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Nach Mord in WienHat Österreich ein Tschetschenen-Problem?

Der Mord an einer Siebenjährigen hat die Diskussion um angeblich gewaltbereite Tschetschenen im Land erneut befeuert. Woher kommt ihr schlechter Ruf?

WIEN-D�BLING: BLUMEN UND KERZEN NACH LEICHENFUND IN MISTK�BEL
© (c) APA/HANS PUNZ (HANS PUNZ)
 

Das Leben der sieben Jahre alten Hadish endete in einer Dusche. Ihr mutmaßlicher Mörder – ein 16-jähriger Nachbar – schnitt ihr dort die Kehle durch. Dass dieser aus Tschetschenien stammt, lässt nun eine Debatte aufkochen, die in Wien, aber auch im Rest Österreichs seit Jahren geführt wird. Sie dreht sich um die Frage: Warum ist diese Volksgruppe so gefährlich?

Immer wieder finden sich Tschetschenen in den Schlagzeilen, von Massenschlägereien, Bandenkriminalität und Messerstechereien ist dabei die Rede. Wie viele Landsmänner aber tatsächlich in Straftaten verwickelt sind, ist nicht eindeutig zu beantworten. Denn in der Kriminalstatistik werden Tschetschenen nicht eigens erfasst, sondern in die Kategorie „Russische Föderation“ gerechnet. Und diese belegte 2017 mit 3.334 Personen Platz neun in der Liste ausländischer Tatverdächtiger. In den Top drei finden sich Rumänien, Deutschland und Serbien.

Polizist: "Immer wieder Probleme"

Im Bereich Bandenkriminalität sind Tschetschenen laut Polizei deutlich aktiver, hier geht es häufig um Einbrüche, Diebstahl oder Schutzgelderpressung. In Deutschland wurde kürzlich sogar vor sich ausbreitenden Banden gewarnt. Und auch die Gruppe jener in Österreich lebenden Ausländer, die in den Syrien-Krieg ziehen, führen häufig Tschetschenen an. „Wir haben immer wieder Probleme mit dieser Volksgruppe“, bestätigt auch ein Wiener Polizist, der anonym bleiben will. „Das Problem ist weniger, dass sie ,Einheimische’ angreifen, sondern dass sie sich mit Afghanen oder Syrern Straßenschlachten liefern. Und das verängstigt natürlich auch alle anderen.“ Auch das „Lungern“ in Parks verunsichere die Anrainer.

Für Verunsicherung dürfte Usman auf den Straßen Wiens noch nie gesorgt haben. Der großgewachsene, schlanke junge Mann mit den leicht nach oben gezogenen Mundwinkeln erfüllt nicht das Klischee des martialischen Tschetschenen, doch die Vorurteile gegen seine Volksgruppe macht auch vor ihm nicht halt. „Wenn mich jemand fragt, woher ich komme, antworte ich: Russland“, erzählt er. „Denn sobald ich Tschetschenien sage, sehe ich im Gesicht meines Gegenübers, wie sich sein Bild von mir schlagartig ändert.“ Der 27-Jährige lebt seit 2003 in Wien, aus seiner Heimat musste er aus politischen Gründen fliehen. Heute arbeitet er bei einer Übersiedelungsfirma, Abends geht er in die Schule, um sich auf die Aufnahmeprüfung an der Medizin Uni vorzubereiten. Wenn seine Landsleute für Negativschlagzeilen sorgen, ärgert ihn das. „Das wirft ein schlechtes Licht auf uns alle.“ Er habe gehört, dass es sie gibt, die Banden, die jungen Männer, die Probleme machen. „Persönlich kenne ich aber nur Leute, die arbeiten oder studieren – und die haben für so etwas keine Zeit.“ Warum fällt vielen anderen die Integration so schwer? „Bei machen sitzt die Erinnerung an die zwei Kriege in der Heimat tief und sorgt vielleicht auch für Aggressionen.“ Auch er habe viel erlebt, in seinem Herkunftsland. „Aber ich versuche, das hinter mir zu lassen“, erzählt er.

Rund 30.000 Tschetschenen leben aktuell in Österreich, der Großteil von ihnen ist vor eben diesen Kriegen geflüchtet. Seit 2003 sinkt die Zahl der positiven Asylanträge. Die Community ist – ebenso wie die türkische – sehr gut vernetzt, hat aber einen eklatanten Nachteil: Sie ist es nur nach innen.

"Es gibt schlicht keine Belege"

Nach außen bleibt es still, wenn der Volksgruppe – wie in diesen Tagen – rauer Wind entgegen bläst. „Das liegt vor allem daran, dass die Community deutlich jünger ist als jene der Türken“, erklärt Maynat Kurbanova. „Sie hat sich erst Anfang der 2000er gebildet und muss sich noch organisieren.“ Kurbanova kommt ebenfalls aus Tschetschenien, sie war dort Kriegsreporterin und musste fliehen. Als sie vor sieben Jahren von Deutschland nach Österreich kam, sei sie überrascht gewesen, „wie schlecht das Image der Tschetschenen hier ist“. Natürlich gebe es „einige jugendliche Kleinkriminelle“ unter ihren Landsleuten, räumt sie ein. Sie habe mit vielen von ihnen gesprochen, „und jener noch so Coole unter ihnen will eigentlich nur eines: In der Gesellschaft akzeptiert werden und eine Perspektive haben“. Und dafür, dass das ganze Volk aggressiv oder brutal sei, „gibt es schlicht keinerlei Belege.“ Dass genau diese Behauptung mit dem Mord an der kleinen Hadish wieder im Raum steht, ärgert die Journalistin.

