Bis zu 12 Stunden denkbarKoalition ermöglicht flexible Arbeitszeit

ÖVP und FPÖ erzielen Durchbruch bei Flexibilisierung der Arbeitszeit. Es bleibt bei acht Stunden Normalarbeitszeit, freiwillig kann man bis zu 12 Stunden arbeiten. Verlängertes Wochenende und 4-Tage-Woche möglich. Wir haben alle Details.

Kurz und Strache
Kurz und Strache © APA/ROBERT JAEGER
 

Die ÖVP-FPÖ-Koalition von Sebastian Kurz und Heinz-Christian Strache haben sich auf eine Arbeitszeitflexibilisierung geeinigt. Noch heute wird ein Initiativantrag dem zuständigen Ausschuss zugewiesen, vor dem Sommer soll das Gesetz beschlossen werden, am 1. Jänner 2019 soll die Regelung das Licht der Welt erblicken. Die Regierung hat sich nach eigenen Aussagen am Vorschlag der Sozialpartner vom Juni 2017 und an Christian Kerns Plan A orientiert.

Grünes Licht für Vier-Tages-Woche

Dass es sich um eine heikle Materie handelt, erkennt man an der Kommunikation: Es sind die beiden Klubobleute August Wöginger und Walter Rosenkranz, die das Projekt gestern formalisiert haben, nicht die beiden Parteichefs. Die Koalitionspartner sprechen in einer ersten Reaktion von einer "Anpassung an die modernen Lebensverhältnisse und Lebenswelten." Künftig sei "mehr Freiheit und Freizeit für Pendler und Familien", eine "bessere Vereinbarung von Familie und Beruf" möglich. "Wir schaffen so die Möglichkeit zu einem verlängerten Wochenende und einer Vier-Tages Woche." 

Ein spezieller Fokus wurde in den Gesprächen auf die gesetzliche Ermöglichung der 4-Tage-Woche gelegt. Aus Verhandlungskreisen war zu hören, dass die FPÖ drauf gedrängt habe, den Sozialpartner-Vorschlägen aus dem Vorjahr - eine endgültige Einigung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern scheiterte damals an Detailfragen - nur in abgemilderter und arbeitnehmerfreundlicherer Form zuzustimmen. 

Der 8-Stunden-Tag bleibt als gesetzliche Normalarbeitszeit bestehen.

Zu den Details

  • Der 8 Stunden-Tag als gesetzliche Normalarbeitszeit bleibt gesichert und unberührt, die 4-Tage Woche wird gesetzlich ermöglicht.

  • Darüber hinaus wird es künftig möglich sein, freiwillig länger - nämlich bis zu 12 Stunden pro Tag oder maximal 60 Stunden pro Woche - zu arbeiten.

  • Alle bestehenden Überstundenzuschläge und Regelungen bleiben gesichert, das heißt die Beibehaltung der gesetzlichen täglichen und wöchentlichen Normalarbeitszeit sowie kollektivvertragliche Regelungen der Normalarbeitszeit. Der 8 Stunden-Tag und die 40 Stunden-Woche sind die Regel.

  • Die geplante Anhebung der täglichen Höchstgrenze der Arbeitszeit auf 12 Stunden sowie der wöchentlichen Höchstgrenze der Arbeitszeit auf 60 Stunden wird eingeschränkt: Es gibt laut Unterlagen ein Ablehnungsrecht für die 11. und 12. Stunde bei überwiegenden persönlichen Interessen für jeden Arbeitnehmer (zB Kinderbetreuungspflichten).

  • Der Initiativantrag sieht eine Entkriminalisierung der täglichen Arbeitszeithöchstgrenze bei freiwilliger Gleitzeit auf 12 Stunden, fünfmal pro Woche bei gleichbleibendem Regelungsregime, vor.

  • Nicht übertragbare Gleitstunden werden am Ende der Gleitzeitperiode wie bisher mit Zuschlag (Zeit oder Geld je nach Vereinbarung) vergütet.

