Radikaler Islam an Schulen Lehrerin: "Warum ich nicht mehr schweigen kann"

Susanne Wiesinger, Lehrerin an einer Neuen Mittelschule in Wien-Favoriten, erzählt vom Alltag in ihrer Brennpunktschule: von Konflikten mit muslimischen Kindern, vom Schweigen ihrer Vorgesetzten und der Politik. Ein Auszug aus dem Buch "Kulturkampf im Klassenzimmer", das am Montag im QVV-Verlag erscheint.

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"Die Religion hatte unsere Schule im Griff"
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Am 7. Jänner 2015 verübten zwei Islamisten einen Anschlag auf die Redaktion der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ in Paris. Elf Menschen wurden dabei getötet. Weltweit gingen Menschen auf die Straße und bekundeten ihre Solidarität mit den Opfern mit dem Spruch „Je suis Charlie“. Politiker aus aller Welt verurteilten den Anschlag.

Nicht so meine Schüler. Viele meiner Schüler feierten die Attentäter wie Helden. Die Opfer spielten für sie keine Rolle.

An diesem Tag wurde mir bewusst, wie stark der konservative bis fundamentalistische Islam unsere Schüler beeinflusst, wie sehr diese Religion die Gedanken der Kinder beherrscht. Ich erkannte, wie weit die Mehrheit in der Schule von den Werten, die wir Lehrer ihnen zu vermitteln versuchten, entfernt war.

"Wir müssen die Ehre unseres Propheten verteidigen"

Die Ursachen für diesen Terroranschlag waren für viele Schüler in der Politik Israels und der USA zu suchen – und besonders in der Beleidigung des Propheten Mohammed durch Karikaturisten. „Wer den Propheten beleidigt, hat den Tod verdient. Wir Muslime müssen uns gegen den Westen verteidigen. Niemand darf unseren Propheten lächerlich machen. Wir sind dadurch alle beleidigt und müssen die Ehre unseres Propheten verteidigen.“

 

Das waren nur einige von vielen Aussagen, die mich nachdenklich bis beunruhigt zurückließen. Viele Mädchen haben geweint. Sie hatten Angst, dass ich sie jetzt nicht mehr mögen würde, weil sie Muslime sind. Die Buben gingen mit der Situation vollkommen anders um: Sie waren wütend, gereizt und aggressiv. Doch je länger wir mit den Jugendlichen diskutierten und versuchten, auf sie einzuwirken, umso mehr stellten sie ihre islamistischen Sympathien und Theorien infrage. Zumindest für den Moment. Am Ende blieb meist die Vorstellung: Das waren keine Muslime wie wir. Denn wir tun so etwas nicht.

Dieses Erlebnis führte mich zu der Frage: Woher kommt die ablehnende und aggressive Haltung dieser Jugendlichen gegenüber unserer Gesellschaft? Eigentlich wollen diese Kinder ja zu uns gehören und die Freiheiten unseres westlichen Lebensstils genießen. Aber sie können nicht. Es gibt eine Kraft, die sie zurückhält, die stärker ist als alles andere: ihr muslimischer Glaube. Er kontrolliert und lenkt sie.

 

Foto © KK

"Religion hatte unsere Schule im Griff"

Ich konnte diese Vorfälle nicht mehr als bedauerliche Einzelfälle abtun. Es ging nicht mehr. In meiner Schule hatte sich etwas Grundlegendes verändert, und ich empfand ein wachsendes Unbehagen bei dem Gedanken, dass der Islam für viele Schüler das Wichtigste in ihrem Leben geworden war. Religiöse Gebote und Verbote beherrschten ihr Denken.
Sie gehorchten ihrem Glauben. Alles andere musste sich unterordnen. Die Religion hatte unsere Schule im Griff.

Das ging so weit, dass diese Schüler mit unserer Kultur nichts zu tun haben wollten, sie hassten und sie immer mehr auch aktiv bekämpfen wollten. So wie die „Charlie Hebdo“-Terroristen, die genau deswegen von ihnen bewundert wurden. Die Anschläge von Paris waren bei uns in der Schule noch sehr lange Thema. Im Lehrerzimmer diskutierten wir intensiv und emotional miteinander, besonders über die Reaktionen unserer Schüler.