Was muss also passieren, damit das mit der Integration besser funktioniert? „Wenn ich dafür ein Rezept hätte, würde ich es verteilen“, sagt Kurbanova nachdenklich. Usman sieht die Sache pragmatisch: „Wir müssen uns einfach mehr bemühen. Also beide Seiten.“

Kommentare (19)

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bb65
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„Persönlich kenne ich aber nur Leute, die arbeiten oder studieren – und die haben für so etwas keine Zeit.“

Ein e gute Freundin von mir Arbeitet beim AMS, die kann ein Lied davon singen wie "arbeitswillig" die vor allem Herren aus dieser Teilrepublik sind.

Und das ihnen eine Frau vom AMS sagt das sie arbeiten sollen geht natürlich gar nicht, denn Frauen sind nix wert in deren Weltbild.

Ja, die 2 kriegen waren brutal geführt, aber von beiden Seiten. Und Mitarbeiter von Hilfsorganisationen wie Ärzte ohne Grenzen zu entführen war damals scheinbar Haupteinnahmequelle in der Gegend. Oder Pipelines an zu bohren. Ich hatte zur Zeit des 2. Tschetschenien Krieges in Moskau gewohnt, unglaublich was da berichtet wurde.

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AloisiaBassa
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Germanistik

haben sie aber nicht studiert?

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furki
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Nicht nur ein Tschetschenenproblem!

Die österreichische Gesellschaft und die Kultur werden den Bach hinunterschwimmen, mit allen Migranten, egal, woher sie kommen. Niemand wird sich entsprechend integrieren. Und das Aufzeigen von Einzelfällen soll uns nur den Blick auf die Wahrheit verdecken. Armes Österreich ade!!

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AloisiaBassa
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Sie haben offensichtlich zwei Probleme:

Differenzieren und Denken!

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Mein Graz
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@furki

Wieder einmal verbreitest du Unwahrheiten, die von rechts stehenden Parteien verkündet werden.

Wie @paulrandig unten schon schrieb: auch ich habe schon öfter die Frage nach den österreichischen Werten bzw. Kultur gestellt und kein einziges Mal eine befriedigende Antwort erhalten.

Und die österreichische Gesellschaft machen wohl ALLE Österreicher aus, auch die mit Migrationshintergrund wie etwa auch Strache, Gudenus & Co.

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furki
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@MeinGraz und @paulrandig

Aus den beiderseitigen statements muss ich annehmen, dass Sie beide keine "gestandenen" Österreicher sind, denn sonst würden Sie nicht fragen, was österreichische Kultur ist. Lesen Sie bitte Bücher über die österr. Geschichte der letzten Jahrhunderte,dann wüssten Sie, woher wir Österreicher kommen.Damit meine ich natürlich auch die Monarchie bzw. den ehemaligen Vielvölkerstaat. Wir wurden allesamt christlich getauft und erzogen, und der Anstand wurde uns (hoffentlich allen) mit der Wiege mitgegeben. Was sich heute abspielt, hat aber mit der historischen Situation gar nichts gemein, 99% der Migranten aber auch die türkischen Einheimischen sehen ihre Heimat da, woher sie kommen und werden sich in 100 Jahren nicht anpassen,geschweige denn, unsere Geschichte lernen. Vielleicht in dritter Generation,aber da sind "wir Österreicher" längst in der Minderheit und dürfen auch emigrieren.Ihre Ansichten stimmen mich traurig,schaufeln wir uns doch damit das eigene Grab.

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paulrandig
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furki

Im Gegenteil, ich HABE viel über österreichische Geschichte gelesen, über Völkerwanderungen, Slawen, Religionen, Massaker, kulturelle Anpassungen, Übernahme vieler Elemente aus anderen Kulturen, aber auch über Mechanismen, wie Kulturen untergehen oder blühen können.
Ich habe nichts spezifisch "Österreichisches" gefunden, was dem heutigen Verständnis vieler entspräche, die "althergebrachte Werte und Traditionen" hochhalten.

Ich wiederhole meine Frage:
Was ist durch und durch und undiskutabel "österreichisch"?

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paulrandig
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furki

Es überrascht mich immer wieder, wie oft mit "österreichischer Kultur" argumentiert wird, aber niemand kann mir konkrete Beispiele nennen, die nicht mit Zuwanderung und Weltoffenheit zu tun haben.

