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Nach der WahlInternationale Reaktionen: "Österreich ist ein politisches Labor"

Kurz auf Brautschau: Das sagt die internationale Presse. David Schalko vergleicht in einem Gastbeistrag für den "Spiegel" Sebastian Kurz mit Peter Alexander.

Österreich ist Thema bei der Auslandspresse © Screenshots
 

Nach der Nationalratswahl kommentieren die internationalen Medien am Montag wie folgt:

David Schalko vergleicht in einem Gastbeitrag für den "Spiegel" Sebastian Kurz mit Peter Alexander: "38 Prozent haben sich für jenen Mann entschieden, der sie am wenigsten mit Inhalten belästigte. Solange der jüngste Altkanzler aller Zeiten oft genug beteuerte, dass er niemanden hereinlässt, im Zweifelsfall auch kein neues Klima, blieb für den ÖVP-Wähler die Welt in Ordnung. Noch dazu beherrscht es der Schwiegersohn der Nation, stets besonnen und souverän zu wirken. Er macht eben alles richtig. Das haben Mutti und Vati über sechzig gern. Besonders am Land. Dort holte sich Kurz sein triumphales Ergebnis. Sebastian Kurz ist auf gewisse Weise der Peter Alexander der Politik. Er ist der Wächter, dass alles so bleibt, wie es ist. Die Geschichte, die er den Österreichern erzählte, war simpel: Der Kanzler wurde gegen den Willen des Volkes abgewählt. Er zog durch die Lande, um sich Kraft bei den Menschen zu holen. Dann kehrte er triumphal zurück. In einem Strategiepapier der ÖVP tauchten Begriffe wie Rocky III oder Ben Hur auf. Die Leute von Kurz verstehen ihr Handwerk. So viel ist gewiss."

"De Standaard" (Brüssel):

"Die große Frage ist, wer sein Partner werden wird. Sein Programm steht dem der FPÖ am nächsten. Dennoch ist eine Fortsetzung dieser Koalition nicht offenkundig. Kurz will, dass sich die Freiheitliche Partei von ihrem rechtsextremen Rand befreit. (...) Kurz betont, mit allen Parteien sprechen zu wollen. Auch mit den Grünen, die mit 14 Prozent sehr gut abgeschnitten haben. Das Klima bereitet den Österreichern zunehmend Sorgen. Aber ideologisch sind die beiden Parteien weit voneinander entfernt. Auch für ihre jeweilige Basis wäre eine Zusammenarbeit nicht so einfach darstellbar. Mit der kleineren liberalen Partei Neos, die rund acht Prozent erreichte, gibt es mehr Berührungspunkte. Dann würde jedoch ein dritter Partner benötigt. Und das könnten die Grünen sein."

"El Mundo" (Madrid):

"Trotz der Verluste der Ultrarechten bei der Parlamentswahl gestern in Österreich deutet alles darauf hin, dass sie wieder einer Regierung unter dem klaren Sieger, dem konservativen Ex-Kanzler Sebastian Kurz, angehören könnten. Die Abstrafung der ultrarechten Partei (FPÖ) wegen des Korruptionsfalls, der den (damaligen) Vorsitzenden (Heinz-Christian Strache) hart traf und eine Krise auslöste, die zur vorgezogenen Wahl führte, würde so abgeschwächt werden. Die beträchtliche Unterstützung, die die extreme Rechte trotz allem weiterhin genießt, sollte einer Europäischen Union, in der sich Parteien stark gemacht haben, die sie in die Luft jagen wollen, Sorgen bereiten. Und zur Reaktion bringen."

"Politico" (Brüssel):

"Kurz (und die Grünen) überwanden eine 'österreichische' Pattsituation: Bei den jüngsten und nicht ganz so jüngsten Wahlen waren die Möglichkeiten für den Sieger begrenzt, da die Wählerschaft sich auf drei große Parteien und einer Gruppe kleiner Parteien konzentrierte. Aber es scheint, dass Ibiza-Gate und wie Politiker (inklusive der Sozialdemokraten) damit umgingen, Dinge neu geordnet haben. Für Kurz hat sich eine selbstzentrierte Kampagne mit der Hauptbotschaft: 'Wehe mir, wurde ich nicht zu Unrecht aus dem Amt entlassen?' ausgezahlt. (...)

Nennen wir es ein frühes Zeichen der Fragmentierung, ein sehr deutliches Vertrauensvotum in Kurz oder eine Niederlage der extremen Rechten, aber das Ergebnis ist dasselbe: Kurz kann zwischen drei möglichen Koalitionspartnern links und rechts seiner Partei wählen. Er könnte sogar von einer selbsterklärten Anti-Establishment-Truppe zu einer anderen wechseln und seine ÖVP nach einem ziemlich heftigen Flirt mit der extremen Rechten in Richtung Zentrum bringen.