  • Ausnahmemöglichkeit von der Wochenend- und Feiertagsruhe sind maximal vier Mal im Jahr möglich (nicht an vier aufeinanderfolgenden Wochenenden, wie im Sozialpartner-Papier vorgesehen)

  • Mehrmalige Übertragungsmöglichkeit von Zeitguthaben und Zeitschulden in den jeweils nächsten Durchrechnungszeitraum sind zu  ermöglichen

Kommentare (56)

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X22
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Der Punkt hat es in sich, da müsste doch der Dümmste drauf kommen, dass ihm der Arbeitgeber in Zukunft vorschreiben kann, wann er wie lange zu Arbeiten hat und keine Rücksicht auf ein ausgewogenes Privatleben hat, außerdem was geht es dem Arbeitgeber an was ich in der 11 und 12 Stunde vorhabe, und über die 9 und 10 Stunde wird es gar keine Diskussionen mehr geben, so wie ich diese Zeilen verstehe bestimmt nur mehr der Arbeitgeber darüber.

Die geplante Anhebung der täglichen Höchstgrenze der Arbeitszeit auf 12 Stunden sowie der wöchentlichen Höchstgrenze der Arbeitszeit auf 60 Stunden wird eingeschränkt: Es gibt laut Unterlagen ein ""Ablehnungsrecht für die 11. und 12. Stunde bei überwiegenden persönlichen Interessen für jeden Arbeitnehmer"" (zB Kinderbetreuungspflichten).

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Schwupdiwup
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Hört, hört! Die Arbeitszeiten werden nun also „flexibel“

Etwa so flexibel wie Herr Strache mit seinen öffentlichen Aussagen?

Z.b. am 16.9.2013 in einem Interview im Kurier bezüglich 12 Stunden Arbeitstag: Zitat:„eine asoziale, leistungsfeindliche Idee, da dies für alle Arbeitnehmer Nettolohnverluste bedeuten würde“

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blackpanther
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Gratuliere

Ein Studienabbrecher, der unfähig war, sein von uns allen finanziertes Studium positiv abzuschliessen und ein Zahntechniker wollen uns vorschreiben, dass wir so lange arbeiten müssen, wie es unsere Arbeitgeber wollen - sehr weit haben wir es gebracht. Als Dank schliesst er wieder eine Balkanroute. Sind wir wirklich so naiv? Dann geschieht es uns recht, dass wir hackeln müssen, wie es den beiden und der Firma KTM gefällt.

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SoundofThunder
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Ach ja!Ich vergaß folgendes zu erwähnen:

Vor zwei Jahren war der 12h Tag für die FPÖ noch Asozial!! Wieder einmal Umgefallen! Die Blauen müssen die (Um)Fallsucht haben oder zumindest Schwierigkeiten mit dem Gleichgewichtssinn (für das Volk haben die kein Gehör mehr sonst gäbe es eine Volksabstimmung darüber!) haben. Und über ein Gewissen haben verfügen sie auch nicht.

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Gedankenspiele
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Gewerkschaftliche Antwort

Hoffentlich gibts darauf bald eine gewerkschaftliche Antwort und hoffentlich fangen sie mit einem Streik beim Pierer-Betrieb KTM an, der sich diesen 12-Stunden-Tag ja mit seiner Wahlkampfspende an die ÖVP gekauft hat. So einen 12-Stunden-Tag gibts heute ja schon um 480.000 Euro!

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Gedankenspiele
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Danke FPÖ!

Das hat Strache in der Vergangenheit doch ganz anders dem Volk erzählt. Jetzt wirds doch nichts mit dem freiwilligen 12-Stunden Tag. Dieser kann nur bei überwiegenden persönlichen Interessen (zB Kinderbetreuungspflichten) abgelehnt werden (siehe Punkt 4).
Das haben sich viele sicher anders vorgestellt.
Danke FPÖ!

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grboh
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Es ist eigentlich nicht

oder nicht nur der 12 -Stundentag das Problem.
Und ja, Betriebliche Notwendigkeiten sind auch zu beachten.
Aber in dem Papier steht z.B. nichts von der Durchrechnungszeit, nichts von einem (berechtigen) Anspruch darauf, als Arbeitnehmer über ein eventuelles Zeitguthaben selbst verfügen zu können, also dann wenn ichduersiees es brauchen oder wollen.
Bestimmt der Unternehmer nicht nur wann gearbeitet, sonder auch wenn Freuzeit konsumiert werden "darf"?
8 Stunden Normalarbeitszeit - ab der 11 + 12 Stunde kann , unter Angabe von Gründen (!) abgelehnt werden.
Und die 9 + 10 Stunde ?
und nachdem ich mir, als masochistischer Nachrichtenjunkie die Parlamentsdebatte bis zum eher bitteren Ende angesehen habe frage ich mich bei

