Sexistischer TweetNach ÖVP-Ausschluss: Dönmez wird wilder Abgeordneter

Der vom ÖVP-Klub ausgeschlossene Efgani Dönmez hat am Montagnachmittag Sexismus in seinem heftig kritisierten Tweet bestritten.

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Efgani Dönmez © (c) APA/ROLAND SCHLAGER (ROLAND SCHLAGER)
 

Die ÖVP trennt sich von ihrem Nationalratsabgeordneten Efgani Dönmez. Der frühere grüne Politiker, der vor der vergangenen Nationalratswahl bei den Türkisen von Sebastian Kurz angeheuert hatte, wird wegen eines sexistischen Tweets gegen die deutsche SPD-Politikerin Sawsan Chebli aus dem Parlamentsklub geworfen, teilte die Partei mit. Parteiobmann und Kanzler Kurz sowie Klubchef August Wöginger erklärten in der Aussendung, dass "sexistische, beleidigende Entgleisungen nicht akzeptabel sind": "Dafür gibt es in der neuen ÖVP keinen Platz." Der neue Stil stehe für einen respektvollen Umgang miteinander und keine Beleidigungen, auch wenn jemand politisch andere Ansichten vertritt. "Daher wird Efgani Dönmez aus dem ÖVP-Parlamentsklub ausgeschlossen", so Kurz und Wöginger.

Zuvor hatten die ÖVP-Frauen den Rückzug des ÖVP-Politikers gefordert. Dönmez hatte am Wochenende einen sexistischen Tweet gegen Chebli verfasst und ihr im Zusammenhang mit ihrer Karriere sexuelle Gefälligkeiten unterstellt. "Das geht gar nicht, das ist eine Verachtung der Frauen", sagte ÖVP-Frauenchefin Dorothea Schittenhelm im Ö1-"Mittagsjournal". Sie  wünsche sich, dass Dönmez, der früher bei den Grünen war und im Vorjahr bei der ÖVP andockte, ohne Parteimitglied zu werden, für sich persönlich die entsprechende Entscheidung trifft. "Es wäre sehr anständig, wenn er von sich aus als Mandatar des Hohen Hauses die Konsequenzen zieht", so Schittenhelm.

Dönmez bestreitet Sexismus

Nach dem Ausschluss meldete sich auch Dönmez selbst zu Wort, der nach seinem Tweet auf Tauchstation ging. Er bestritt jeden Sexismus. "Mir ging es darum, aufzuzeigen, dass die SPD Islamisten den roten Teppich ausrollt und das nicht im Stehen, sondern auf den Knien. Mit Sexismus hatte dieser Tweet nichts zu tun", sagte Dönmez der Zeitung "Österreich". "Ich hatte nie die Absicht, eine sexistische Bemerkung zu machen", so Dönmez. Er müsse zur Kenntnis nehmen, "dass die Klubführung Leuten wie Florian Klenk auf den Leim geht", erklärte er weiters. Die Angelegenheit sei "bedauerlich", denn er habe im Parlamentsklub "nicht nur Kollegen, sondern auch Freunde", sagte Dönmez im "Kurier".

Er habe auch sofort reagiert, sich entschuldigt und den Tweet gelöscht: "Das wurde von den Medien und gewissen Linken bewusst aufgebauscht." Es sei schade, dass man wegen eines Halbsatzes auf Twitter auf die Titelseiten komme und nicht aufgrund der politischen Arbeit der letzten Monate: "Das sagt einiges über unser Land aus." Dönmez geht auch davon aus, dass die ÖVP von den Medien und aus Deutschland unter Druck gesetzt worden sei. "Es gibt ein Leben nach der ÖVP", stellte der nun wilde Abgeordnete fest. Er werde sein Mandat behalten und als freier Abgeordneter seine Arbeit fortsetzen. Damit wird er nach der ehemaligen Liste-Pilz-Abgeordneten Martha Bißmann der zweite "wilde" Abgeordnete.

Konferenz Ende der Woche

Die ÖVP-Frauen wollen bei einer Konferenz Ende der Woche über den Fall beraten. "Vom Grundsatz her ist es so, dass wir derartige Äußerungen komplett ablehnen. Wir kämpfen nicht für Frauen und Frauenselbstbewusstsein, für Frauenrechte, und auf der anderen Seite akzeptieren wir dann solche Aussagen."

Efgani Dönmez muss ÖVP-Klub nach sexistischem Tweet verlassen

Vor Schittenhelm hatte bereits die künftige ÖVP-Frauenchefin und Frauenministerin klargestellt, dass man nach Dönmez' Aussagen nicht einfach zur Tagesordnung übergehen kann. "Das ist eine massive Entgleisung und völlig inakzeptabel", so Juliane Bogner-Strauß zur APA. Mehr dazu lesen Sie hier.

Auch ÖVP-Ministerin Elisabeth Köstinger verurteilte in der Mittags-"Zeit im Bild" die Aussagen von Dönmez: "Sexismus darf - speziell auch in der Politik - keinen Platz haben." Kritik kam auch von den SPÖ-Frauen. Auch die deutsche Justizministerin Katharina Barley (SPD) legt Dönmez den Rücktritt nahe. "Die Äußerungen des ÖVP-Nationalratsabgeordneten gegenüber Sawsan Chebli sind widerlich und sexistisch", sagte Barley der "Süddeutschen Zeitung".