"Viele Lehrer scheuen sich, Kritik am Islam zu üben"

Sosehr alle über die ausdrücklichen Sympathiebekundungen entsetzt waren, wirklich überrascht war niemand. Die Veränderungen in den Jahren zuvor waren zu offensichtlich. Viele muslimische Schüler und deren Eltern hatten eine immer fundamentalistischere und radikalere Richtung eingeschlagen. Viele meiner Kollegen hatten die Veränderung auch gespürt, wagten dennoch nicht, offen darüber zu sprechen. Bis heute scheuen sich viele Lehrer, Kritik am Islam zu üben. Der Grund des Schweigens liegt in einer Verwechslung von Akzeptanz und Toleranz sowie der Sorge, als überfordert und islamophob diffamiert zu werden.
Dabei sind die Hinweise auf diesen religiösen Wandel nicht zu übersehen.

Viele unserer Schüler entglitten uns zunehmend in die Welt des Glaubens. Wir konnten sie dorthin nicht begleiten. Zurückhalten konnten wir sie auch nicht. Die Gräben zwischen uns wurden größer, und wir kamen immer weniger zu ihnen durch. Jeder weitere islamistische Terroranschlag erhärtete den Verdacht: Immer mehr muslimische Schüler haben Verständnis für diese Gräueltaten. Die Sympathien für die Attentäter sind stärker als das Mitleid mit den Opfern.

"Es ist zu stark. Wir sind zu schwach."

Lehrer und Schüler leben in zwei völlig verschiedenen Welten, die nicht miteinander vereinbar sind. Und wir Lehrer haben das akzeptiert. Was bleibt uns anderes übrig? Wir haben nicht mehr die Kraft, gegen dieses religiöse Gedankengut unserer Schüler anzukämpfen. Es ist zu stark. Wir sind zu schwach.

Der Stadtschulrat (SSR) für Wien machte sich offenbar zum Zeitpunkt der Pariser Anschläge noch keine großen Sorgen über die Radikalisierung junger Muslime in Österreich. Frankreich sei ein anderes Land mit einer anderen Geschichte und zum Glück nicht einmal ein Nachbarland Österreichs. Bei uns schien, zumindest für den Stadtschulrat und die Wiener Stadtpolitik, Integration zu funktionieren.

Natürlich gab es Beispiele gelungener Integration. Man konzentrierte sich allerdings nur auf diese und übersah dabei die immer größer werdenden Brennpunkte. Als Sozialdemokratin war auch ich jahrelang davon überzeugt gewesen, dass Integration in jedem Fall gelingen müsste. Es braucht nur genügend Ressourcen und die Akzeptanz der österreichischen Mehrheitsgesellschaft. Diese Einschätzung teile ich heute nicht mehr.

"Über Jahre stieß ich auf Unverständnis"

Schon damals sprach ich meinen Dienstgeber und die Lehrergewerkschaft auf das Thema „Politischer Islam in der Schule“ an. Bei beiden stieß ich über Jahre auf Unverständnis und Desinteresse. Oft auch auf Kritik und Ablehnung. Nachdem sich die Anschläge in Europa wie auch die Vorfälle mit radikalisierten Jugendlichen an Schulen gehäuft hatten, fanden dann schließlich doch einige Veranstaltungen zur Deradikalisierung an Schulen statt. Ich war mit keiner wirklich zufrieden. Die vortragenden Referenten vermittelten mir stets den Eindruck, das Problem nicht verstanden zu haben: „Ändert euch und akzeptiert die Welt, in der eure Schüler leben, wie sie ist. Dann wird Integration gelingen.“

Eine realitätsfernere und naivere Meinung konnte man nicht haben. Ich sollte akzeptieren, dass diese Jugendlichen die religiösen Gesetze unseren weltlichen vorziehen? Ich sollte mich damit abfinden, dass Mädchen nicht schwimmen gehen dürfen und mit Einsetzen ihrer Periode in einer Moschee nach einem passenden Ehemann gesucht wird? Ich sollte zusehen, wie muslimischen Schülern unser kulturelles Leben vorenthalten wird, weil es in den Augen ihrer Eltern haram (religiös verboten) ist?
Einwände vonseiten der Lehrer, die Probleme bei der Integration könnten auch an den Familien und muslimischen Communitys liegen, wurden mit der moralischen Überlegenheit der Vortragenden weggewischt. „Lehrer müssen mehr Selbstreflexion betreiben. Die Türken sind ein stolzes Volk.