Österreich ist ein politisches Labor: Wenn wir uns nicht irren, ist die Stimmung im Netzwerk der Europäischen Volkspartei, in die Kurz bald als führende Persönlichkeit zurückkehren wird, dahingehend, grüne Wähler zu umarmen und grüne Parteien zu umwerben, indem sie ihnen einen Weg in die Exekutive auf nationaler Ebene anbieten. Grünen-Chef Werner Kogler forderte selbstverständlich einen 'Kurs der Bekehrung', aber nicht ganz im Death-Metal-Stil.

"Azonnali.hu" (Online-Portal Ungarn):

"Das österreichische Wunderkind, das gezeigt hat, was es kann, muss nun auch zeigen, was es will. Sebastian Kurz gewann mit dem Ibiza-Video die österreichischen Wahlen. Seine Partei errang einen historischen Sieg. Die rechtsextreme Partei ist zusammengebrochen und es könnte sogar eine konservativ-grüne Regierung folgen. Österreich geht keinesfalls in die Richtung der Visegrader Staaten (Ungarn, Polen, Tschechien, Slowakei - Anm.). Die ÖVP ist in die Nähe der Traumgrenze von 40 Prozent hochgeklettert, während die rechtsextreme FPÖ nicht einmal 20 Prozent erreichte. (...) Dabei können wir eines bereits sehen, Kurz ist nicht (Ungarns Regierungschef Viktor) Orban und so ist Österreich auch nicht Ungarn. Was in Ungarn mehr als der Hälfte der Gesellschaft entspricht, das brauchen in Österreich kaum 16 Prozent."

"Merce.hu" (Online-Portal Ungarn):

"Wenn es um das Erlangen und Behalten der Macht geht, dann hatte Sebastian Kurz niemals starke Hemmungen: Seine Vorstellungen konnte er einst genauso gut mit den Sozialdemokraten, wie später mit den Rechtsextremen abstimmen. Er schenkte dem Klimabewusstsein der österreichischen Gesellschaft Aufmerksamkeit, indem auch er in den letzten Monaten mit grünen Themen Wahlkampf gemacht hat. Unter diesem Aspekt wären die zwar erstarkten, doch immer noch wesentlich kleineren Grünen ein idealer Partner. (...) Eine ergrünende Kurz-Regierung würde mit Sicherheit das den Sozialstaat abbauende, neoliberale Politisieren fortsetzen. (...) Und wenn wir auch nicht viel von den Grünen erwarten können, ist doch eines am Sonntag sicher geworden: Die Grünen beginnen in Westeuropa ein unumgängliche politische Rolle zu spielen. Die Frage lautet, ob wir uns darüber noch freuen können."

"Corriere della Sera" (Mailand):

"Es wird bestimmt einen Grund geben, warum Österreich zum zweiten Mal in zwei Jahren sein Schicksal in die Hand eines jungen Husaren mit Porzellangesicht legt, der dazu fähig ist, eine ehrwürdige Partei wie die ÖVP zu erobern und umzukrempeln. Österreich krönt Kurz: Mehr als um eine Wahl geht es hier um eine Revolution. Mit Kurz feiert die ÖVP das zweitbeste Resultat seiner Geschichte. Ein Triumph des ehemaligen und künftigen Kanzlers, der zu einer radikalen Wende in der politischen Landschaft mit dem Zusammenbruch der FPÖ und dem großen Sieg der Grünen führt".

"La Repubblica" (Rom):

"Kurz schaltet die FPÖ aus. Der junge Politiker muss jetzt der ausländerfeindlichen und europaskeptischen Ultrarechten den Rücken kehren, mit der er bis Mai regiert hatte, und den Sozialdemokraten seine Arme öffnen oder wahrscheinlicher den Grünen. Vor allem in Europa wird man die Wende in Österreich klar zu spüren bekommen. In Brüssel hofft man auf einen zweiten 'Fall Conte', eine Bestätigung des scheidenden Kanzlers mit einem europafreundlichen Juniorpartner, der in Sachen Migration starke Dialogbereitschaft zeigt".

"Il Giornale" (Mailand):

"Fraglich ist jetzt, ob Sebastian Kurz nach seinem Wahlsieg wieder die historische Allianz mit der SPÖ eingehen wird. Kurz hätte davon alles zu gewinnen. Die stark geschwächten Sozialdemokraten werden ihm bestimmt keine Bedingungen aufzwingen können. Ihre Stärke liegt darin, dass sie die einzige Kraft sind, die der ÖVP eine stabile Regierung garantieren kann. Die Allianz mit der SPÖ würde Kurz politische Alternativen wie eine Rückkehr zur Allianz mit der FPÖ oder ein Bündnis mit den Grünen ersparen, die für seinen berechnenden Geist zu unsicher sind".