Initiativantrag = verkürzte Begutachtung im Ausschuß
Zuweisung einem eher unüblichen Parlamentsausschuß (Wirtschaft statt Arbeit u. Soziales)
Präsidialer Streit um ebendiese mit einem Angebot; Arbeitsausschuß ja, aber (weitere Verkürzung der Begutachtung)
und dann eine Wortmeldung des Hr. Rosenkranz
...."dann gibts eben gar keine Begutachtung..."

dann aber schon, welche Ängste diese Regierung plagen, was sie fürchtet.
irgendetwas muß da sein, wenn man als "die beste Regierung aller Zeiten" alle bisherigen Usancen des parlamentarischen Findungsprozesses über Bord schmeißt

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SoundofThunder
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🤔

Über den Durchrechnungszeitraum wird Stillschweigen herrschen. Aber der Bundesobmann vom Ring Freiheitlicher Wirtschaft (RFW) Matthias Krenn hat schon einmal von 2 Jahren geredet.Ob es zwei,drei oder ein Jahr sein werden steht nicht fest,aber man kann davon ausgehen dass sie einen möglichst langen DRZ haben wollen um der Wirtschaft wertvolle Zeit zu geben um mit den erarbeiteten Überstunden solange jonglieren zu können bis nichts mehr übrig bleibt. Dann sind nicht nur die Überstundenzuschläge weg sondern auch die Überstunden.

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grboh
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Sound

das ist völlig richtig.
Eben das Begehren der IV - die Durchrechnungszeiträume und die Überstundenzuschlagsregelungen auf einen lange, mit 2-3 Jahren für jeden Arbeitnehmer nicht annehmbaren Zeitraum auszudehnen war ja der Grund, das ein Übereinkommen der Sozialpartner nicht zu Stande kam.
Zumal auch nur ein Abgelten der Mehrstunden in "Freizeit bei weniger Arbeitsanfall" - also OHNE Bezahlung im Raum stand.
Hier wurde angeblich "nachgebessert". Allerdings sollte nach wie vor heute gearbeitet werden, die Früchte der Mehrarbeit aber erst am Ende eines, nach wie vor nicht definiertem, mehr oder weniger weit in der Zukunft liegenden Zeitraumes erfolgen.
Win-win am ehschowissen

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grboh
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Sound

das ist völlig richtig.
Eben das Begehren der IV - die Durchrechnungszeiträume und die Überstundenzuschlagsregelungen auf einen lange, mit 2-3 Jahren für jeden Arbeitnehmer nicht annehmbaren Zeitraum auszudehnen war ja der Grund, das ein Übereinkommen der Sozialpartner nicht zu Stande kam.
Zumal auch nur ein Abgelten der Mehrstunden in "Freizeit bei weniger Arbeitsanfall" - also OHNE Bezahlung im Raum stand.
Hier wurde angeblich "nachgebessert". Allerdings sollte nach wie vor heute gearbeitet werden, die Früchte der Mehrarbeit aber erst am Ende eines, nach wie vor nicht definiertem, mehr oder weniger weit in der Zukunft liegenden Zeitraumes erfolgen.
Win-win am ehschowissen

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archiv
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Super wäre noch...


.. die Betriebsräte etc. ehestmöglich abzuschaffen.

Ich will selbst mit meinen Arbeitgeber für meine Rechte und meine Supergage verhandeln.

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Mein Graz
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@archiv

Und auch gleich alle Kollektivverträge, denn wer braucht denn so was?

Und wenn männliche Fachkraft dann die Hälfte mehr verdient als der Rest der weiblichen Fachkräfte, hat der Mann dann halt besser verhandelt!

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X22
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bei einer Probezeit von 5 Jahren und nur unbezahlten Urlaub

:)

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DocMike81
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Typisch Österreich

Am besten, erst mal alles schlecht machen (wir sind ja in Österreich), bevors überhaupt umgesetzt wurde. Abgesehen davon, es steht Jedem frei, selbst Unternehmer zu werden. Aber dafür müsste man ja dann die Verantwortung für seine Entscheidungen selbst tragen, das traut sich wieder niemand zu. Da ists einfacher, darüber zu raunzen, dass man nur arbeiten muss und nichts verdient, weil man nicht qualifiziert ist, weil man sich nicht weiterbilden will, weil da müsste man sich ja anstrengen und wo komma denn da hin?!