"Sie wollten nicht glauben, was ich ihnen erzählte."

"Das Fasten im Ramadan ist wichtig für Muslime." Derartige Aussagen veranlassten mich, bei den Deradikalisierungsexperten in unseren Seminaren nicht unbedingt Verständnis zu erwarten. Also versuchte ich mein Glück im privaten Umfeld. Doch auch meine Freunde und Bekannten, allesamt bürgerliche Linke, zeigten wenig Interesse an diesen Entwicklungen. Sie wollten nicht glauben, was ich ihnen erzählte. Ich versuchte in einigen Gesprächen zu erklären, dass muslimische Schüler nicht nur im Internet, sondern sehr wohl auch in ihren konservativen Moscheen und Verbänden bei uns in Österreich radikalisiert werden.

Diese Gespräche über Integrationsprobleme führten meist zu Vergleichen mit der katholischen Kirche oder zu positiven Berichten über Reisen durch muslimische Länder, natürlich aus der Jugendzeit. Der beste Beweis für gelungene Integration war dann letztendlich der Brunnenmarkt in Wien, ein türkischer Straßenmarkt, wo man so schön Kaffee trinken und billig einkaufen kann. Angesichts dieser Ignoranz zog ich mich auch im privaten Umfeld immer weiter zurück.

"Am nächsten waren mir meine Lehrerkollegen"

Bis heute ist es mir unverständlich, warum Linke den konservativen Islam verteidigen. Jahrelang haben dieselben Linken die katholische Kirche – zu Recht – kritisiert und ihre Anhänger abfällig als „Kerzlschlucker“ bezeichnet. Als Ansprechpartner für meine Schulprobleme blieben nur noch Familienmitglieder und engste Freunde. Am nächsten waren mir aber immer meine Lehrerkollegen. Nur sie verstanden, was wirklich an Brennpunktschulen passiert. Nur sie bekamen mit, unter welchem furchtbaren Druck viele unserer muslimischen Schüler stehen und wie zerrissen sie sind. Nur mit meinen Kollegen konnte ich auch die schlimmsten Ereignisse besprechen; manchmal zynisch und desillusioniert.

Lange Zeit hielt ich mich an die Vorgabe des Dienstgebers und sprach in der Öffentlichkeit nicht über die Probleme an Wiener Schulen. Die Amtsverschwiegenheit schob ich ehrlich gesagt nur vor. Der Hauptgrund war die Sorge, in die Nähe von rechtskonservativen Parteien gerückt zu werden. Einerseits entspricht das nicht meiner politischen Haltung. Andererseits könnte das zusätzliche Isolation im beruflichen wie im privaten Leben bedeuten. Das wollte ich unbedingt vermeiden. Also schwieg auch ich lange Zeit.

Mein gesamtes Erwachsenenleben stand ich dem linken Rand der Sozialdemokratie nahe. Ich empfand die Aussicht, in die Nähe einer rechten Partei gerückt zu werden, als bedrohlich. Und so besprach ich Probleme nur mehr mit Kollegen, die mit ähnlichen Situationen an ihren Schulen konfrontiert waren.

"Der Druck des Stadtschulrats wurde immer größer"

Wir diskutierten zum Beispiel die Motivation von Schülern, Wildschweine zu quälen und zu töten und die verharmlosende Reaktion ihrer Eltern. Wir unterhielten uns darüber, warum unsere Schüler den Ehrenmord an einer afghanischen Schülerin verteidigten und warum Mädchen meinten, ihre Familie müsste sie töten, wenn sie einen Christen heiraten.

Natürlich suchte ich in vielen Fällen auch das Gespräch mit meinem Dienstgeber. Leider nur mit geringem Erfolg. Dies machte die Arbeit mit vielen unserer Schüler nicht unbedingt einfacher. Als ÖVP und FPÖ im Dezember 2017 an die Regierung kamen, wurde der Druck des Stadtschulrats, der Gewerkschaft und auch der moralische Druck des privaten Umfelds, nicht über Integrationsprobleme – schon gar nicht von Flüchtlingskindern – zu sprechen, noch einmal erhöht.