 

Kommentare (15)

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dude
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Der Peter Alexander der Politik!

Herrlicher Vergleich!
Ja, die Bühnenshow anläßlich der gestrigen Siegesfeier war wirklich bemerkenswert! Der Moderations- und Medien-Profi Peter Eppinger hat eingepeitscht, wie es sich jeder Schlagerstar wünschen würde!

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lombok
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Herr Schalko, warum schreiben Sie so typisch "deutsch"?

An Arroganz kaum zu unterbieten, besserwisserisch und beleidigend, obwohl das Politchaos in Deutschland nicht wirklich kleiner ist, als in Österreich. Herr Schalko tut seinen deutschen Mitbürgern nichts Gutes, indem er das Klischee der Deutschen bestätigt.

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Helga Baurecht
11
24
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Schalko hat keine Ahnung!

Kenne viele Junge unter 30 aus der Stadt die gerade Kurz wählen. Man sollte diese Tatsache endlich zur Kenntnis nehmen, dass gerade junge Menschen, die sich von ihrer Zukunft Besseres erwarten Kurz wählen. Und nicht Mutti und Vati vom Land als Volldeppen hinstellen.

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sonniboy
3
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Absolut richtig

Gerade in urbanen Studentenkreisen reüssiert Kurz.

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handlelightd
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Ach so, welche Daten habens denn vorliegen?

Zitiere aus einem KLZ-Bericht: Bei den Maturanten erreichten die Grünen mit 26 Prozent den zweiten Platz hinter der ÖVP (29). Vgl. 37% gesamt. In der Stadt ist der Prozentsatz, folgt er dem allgemeinen Stadt-Land-Gefälle wahrscheinlich noch geringer.

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SagServus
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Und nicht Mutti und Vati vom Land als Volldeppen hinstellen.

Die Wählerstromanalysen sind eindeutig.

Bei Wählern <30 hat die ÖVP 27%, gleich viel wie die Grünen.

Bei Wählern aus der Großstadt liegt die ÖVP hinter der SPÖ auf Platz 2.
In ländlichen Gebieten hat die ÖVP fast die absolute.

Und wo hat Schalko denn unrecht? Welche Inhalte hat denn Kurz so vorgebracht?

Seine 100 Projekte die er erst knapp vor der Wahl das erste mal vollständig präsentieren konnte?

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handlelightd
7
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Auf den Klimawandel

ist er auch nur aufgesprungen, weils ob der dringenden Relevanz und weltweiten Medienpräsenz nicht (mehr) anders ging. Ist für ihn aber mehr oder weniger Neuland. Stichwort Wirtschaft in die Verfassung, Umweltverfahren bei bestimmter Dauer automatisch zugunsten der Betreiber abzudrehen. Das Soziale sowieso nur umdefiniertes, verzerrtes Randthema, bzw. Schmücken mit fremden Federn. Hätte es keinen massiven Aufschrei gegeben, die Misi für Behinderte zu kürzen, Kurz hätts wie von Türkis-Blau geplant, gemacht. Jetzt brüstet er sich damit, diese erhöht zu haben, usw. usw.

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Helga Baurecht
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Immerhin...

27 % sind auch nicht wenig. jeder 4. unter 30 hat Kurz gewählt.

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handlelightd
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Aber eben

nur 27% versus 37% absolut und nochmal eindeutiger ist der Unterschied vergleicht man nur die Kohorten Ältere-Jüngere oder städtisch-ländlich.

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Helga Baurecht
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Die Schuld...

kann man ja trotzdem nicht dem Wähler zuschieben. Um Gottes Willen. Vielleicht sollte sich die ach so soziale Partei einmal fragen, warum sich der Wähler egal ob Stadt oder Land nicht mehr mit ihrer Politik identifizieren kann.

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handlelightd
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Schätze,

das wird sie auch machen. Falls nicht, hoffe ich natürlich, dass sie Ihr post liest. :) Allerdings haben natürlich auch die WählerInnen eine gewisse Eigenverantwortung, etwa sich ausreichend zu informieren. So wie Sie das sagen, klingts, als hätten's Narrenfreiheit. Das geflügelte Wort - der Wähler hat immer recht - gilt nicht in jedem Sinn. Auch die Mehrheit kann irren.

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Helga Baurecht
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ich denke....

Herr und Frau Österreicher ist nicht so dumm wie sie es gern hätten, nur weil sie nicht Ihrer Meinung sind :)

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handlelightd
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Aha,

und wo lesens das heraus? Ganz im Gegenteil, wünsche ich mir eigenverantwortliche, mündige WählerInnen.

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Helga Baurecht
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das sind sie....

sonst hättens nämlich einen Vormund ;)

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handlelightd
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Dann hoffe ich,

dass' im Fall des Falles mit der (Eigen-)Verantwortung auch so weit her ist.

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