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Danke für Ihr Verständnis.

Lodengrün
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Wird er jetzt den wilden

Abgeordneten mimen? Der Verdienst dort ist ein Argument.

fersler
47
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ich

wage die Unterstellung mit Unschuldsvermutung. Wäre ein türkiser Abgeordneter mit Namen 'Berger' (frei erfunden) auch vom Klub ausgeschlossen worden?

merch
55
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Bei

allem Respekt gegenüber Frauen - der Herr Dönmez hat sich mit dieser Aussage eh schon selbst ordentlich angepatzt. Dass ihm jetzt noch eine Horde künstlich aufgebrachter Menschen, die wie die "Haftelmacher" auf solche Entgleisungen warten, Steine hinterher werfen, ist doch ein wenig übertrieben. Nach solchen Aussagen wird der eh nichts mehr in seiner Partei. Damit ist ihm mehr geschadet, als wenn er jetzt einfach gleich zurücktritt. Dann passiert nämlich nur eines: die Entgleisung ist morgen schon wieder vergessen...

carpe diem
9
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Haftlmacher

Der Herr Dönmez ist eine öffentliche Person, ein Politiker, ein Abgeordneter im Nationalrat. Da sollte der Gute wissen, was er twittern kann und was nicht. Was er denkt, sollte er auch in diesem Fall für sich behalten. Machosprüche sind sowas von gestrig!!!

merch
3
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Ausserdem

Fliegt er ja nur aus dem Övp Klub. Abgeordneter, wenn auch "wilder", bleibt er ja...

merch
9
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Hat

Sich die Betroffene schon zu Wort gemeldet, oder äußern sich da wieder nur Dritte?

Irgendeiner
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"Keine Reaktion von Kurz"

Ich erlaube mir höflich auf die basale Regel hinzuweisen,daß Journalisten Dinge berichten sollten, die einen Newswert haben, was Sätze wie "Wasser ist naß" "Der Himmel ist blau" und "Keine Reaktion von Kurz" eigentlich ausschließt.

anzughildbert
15
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Kriegst einen Daumen hoch ;)

Aber!

Doch doch, ich finde das gut, die Journalisten sollten von mir aus auch schon zahlen hinschreiben das wievielte Thema das es war wo der S-Basti nix dazugesagt hat.
Ganz am Ende dazu

"Schweigethema #4212"

UHBP
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ÖVP-Frauen fordern Rücktritt von Dönmez

Vielleicht wäre er bei der FPÖ eh besser aufgehoben.
Politisches Rückgrat scheint sowieso wenig vorhanden zu sein.
PS: Und über seine türkischen Wurzeln kann man im Einzelfall - wie bei der FPÖ üblich - hinwegsehen.

Reipsi
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Steht der Kurz

zur Diskussion oder haben sie sich beim Namen verschrieben ?

anzughildbert
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@KZ

Tauschstation war eher nicht gemeint ;)

...selbst ging seit seiner Entschuldigung via Twitter auf "Tauschstation"

cockpit
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naja

vielleicht tauscht er wieder die Farbe?

anzughildbert
4
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Touché

Vielleicht hat die ÖVP wirklich sowas, eine
Tauschstation vor einer Tauschaktion.
Also wo Politiker wirklich warten können bis der Shitstorm vorübergezogen ist und sich auf den nächsten Posten vorbereiten können.

anzughildbert
13
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Ein Jahr bei der ÖVP

kann anscheinend einen Grünen sehr sehr verändern....

Bei der Liste Kurz ist es noch schlimmer, da verlernt sogar der Chef die Fähigkeit zu reden....

harri156
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Waaaaaaas? Kurz sagt nichts?

Seit wann ist er so verschlossen? Ach, er will nur niemanden anpatzen....

49J81SN4XJG92WVU
5
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Hr. BK Kurz wird aber im obigen Beitrag zitiert in der Aussendung

Parteiobmann und Kanzler Kurz sowie Klubchef August Wöginger erklärten in der Aussendung, dass "sexistische, beleidigende Entgleisungen nicht akzeptabel sind": "Dafür gibt es in der neuen ÖVP keinen Platz."

harri156
0
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@frapa

Als ich das postete war der Ausschluss noch nicht publik! Und der Artikel der Kleinen lautete noch anders....

lieschenmueller
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@harr156 - Kurz sagt nichts?

Vielleicht täglich zu sich selber "Wenn ich das alles vorher gewusst hätte, hätte ich Euch nicht den Bundeskanzler gemacht"!

Planck
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Nein, tut er nicht.

Denn der HAT das vorher gewusst, und dem ist ALLES recht, wenn er nur Kanzler sein kann.

X22
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Kanzler ist ja nur ein Zwischenspiel, der will mehr, ich denke nur an seine vielen Auftritte in deutschen Fernseh Diskussionsrunden

Kurz will in die oberste EU-Etage

lieschenmueller
10
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@Planck

Die Befürchtung habe ich leider auch.

Kommentare 26-46 von 46