Meine Frustration darüber war, ehrlich gesagt, manchmal größer als jene über die neue Regierung. Anfang Jänner 2018 ging ich zur Abschlusskundgebung der großen Demonstration gegen die neue türkis-blaue Regierung auf dem Heldenplatz in Wien.

"Wir werden Kopftuch tragen"

Als Sozialdemokratin kritisierte ich den geplanten Abbau im Sozialsystem, das war meine Hauptmotivation, hinzugehen. Ich lauschte einer Rednerin, die uns Demonstranten aufforderte, unsere Körper schützend vor alle Moscheen zu werfen. Tosender Applaus um mich herum! Frauen mit netten Transparenten riefen spontan: „Wir werden Kopftuch tragen!“ Ich war in diesem Moment wie erstarrt und fühlte mich wirklich einsam. Ich musste die Demo fluchtartig verlassen.

Natürlich darf kein Mensch aufgrund seiner Religionszugehörigkeit diskriminiert werden. Meine Gedanken waren aber auch: Würden diese jubelnden Demonstrantinnen ihre Körper auch vor Moscheen werfen, mit deren Hilfe meinen Schülerinnen ein Ehemann vermittelt wird? Werfen sie
den Körper auch vor jene Moscheen, die den Koran über unsere Verfassung stellen, die unsere Jugendlichen daran hindern, sich in die österreichische Gesellschaft zu integrieren? Wirft eigentlich irgendjemand von diesen aufgeklärten und toleranten Linken seinen Körper vor ein Mädchen, dem mit Mord gedroht wird, wenn es aus starren patriarchalen Familienverhältnissen ausbrechen will?

"Sie wollen wiedergewählt werden"

Die Ignoranz der Sozialdemokraten in meinem beruflichen Umfeld gegenüber Problemen mit muslimischen Schülern sehe ich rein pragmatisch: Sie wollen wiedergewählt werden und ihre Posten behalten. Deswegen darf es kein Problem geben, für das sie verantwortlich gemacht werden können.

Die Ignoranz im privaten Bereich ist dagegen von romantischen Vorstellungen geprägt: Links ist gut, rechts ist böse. Und wir Linken sind die Retter der Unterdrückten. Hinterfragen ist oft schon zu mühsam. Das Leben soll einfach und schön sein. Beides erhöhte den Druck in mir, über die wirklichen Probleme muslimischer Schüler zu sprechen. Denn für mich gehören sie zu uns, und darum muss sich eine Mehrheitsgesellschaft ihrer Probleme annehmen.

Ich bin heute davon überzeugt: Was den betroffenen Kindern und Jugendlichen am meisten schadet, sind falsche Toleranz und Stillschweigetaktik gegenüber dem radikal-konservativen Islam.

Kommentare (99+)
2ae0034172a8647356c2ff760ba3b141
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Die politische Toleranz gegenüber dem Islamismus führt unweigerlich zum Ende unsrer Werte und Kultur

Und ein gläubiger Moslem ist automatisch ein Islamist, weil er den Koran über unsere Gesetze stellt (stellen muss). Während spinnerte Staatsverweigerer zu Recht die Härte des Gesetzes zu spüren bekommen, können die Islamisten auch noch mit staatlicher Förderung, in den Moscheen Ihre Istaatsfeindlichen Lehren verbreiten. Und das europaweit. Für ein Umdenken ist es 5 vor 12.

differentialrechnung
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Hut ab, Frau Wiesinger!

So radikal sich dieser Erfahrungsbericht auch von der lang gehegten Überzeugung unterscheiden mag, es sei nur eine Frage der Zeit, bis der "moderate, tolerante, integrierte Islam" den Islam der absoluten Ansprüche verdrängt hat, so sehr ist zu befürchten, nicht einmal ein paar hundert Jahre mehr, wie sie das Christentum brauchte, um über den Anspruch der Absolutheit hinaus zu wachsen, würden den Islam vergleichbar verändern.

panoptikum
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Freie Meinung

Tja, die traut sich ja fast keiner mehr sagen ohne in ein Eck gestellt zu werden. Ich möchte dazu nur sagen, dass ich jahrelang in islamischen Ländern beruflich unterwegs war und mich dort an die Sitten und Gebräuche gehalten habe. Während des Ramadan wurde mir seitens der Kunden oft Tee und Kaffee angeboten, dass ich (unter Tags) aus Rücksicht auf Sitte und Religion abgelehnt habe. Ich denke das ist selbstverständlich wenn man in anderen Ländern und Kulturen unterwegs ist. Ich habe auch nie deren Religion in Frage gestellt, sondern habe mich dafür interessiert. Anders möchte ich das hier mal nicht formulieren....