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Irgendeiner
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Ja,weißt Du Doc,auch andere

Primaten kennen das Handeln im Vorstellungsraum, wußte schon der alte Köhler in den 50ern und das heißt Du kannst sowohl Problemlösungen wie dabei auftretende Probleme antizipieren, in Deiner eigenen Vorstellung.Und das heißt, Du mußt nicht warten bis dir die Kokosnuß eine Schädelfraktur beschert, Du weißt das vorher und stellst Dich gar nicht erst drunter.Und deshalb kann man auch Dinge schlecht machen wie Du so parteiisch sagst weil man schon vorher sehen kann was die Konsequenzen sein werden,muß man nicht warten bis es über einem zusammenbricht.Antizipation, Doc, kann man wissen, naja, wenn man sich weiterbilden will.

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cockpit
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Zeigen Sie mir mal, wie Sie hoch konzentriert

12 Stunden am Tag arbeiten wollen, ohne Fehler zu machen; das gelingt Ihnen sicher nicht längere Zeit.

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Schwupdiwup
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Wenn Mitarbeiter länger arbeiten "dürfen", dann bedeutet das, dass man für das gleiche Arbeitspensum weniger Mitarbeiter benötigt.
Wird sich entsprechend auf die Arbeitslosenzahlen auswirken

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earlofcarinthia
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ich bitte dich

in den meisten Branchen musst froh sein dass du überhaupt Leute bekommst.

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earlofcarinthia
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Also arbeiten

Ist für viele von euch hier schon was schlimmes

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Schwupdiwup
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Nein, ist grundsätzlich nichts schlimmes.
60 Stunden in der Woche aber schon

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microfib
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60 Stunden in der Woche

Das war bei uns ganz normal, wohlgemerkt freiwillig!!! 280 bis 320 Stunden im Monat. Wenn man auswärts auf Montage ist, oder auf Baustellen arbeitet, möchte man Geld verdienen, und nicht in Gasthäusern herumlungern. Unsere Generation hatte halt zur Arbeit eine andere Einstellung. Heutzutage will jeder viel verdienen und immer weniger arbeiten. Überstunden wurden nicht angeordnet, sondern von uns gemacht!!

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Mein Graz
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@microfib

Genau da liegt der Unterschied.
- Freiwilligkeit. Wenn man sich das mal genauer anschaut, sieht man schon, dass es damit nicht so ernst gemeint ist, denn man muss schon fast einen Grund angeben, warum man NICHT 12 Stunden arbeitet.
- Man will Geld verdienen. Davon ist ja keine Rede, denn die Stunden müssen ja nicht ausbezahlt werden, die werden in (sicher vom Chef eingeteilten) Zeitausgleich vergolten.
- Angeordnete Überstunden. Heute kannst nicht einfach Überstunden machen, wenn es dir passt, sondern die werden angeordnet. Und dann ists nicht mehr freiwillig.

Ich habe selbst Kinder im Erwachsenenalter und kenne auch so viele junge Menschen. Sie WOLLEN arbeiten. Sie wollen sich NICHT ausbeuten lassen.
Und das ist gut so, denn man sollte doch arbeiten, um leben zu können, und nicht leben, um (nur) zu arbeiten!

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Mein Graz
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@earlofcarinthia

Du musst Unternehmer sein, nach dem, was du da im Forum so von dir gibst.

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earlofcarinthia
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@mein graz

wenn das Geschäft gut läuft dann muss mehr gearbeitet werden
was sollst den auch machen. wenn ich zaubern könnte würd ich es tun.
man muss natürlich den Mitarbeitern dann so gut es geht auch entgegen kommen wen sie den ZA konsumieren wollen.
Es ist ein geben und nehmen find ich

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Mein Graz
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@earlofcarinthia

"wenn das Geschäft gut läuft dann muss mehr gearbeitet werden". Wie wärs mit mehr Leute einstellen?

So wie die Änderung aussieht ist es eher ein Nehmen durch die AG und ein Geben durch die AN.
Die AN wissen diese Regierung natürlich zu schätzen - machen Kurz und Strache doch genau das, was ihnen zu Gute kommt.

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Balrog206
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@mein Graz

Ich bin’s auch , also Staatsfeind Nr 1 für euch oder !

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