalfeiertag. Es ist jener Tag, an dem 1955 der Nationalrat die immerwährende Neutralität Österreichs durch ein Verfassungsgesetz beschlossen hat.

2019 lädt Bundespräsident Alexander Van der Bellen erstmals zu einem Österreich-Fest in die Hofburg in Wien. Die Leistungsschau des Bundesheeres am Heldenplatz wurde verkleinert, dafür zeigt das Haus der Geschichte die über 1000 Jahre alte „Ostarrichi“-Urkunde. Ab 12 Uhr lädt Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein zum „Tag der offenen Tür“ ins Bundeskanzleramt.

Nach einem Marsch der Militärmusik und einem Segen der Vertreter der Religionen und Glaubensgemeinschaften legten die Rekruten dann endlich ihr Gelöbnis ab. Erstmals lasen ein Rekrut und eine Rekrutin gemeinsam den Text vor. "Ich gelobe", hallte es als Antwort der mehr als 1.000 Rekruten über den Heldenplatz. Die jungen, neuen Mitglieder des Bundesheeres schworen, das Land Österreich und die Bevölkerung zu schützen, mit der Bundeshymne und der Europahymne wurde die Zeremonie beendet.

Anlass zur Dankbarkeit

Kardinal Christoph Schönborn bezeichnete den Nationalfeiertag als Anlass zu Dankbarkeit für Österreich. "Ein großes Danke für Österreich, für die Freiheit die uns geschenkt ist, auch für den inneren Frieden dieses Landes", sagte der Wiener Erzbischof am Samstag in einem über Facebook, Instagram und seinen Twitter-Kanal verbreiteten Kurzvideo. "Nichts von dem, was wir in Österreich geschenkt bekommen haben, ist selbstverständlich", so der Kardinal weiter. Er rief dazu auf, "dass wir uns vor allem bewusst sind, wie viel Dankbarkeit wir unserem Land schulden".

"Das schönste Land der Welt"

ÖVP-Obmann Sebastian Kurz bezeichnete Österreich als "das schönste Land der Welt. Am Nationalfeiertag möchte ich daher allen danken, die ihren Beitrag leisten - als Freiwillige, in der Arbeit oder in der Familie. Jede & jeder Einzelne macht Österreich zu einem so lebenswerten Land, auf das wir zu Recht stolz sind," schrieb Kurz auf Twitter.

Die Bedeutung des Zusammenhalts in der Gesellschaft betonte SPÖ-Vorsitzende Pamela Rendi-Wagner zum Nationalfeiertag. "Wir ÖsterreicherInnen können stolz sein auf unser Land - unser schönes, lebenswertes und erfolgreiches Zuhause. Am heutigen Nationalfeiertag möchte ich Danke sagen. Danke an alle Menschen, die sich freiwillig engagieren, die sich für andere einsetzen und gemeinsam Zusammenhalt leben. Dieser Zusammenhalt macht Österreich zu dem, was es ist", heißt es in einer Facebook-Botschaft Rendi-Wagners.

Souveränität und die Neutralität Österreichs

Für den Dritten Nationalratspräsidenten und FPÖ-Obmann Norbert Hofer stehen die Souveränität und die Neutralität Österreichs sowie die Grundwerte und Grundrechte im Vordergrund. All das gelte es zu schützen, sagte Hofer. Die Neutralität und die Freiheit ermöglichen es Österreich auch, als Vermittler zwischen Konfliktparteien aufzutreten, diese Vermittlerrolle solle Österreich auch in Zukunft verstärkt wahrnehmen, meinte Hofer.

Für FPÖ-Klubobmann Herbert Kickl muss im Mittelpunkt des Nationalfeiertages "die unumstrittene Bereitschaft stehen, Österreich und seine Souveränität gegen alle Bedrohungen zu schützen und zu verteidigen, also auch gegen die illegale Migration". Er will geprüft haben, ob bei einer neuerlichen Migrationswelle der sogenannte "Verteidigungsfall" eintritt.

Kommentare (5)

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ReinholdSchurz
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Ganz richtig Herr BB.


Na gut! doch vielleicht die Grünen.
Nach der Ansprache des Hr. BB der auch grüner Parteiobmann war wird der Weg der Grünen Gemeinsamkeit zu suchen und trennendes zu hinterfragen im klarer, sie müssen verstehen das die Chance für ein Regierungsbeteiligung sehr groß ist.
Man darf diese einmalige Chance in der Geschichte der Grünen Partei nicht vertun und sich als Junior Partner der Kurz ÖVP zu präsentieren also nützt euren Hausverstand und werft alles trennende über Bord und zeigt das ihr endlich Regierungsfähig seit.
Umwelt geht uns alle was an das sollte kein Stolperstein werden und die Klima Zukunft wird sowieso nicht in Österreich alleine entschieden dazu braucht es die ganze Welt

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crawler
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Natürlich liegt im Gemeinsamen

Die beste Lösung. Das funktioniert aber nur, wenn keiner der Verhandlungspartner auf seine Weisheit pocht. Meistens war das aber so in der Vergangenheit.

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heku49
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Danke Herr Bundespräsident,

für Ihre Worte zum Nationalfeiertag. Einprägsame Worte, wohlgewählt. gottseidank hat Österreich SIE als Oberhaupt.

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georgXV
13
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unsere Zwergenarmee leistet sich 160 (mehr oder weniger) Generäle und Brigadiere !!!

das sind ja wirklich nur mehr die letzten noch vorhandenen und funktionierenden Fragmente, die dem Bundesheer verblieben sind ...
Und dennoch leisten wir uns weiter 160 (mehr oder weniger) Generäle und Brigadiere (= Parteisoldaten), die großteils auch NICHT über Überbeschäftigung klagen können.
Für wen oder was leisten wir uns das ?

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einmischer
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georgXV

Hat diese Platte nicht schon ein paar Kratzer?
Österreich leistet sich auch einen riesen Nationalrat und parallel dazu einen Bundesrat. Von der hochqualifizierten P.S. im Parlament will ich gar nicht reden

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