jaenner61
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@panoptikum: mich würde wirklich interessieren

auf was sich die 3 daumen nach unten hier berufen, was bitte passt leuten bei dieser einstellung schon wieder nicht?????

paulrandig
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Ein Ansatz:

Vorweg: Den Ansatz: "Alle müssen weg!" oder "Islam raus!" lasse ich einmal weg. Welchen Ansatz haben Linke und Liberale, dieser Zwickmühle zu entgehen?
Meine (persönliche!) Lösung wäre es, die Zwickmühle zu verlagern:
Gegnerschaft ist für tolerant Grundeingestellte das falsche Terrain, also kein taugliches Instrument.
Ich würde liberale Moslems kontaktieren, mir von ihnen den Koran erklären lassen, mich einlesen, Gegenargumente sammeln, die genauso im Koran enthalten sind, den Schülern gegenüber den Koran zitieren und mich bemühen, diesbezüglich so sattelfest zu sein, wie viele Freunde von mir in Details von Fernsehserien oder Kinofilmen.
Ich würde danach streben, in Korankenntnissen deutlich besser zu sein als Dreizehnjährige, sie durch Aufzeigen von Widersprüchen und liberalen Aussagen zum Zweifeln zu bringen.
Dadurch würden sie zumindest zur Einsicht gelangen, dass sich Radikale nur auf einen kleinen Teil des Buches berufen, und das noch dazu sehr selektiv.
Ich würde ihnen in allen möglichen Situationen zeigen, was der Koran dazu sagt und ihnen zeigen, dass sie ihn entweder IMMER berücksichtigen müssten (was kaum möglich und sicher nicht lustig ist) oder ihn generell nicht so streng nehmen.
Einzig mit den Worten aus dem Koran, die sie laut ihrer Erziehung nicht anzweifeln dürfen, lässt sich die Front der Gegnerschaft sprengen, weil sich dann die Diskussion in die bisher homogene Gruppe selbst hineinverlagert und sie von innen her auflockert.

differentialrechnung
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Auch wenn Ihnen, respektierter paulrandig,

das Forum, das Lehrer und Lehrerinnen haben, nicht offen steht, dem
"Ich würde liberale Moslems kontaktieren, mir von ihnen den Koran erklären lassen, mich einlesen, Gegenargumente sammeln, die genauso im Koran enthalten sind.." steht nichts im Wege. Ob öffentliche Bibliotheken in Wien Bücher mit "unfreundlichen Inhalten (= Neusprech "islamophoben")" Inhalten zugänglich machen, weiß ich nicht. Es gibt solche Bücher - auf Deutsch, Englisch, Französisch im online-Buchhandel und für elektronische Lesegeräte. Und ich erwähne auch das nicht aus dem Drang zum "Klugscheißen"

differentialrechnung
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sogar ein mutiger Ansatz.

und es ist nicht Gewohnheit, dass ich "advocatus diaboli" spiele. Wenn Frau Wiesinger, wie jede andere Frau, mag sie noch so kompetent sein, dreizehnjährige Buben und Burschen, die sich aufgrund ihres "männlich Seins" in ihren religiös geprägten Familien schon für überlegen halten, mit Argumenten, die allerlei infrage stellen, gegenüber tritt, setzt sie sich Gefahren aus. Frau Wiesingers Artikel enthält auch den Hinweis, die Mädchen hätten geweint, dass ihre Lehrerin sie nicht mehr mögen würde, weil sie muslimische Mädchen seien. Nicht darüber lächeln, es als Indikator ansehen.
Welche anderen Möglichkeiten für Lehrer (m nicht f) zu finden wären, ist wohl deren persönlicher Initiative überlassen.

2ae0034172a8647356c2ff760ba3b141
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Aha

und Ihnen wird dann mehr geglaubt als dem Immam und alle werden ihre Einstellung sofort ändern.
Träum weiter

Mena_2281
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Finde ich toll

Absolut richtig!