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wishmasterf
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Integrationsproblem

Vielleicht sollte die Frage auch lauten, ob wir ein Integrationsproblem haben. Immer mehr junge Menschen können sich mit Österreich nichtbidentifizieren weil sie überall auf Ablehnung stoßen aufgrund ihres Migrationshintergrunds. Solche Unsicherheiten fördern Aggressionen. Vielleicht ist es ja ein Österreicherproblem.

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SoundofThunder
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🤔

Ich finde es auch so. Den Österreicher muss man mir zeigen der wirklich Vorbehaltlos auf Ausländer zugehen kann. Dieses Verhalten merken die Ausländer und wenn man von der Gesellschaft ausgeschlossen wird muss man sich nicht wundern wenn die sich nicht integrieren.

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wjs13
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Wie üblich donnernder Unsinn

Ich bin mit einer Brasilianerin verheiratet. Diskrimierende Ablehnung ist uns nie untergekommen.
Bisher musste sie alle Deutschkurse teuer bezahlen. Jetzt ist sie in so einen Gratis-Asylantenkurs gerutscht. Die, für die der Kurs gedacht ist, glänzen zumeist durch Abwesenheit und wenn sie einmal da sind, sind sie geistig weggetreten.
Den wesentlichen Unterschied macht, neben fehlendem Interesse wohl die fremde Kultur. Wer, für den Freiheit essenziell ist, kann schon Verständnis für Leute aufbringen, die einer extrem repressiven Religion anhängen.
Ich hatte beruflich einige Zeit in Ländern verbracht, an denen der Sonntag auf den Freitag fällt. Bald habe ich sie, aus stichhaltigem Grund, von meiner persönlichen Landkarte gestrichen.

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bb65
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@Sound

Ich bin nicht deiner Meinung.

Links angehaucht zu sein ist ok, aber wir müssen schon der Realität ins Auge sehen können und zumindest eine Debatte führen können ohne gleich vorab die Schuld beim ausländerfeindlichen Österreicher zu suchen.

Ich bin selbst Auslandsösterreicher, hatte in Holland Russland und Florida gewohnt.

Nicht jeder ist dir freundlich gesinnt wenn du im Ausland wohnst, in Holland hatte ich oft mit Vorurteilen aus der Nazizeit zu tun (ich bin BJ 65, also nicht echt Tatverdächtig) .

Aber zwischen sich nicht integrieren und dem Nachbarkind die Kehle durch zu schneiden ist es ein breiter Weg.

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wjs13
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Hat Österreich ein Tschetschenen-Problem?

Ja, da bin ic h ziemlich sicher, belegen kann ich es aber nicht, denn das noch grössere ist das Statistikproblem.
Die Grundlagen und Parameter dieser Kriminalstatistiken dienen einzig und allein der Verschleierung.

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zyni
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Ja,

haben wir. Die Hemmschwelle zur Gewalt von diesen Leuten ist sehr nieder.

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altbayer
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Kulturelles Problem

"Kampfsport" hat in der kulturellen Geschichte der Tschetschenen einen sehr hohen Stellenwert. Dieser wird mit größerer Brutalität und niedrigerer Hemmschwelle als bei uns ausgeführt. Es gibt in Österreich "multikulturelle Kampfsportclubs", die aus diesem Grund keine Tschetschenen aufnehmen.
"Bin ich ein toller Kämpfer, dann zähle ich etwas in der Gesellschaft" - bei dieser Einstellung, die seit Generationen in den Köpfen herrscht, gehört bei den jungen Männern angesetzt.

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GordonKelz
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NICHT ÖSTERREICH....

...die Tschetschenen haben wohl ein ernstes Problem ,mit Wahrheit , Toleranz,
Dankbarkeit und Menschlichkeit !
Gordon Kelz

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SoundofThunder
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Top 3 der Tatverdächtigen Bevölkerungsgruppen?

Rumänien,Deutschland,Serbien? Ich würde lieber die Kriminalität der einzelnen Bevölkerungsgruppen in % auf ihre Gesamtzahl wissen. Nur ein Rechenbeispiel:Wenn von 170000 Deutschen 10% Kriminell wären reden wir von 17000 Kriminellen. Soviele Tschetschenen haben wir gar nicht da. Ich würde die Tschetschenen schon unter die ersten 3 einreihen,die sind fast täglich in den Schlagzeilen.

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paulrandig
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SoundofThunder

Stimmt, aber nur bedingt.
Sagen wir einmal, von den Deutschen sind 2% kriminell, von den Tschetschenen - meinetwegen übertrieben - 20%. Das gibt uns eine Richtlinie, wo Schwerpunkte zu setzen sind. Es bedeutet aber NICHT, dass man allen Tschetschenen automatisch das Mascherl "kriminell" gibt, denn damit hätte man zu 80% Unrecht.

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stadtkater
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Niemand sagt, dass ALLE

Personen aus bestimmten Herkunftsländern bestimmte Eigenschaften aufweisen. Aber bei manchen Herkunftsländern ist die KriminalitätsRATE signifikant höher als bei Österreichern.

Das lässt sich statistisch nachweisen, aber sogar das wird von manchen bestritten!

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