Sebastian Kurz Die politische Karriere in Bildern

Der ehemalige Kanzler und Ex-ÖVP-Chef im Porträt.

Sebastian Kurz zieht sich als Bundesparteiobmann und Klubobmann der ÖVP zurück - er wird heute vor die Presse treten und eine Stellungnahme abgeben. Erst Anfang Oktober war Kurz im Zusammenhang mit Ermittlungen der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft in der Inseratenaffäre als Bundeskanzler zurückgetreten. Mit dem heutigen Tag endet eine politische Ära in Österreich.

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Im Oktober begann der erste Schritt des Komplettrückzugs. Sebastian Kurz hatte am 9. Oktober dem Widerstand nachgegeben und sein Amt als Bundeskanzler zur Verfügung gestellt. 

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Begründet wird der Rückzug von Kurz am heutigen 2. Dezember mit der Geburt dessen Sohnes, der am vergangenen Samstag zur Welt kam. Als er sein Kind sah, "hat es klick gemacht", schreibt die "Krone".

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Insgesamt hat Kurz knapp über drei Jahre im Kanzleramt verbracht - etwas länger als der frühere SP-Kanzler Fred Sinowatz, aber deutlich kürzer als die ÖVP-Kanzler Wolfgang Schüssel (knapp sieben Jahre) und Josef Klaus (sechs Jahre).

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Zum ersten Mal abtreten musste Kurz, weil der Nationalrat die türkis-blaue Regierung nach der Ibiza-Affäre und dem Ende der türkis-blauen Regierung am 27. Mai 2019 abgewählt hatte. Damals übernahm ein von Brigitte Bierlein geführtes Expertenkabinett die Regierungsgeschäfte. Nach dem ÖVP-Wahlsieg und der Verhandlung einer Koalition mit den Grünen kehrte Kurz am 7. Jänner 2021 ins Kanzleramt zurück.

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Seine politische Laufbahn begann in Wien, auf die Bundesebene zog es Kurz früh. Bereits von 2011 bis 2013 war er Staatssekretär für Integration. Von 2013 bis 2017 war er Außenminister, ehe er 2017 erstmals ins Kanzleramt einzog.

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Kurz galt als das größte Eigen-PR-Talent der österreichischen Innenpolitik mindestens seit Karl-Heinz Grasser. Seine Popularität überragte die seiner Regierungskollegen, der Boulevard liebte ihn, international war er angesehen.

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Dass der gerade einmal 30-Jährige dereinst in diese Rolle des "Schwarzen Messias" kommen würde, war nicht vorgegeben.

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Als Chef der Wiener Jung-Schwarzen blamierte er sich mit seinem "Geil-o-mobil" kräftig, sein Einstieg als Integrationsstaatssekretär mit 24 Jahren war von viel Häme begleitet.

Doch diese Querschüsse sollten sich für Kurz als nützlich erweisen. Einerseits lernte er, der vor dem Regierungseintritt nur einige unauffällige Monate im Wiener Gemeinderat verbrachte, früh Vorsicht, andererseits war er von keinerlei positiven Erwartungen belastet.

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Clever gab er dem Thema Integration eine positive Deutung, vernetzte sich sowohl innerhalb der Partei als auch in der Zivilgesellschaft und wuchs erstaunlich schnell zum Hoffnungsträger in der ÖVP.

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Als ihn Michael Spindelegger 2013 zum Außenminister machte, wurde erneut Skepsis laut. Ein Jus-Student ohne Titel sollte die als hochnäsig verschriene Diplomatie lenken? Doch auch hier waren die Zweifel rasch beseitigt.

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Sein strategisches Meisterstück lieferte Kurz im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise, wo er von Anfang an nicht die "Refugee welcome"-Stimmung aufnahm sondern mahnend den Finger hob.

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Mit dem Drehen der öffentlichen Meinung kam Kurz' große Stunde. Lange ließ er sich als Schließmeister der Balkan-Route feiern. Den Kurs als Hardliner in der Flüchtlingspolitik hatte er perfektioniert, auch wenn er ab und an einmal überzog, etwa als er das umstrittene australische Flüchtlingsmodell als vorbildlich schilderte.

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Insgesamt ist Kurz ziemlich nach rechts gerückt. Er gehörte zur seltenen Spezies europäischer Mitte-Rechts-Politiker, die nicht auf Distanz zu Ungarns autoritärem Premier Victor Orban gingen, sondern diesen bei diversen Gelegenheiten sogar mit Lob bedachten.

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Besonders hingezogen fühlte sich Kurz zur wirtschaftsliberalen Politik der britischen Konservativen. Innenpolitisch hielt sich der Außenminister dagegen zurück, wenn es nicht gerade um die Flüchtlingspolitik geht, wo er für Themen wie Indexierung der Familienbeihilfe steht.

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Fehler passierten ihm selten. Kurz war stets konzentriert, fachlich vorbereitet, höflich bis freundlich, fiel nie aus der Rolle, war rhetorisch gewandt.

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Kurz stammt aus einer eher unpolitischen Familie, wuchs in Wien-Meidling auf und suchte schon in Teenager-Tagen den Kontakt zur ÖVP, auch wenn ihn jene in Meidling zunächst sogar aus Desinteresse wegschickte. Seine Lebensgefährtin wurde lange aus der Öffentlichkeit gehalten, ebenso allfällige Hobbys, Urlaube oder ähnliches.

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Kommentare (6)
one2go
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Und

das Blümel sollte ihm sofort nachfolgen, damit die Kleine Familie wieder beisammen sein kann!

petera
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Respekt!

Auch wenn es immer enger würde und er defakto nicht mehr als Kanzler zurück hätte kommen können.

Das Kind aufwachsen zu sehen, ist eh das Schönste.

imogdi
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Basti ist Geschichte,

ich bin zu Tränen gerührt, wie er sich schmeichlerisch und voll Eigenlob davonmacht -

meine Tränen sind die voller Freude - der größte Blender der NEUEN ÖVP - der TÜRKISEN FAMILIE freut sich schon auf neue Herausforderungen - aber zuerst wird er sich der Justiz stellen müssen! :-)))))

a4711
6
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“Aus tiefster demokratischer Überzeugung”,

ÖVP-Regierungsmitglieder bleiben nur mit Kurz
Unterzeichnet haben das Statement sämtliche ÖVP-Minister sowie der Staatssekretär.
Jetzt liebe Österreicher werden wir alle über das wahre „ Demokratie-Verständnis“ der der Türkisen Regierungsmitglieder wirklich Informiert.
Und vor allem was Ihre Unterschrift wert ist !!

3WH8UTWLBJGVVE7T
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Messias?

die ÖVP wird also als Partei de facto nicht mehr auf den Stimmzetteln aufscheinen.
Die ÖVP hat sich damit aufgelöst.

petera
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Ich hoffe Sie kommen als das zurück, was Sie mal waren

Christlich und sozial. Christlich könnte man mit Nächstenliebe ergänzen.