DavidgegenGoliath
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@paul

Sie verwechseln unsere Schule mit einer Koran Schule!
Nicht wir müssen uns integrieren, sondern die Muslime, die zu uns kommen!

paulrandig
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DavidgegenGoliath

Volle Zustimmung. Integrieren heißt: Nicht blind einem Buch nachrennen, Platz für die Äußerungen anderer lassen, Vermeintlich Unabänderliches neu denken und einen gemeinsamen Weg finden.
Das fordert aber beide Seiten. "Werdet so wie wir und macht alles so wie wir!" ist nicht die Lösung.
Die Lösung ist:
Macht Eures, aber im Kontext unseres Systems. Ordnet die Religion dem Gemeinwesen unter. Stellt Eures gleichwertig neben unseres, respektiert unseres, und wir respektieren Eures. Interessiert Euch für unseres, und wir interessieren uns für Eures.
Und das alles findet unter dem Dach unseres Systems statt, das nicht das beste denkbare ist, sich aber als praxistauglicher herausgestellt hat als Eures, sonst wärt Ihr nicht hier.

differentialrechnung
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@ DavidgegenGoliath

ganz abgesehen von "himmlischer Hilfe" - David war über Goliath bestens informiert, das war sein Vorteil. und hat mit "sich integrieren" müssen der Ansässigen nichts zu tun.

differentialrechnung
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Ihre Vorschläge, beruhend auf besseren Informationen,

sind bedauerlicherweise noch nicht gut genug. Ungeachtet aller Behauptungen, beruhend auf den friedlichen, frühen Offenbarungen (denen aus Mekka), sind diese in den späteren (aus Medina) entkräftet. Das ist islamische Lehre - späteres gilt, früheres nur soweit nicht anderen Inhalts. Der "kleine Teil des Buches" fällt in die Kategorie.

paulrandig
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differentialrechnung

Das würde heißen, dass es keine liberalen Muslime geben dürfte, die es aber gibt. Was ich jetzt allerdings nicht weiß: Steht das auch im Koran selbst drin? So im Sinne: Diese Aussage ersetzt alles, was vorher dazu gesagt wurde? Oder haben das ein paar Gelehrte einfach einmal beschlossen, so wie sehr vieles im Christentum?
Alleine, dass es überhaupt widersprüchliche Aussagen in einer Quelle gibt, ist für Heranwachsende essentiell zu erkennen. Kleine Kinder erfahren: So ist die Welt. Schüler müssen erfahren: Aber nicht immer, wir müssen lernen Aussagen zu gewichten, denn nichts ist absolut.
Wenn ich mir konservative Moslems, aber auch diverse Forenposter ansehe, habe ich oft den Eindruck, dass es nicht alle über die Kindheit hinaus geschafft haben (Sie gehören da natürlich nicht dazu!).

Reipsi
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KEIN Mensch weiß

ob ein Moslem liberal oder radikal ist, bei den Christen weiß man es heute und wir leben heute und nicht gestern.

differentialrechnung
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Alleine, dass es überhaupt widersprüchliche Aussagen in einer Quelle gibt, ist

ist für jede/n wichtig zu erkennen. Dass es liberale Muslime gibt, die es nicht geben dürfte, ist wahr - so wie es in jedem totalitären System "Abweichler, Reaktionäre und Häretiker" gab, die es nicht hätte geben dürfen. Diesen "Andersdenkenden" wurde mit Härte begegnet, was z.B. zu einem Verbot der Übersetzung der Bibel und der Publikation des "Archipel Gulag" führte -. "Dilettantische Versuche", einschließlich aller Drohungen mit Höllenstrafen und/oder Sibirien. Es wurde versäumt, zwischen "dem rechten Weg" und den anderen so radikal zu unterscheiden, dass nur denen volle Akzeptanz gebührt, die sich auf dem "rechten Weg" befinden und sogar denen schon die Suche nach einem möglichen, anderen Anstieg zumindest zu verleiden.
"Catch 22" ist die beinahe freundliche Version.

paulrandig
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Das Argument "Wie kommen wir dazu diesen Aufwand zu treiben!?"

Ja, das Argument sehe ich kommen. Ehrlich gesagt: Ich habe keinen Fernseher.
Ich bin neugierig.
Ich bin realistisch.
Ich bin patriotisch - aber nicht auf die konservative Weise, sondern auf die Weise, die stolz darauf ist, wie sich Österreich durch die Jahrhunderte navigiert und dabei letztendlich gewonnen hat.
Viele haben dazu beigetragen, indem sie groß gedacht haben, gekämpft haben, verhandelt haben und gewusst haben, wann sie ein wenig aus ihrem Schneckenhaus schlüpfen und die Ärmel hochkrempeln müssen.
Und bevor ich vor Sorge vergehe, bevor ich mit Waffen kämpfen muss, bevor ich zwei Stunden pro Tag vor dem Fernseher sitze, bevor ich mein Hirn mit Facebookpostings zukleistere, bevor ich Romane zur Zerstreuung lese, lese ich doch das eine Buch, dessen Interpretation anscheinend derzeit etwas vom Wichtigsten ist, was unsere Gesellschaft betrifft. Wegen der Unkenntnis dieses Buches zerkrümeln derzeit Demokratien, sterben Menschen und bilden sich gesellschaftliche Geschwüre.
Ich persönlich will dieses Buch schon aus Neugierde heraus kennen. Wenn es mir hilft, dadurch auch nur ein bisschen etwas zu verbessern, ist es ein guter Nebeneffekt.

der alte M.
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@paulrandig

Sie haben den Koran sicher schon selbst gelesen...

differentialrechnung
2
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Für den Fall,

dass das Argument Ihnen nicht ohnehin bekannt ist: der Koran kann nur "nacherzählt" nicht übersetzt werden, Was einerseits am gebührenden Respekt vor der von "Gott gebrauchten Sprache" liegt, andererseits an der Vielschichtigkeit des Arabischen selbst. "nacherzähltes Zitat": der Koran, 'offenbart in Arabischer Sprache, damit er verstanden werde'

bb65
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@differen

Danke für die guten Kommentare.

Mit anderen Worten, alle nicht arabisch kundigen können by design schon den Koran nicht richtig interpretieren, oder kann ihnen von den arabisch sprechenden zumindest dazu das recht abgesprochen werden, weil sie ja nur eine mehr oder weniger gut "nacherzählte Version" des Buches lesen können?

differentialrechnung
1
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bb65

Extrem formuliert "ja".

plolin
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Wir leben in einem

friedlichen Land. Noch. Hoffentlich noch lange. Klar gibt es verschiedene Religionen.
Trotzdem bin ich nach wie vor der Meinung, dass sich diese Leute uns anzupassen haben.
Es gibt Regeln, die einzuhalten sind. Ganz einfach.
Und wenn ihnen das ihre Religion verbietet dann haben sie gefälligst unser Land zu verlassen. Ohne wenn und aber. Hat auch nichts mit Rassismus zu tun.

ichbindermeinung
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schon zu spät

man hat sich generell in den letzten Jahrzehnten übernommen. Ö hat einen Ausländeranteil von ca. 16% und Wien über 30% - Das sind Höchstwerte in der EU. Probleme ohne Ende sind vorprogrammiert.

Sam125
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Ichbindermeinung

Die Hoffnung stirbt zuletzt, den wenn wir als Gesellschaft endlich dagenhalten und die Politik vielleicht auch noch aufwachen würde, ist noch vieles machbar!

ronny999
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Praktisch

bedeutet dies das die rot-grüne Politik zu diesem Thema gescheitert ist - die neue Politik (siehe Gudenus) wird es aber auch nicht besser machen!

Lamax2
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Rote Politik...

...ist praktisch und theoretisch gescheitert und Herr Fassmann ist dabei, in kleinen Schritten Verbesserungen vorzunehmen. Ich bin froh, dass es wieder einmal eine Lehrerin geschafft hat, über die Realität zu schreiben und dem Druckkochtopf ein Ventil geöffnet hat. Warum werden wohl immer weniger Lehrer??? Die Korrekturen an den Sünden der Vorgänger müssten noch viel stärker sein.

ww100
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Nichts neues...

Das ist doch seit Jahren bekannt. Aber äußert man soch dazu wird man sofort in eine politische Richtung gedrängt.

Ob das ganze verpackt in einem Buch einer Pädagogin mit sozialdemokratischen Hintergrund mehr Gewicht hat?
Ich muss es erst lesen um darüber urteilen zu können.
Beim letzten Ausflug in die Buchhandlung wurde ich angepöbelt weil ich das Sahrazin Buch gekauft habe.

Oberwoelzer
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Moslimische Kinder Rebellen

Eine Lehrerin die sich traut mit dem Problem moslimische Schüler
an die Öffentlichkeit zu gehen.Und dann stelle man sich vor unsere Kinder in einer Klasse mit den Mini moslimischen Rebellen Schülern.
Wann endlich wird unsere Regierung begreifen das es so nicht nicht weiter gehen kann.Über kurz oder lang werden unsere Kinder in der Minderheit sein.

pehe99
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sehr gut beobachtet

sehr gut beschrieben, insbesonders die Weitergabe der Integrationsprobleme der Eltern an die nächste Generation und die ungewollte (oder politisch teils sogar beabsichtigte) Verstärkung durch Ausgrenzung, Desinformation und Geringschätzung. Kinder und Jugendliche lassen sich am ehesten durch eine starke Gemeinschaft, Ideale und Vorbilder beeinflussen, sind leicht zu begeistern und leider oft unkritisch bezüglich Inhalten und Konsequenzen...
"Wie die Alten sungen, so zwitschern die Jungen"
Wobei ich zugegeben auch wenig Idee habe, wie dieser Teuelskreis zu durchbrechen wäre, nur der momentane Weg kann Angesichts der Tatsachen auch nicht der richtige sein...

CuiBono
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Dank

an Frau Wiesinger und auch an die KlZ für diese beeindruckende Schilderungen.

DAS macht mehr als nachdenklich.

Als weltoffener Mensch mit jahrelangen Berufsalltagserfahrungen in verschiedenen moslemischen (und auch anderen) Ländern musste ich feststellen, das das, was ich vor etlichen Jahren erleben durfte, (leider) nicht mehr besteht. Nämlich eine offene und (auch) Toleranz übende muslimische Welt.

Es gab und gibt hier einen gigantischen Schwenk hin zum Radikalen, Rückwärtsgewandten.

Toleranz und Akzeptanz?
Ja - gegenüber Religion und "humanem" Islamismus".

NEIN - gegenüber radikalem, fundamentalistischem, rückwärts gewandtem Islamismus.
Und das mit aller Härte und Konsequenz.

Wer sich nicht integriert und seine Religion über unsere Verfassung stellt, ist unmittelbar auszuweisen. Einreiseverbot auf Lebenszeit.
Ohne Wenn & Aber.

Jegliches Abgehen von dieser Linie wird von den muslimischen Fundamentalisten als Schwäche und Bestätigung ihrer Ansichten gewertet.

bb65
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CuiBono

Gutes Posting!
Global gesehen macht mir die Ausgrenzung der Iran und die gleichzeitige freie Hand die Saudi Arabien gewährt wird Besorgnis erweckend.

Denn deren Wahhabismus ist für mich das Parade Beispiel für den Rückwärtsgang, alles kreide fressen des Kornprinzen zum Trotz.

Wenn ich deinen Lösungsvorschlag zu Ende denke, dann bist du für das Ausweisen von Österreichischen Staatsbürgern? Das wird wohl nicht gehen.

jaenner61
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ein danke an die kleine zeitung...

dass sie dieses thema so mutig auf das titelblatt stellt.
vielleicht werden die linken dadurch endlich einmal wach und begreifen, dass gerade dieses verleugnen dieser problematik die rechten und den zulauf zu den rechten nur noch stärkt.
integration heißt nicht aufgabe des eigenen glaubens, aber sehr wohl darf und muss verlangt werden, unsere werte und unsere art zu leben zu akzeptieren anstatt sie zu bekämpfen. für „flüchtlinge „ die das nicht akzeptieren, darf hier kein platz sein!

helmutmayr
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Mit einer Religion

die in alle Lebensbereiche hineinreicht, wird kein demokratischer Staat zu machen sein.
Es war schon schwer genug auch bei uns Kirche und Staat zu trennen.
Es gibt praktisch keinen Staat auf dieser Erde in welchem Islam und wirklich freie Demokratie florieren. Koran, Scharia und demokratische Freiheit im westlichen Sinne vertragen sich nicht wirklich.

GordonKelz
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TOLERANZ....TOLERANZ...

.....aber nur von einer Seite ,nämlich unserer ,kann zu keinem Ergebnis führen!
Gordon Kelz

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