Michael Häupl war als interimistischer Parteichef die Zentralfigur des Übergangs von Werner Faymann zu Christian Kern im Bundeskanzleramt. Der Wiener Bürgermeister, der gewohnt ist, dass in der SPÖ geschieht, was er will, musste diesmal aber machtlos zusehen, wie die Achse von sieben Bundesländern Fakten schuf und einen anderen Kandidaten als den von ihm favorisierten Gerhard Zeiler auf den Schild hob.

Zu den Vorgänge rund um den Rücktritt Werner Faymanns stellte Häupl am Samstag in der ORF-Reihe "Im Journal zu Gast" klar, dass er von den - von Gerhard Zeiler angesprochenen - Ablöseplänen nichts gewusst habe. Er hätte diese "auch nicht geduldet", denn "für mich hat Loyalität einen Wert". Zeiler hatte berichtet, dass er mit Kern einen Deal über das Vorgehen zur Übernahme des Kanzler- und Parteichefamts hatte.

Lienzer Bürgermeisterin als Ministerin?

Wer unter dem neuen Kanzler und SPÖ-Chef Christian Kern - er wird am Dienstag angelobt - im Regierungsteam sitzen wird, war auch am Samstag noch nicht bekannt. In den Medien wurden neben Jörg Leichtfried auch der Rechtsanwalt Alfred Noll oder die Lienzer Bürgermeisterin und LAbg. Elisabeth Blanik genannt.

Blanik soll laut "Tiroler Tageszeitung" für das Infrastrukturministerium "hoch im Kurs" stehen. Die SPÖ-Bürgermeisterin wollte am Samstag nicht verraten, ob sie ein Angebot erhalten hat. Mit Kern habe sie nach dessen Designierung gesprochen: "Ich habe ihm gratuliert." Es sei eine "absolute Ehre, genannt zu werden", sagte Blanik der APA nur. Die 50-Jährige sprach allerdings auch von "Gerüchteküche" und dass sich die Frage nicht stelle, schließlich sei sie Ende Februar als Stadtoberhaupt wiedergewählt worden. Sie räumte ein, dass es sich um eine "spannende Aufgabe" handeln würde.

"Hofers Amtsverständnis ist erschreckend"

Aber auch Häupl wird bei der Neubesetzung der Ministerposten wohl noch ein gewichtiges Wort mitreden. Mit seinen Stadträten Andreas Mailath Pokorny und Sonja Wehsely sind zwei Namen aus seiner Regierung im Gespräch. Äußerst scharf rüffelte Häupl in diesem Zusammenhang  Aussagen Norbert Hofers (FPÖ) zu einem allfälligen Ministeramt für Wehsely: "Hofers Vorgehen ist an Niedertracht nicht zu überbieten", merkte er an. Angesichts der Regierungs-"Entlassungsfantasien" wirft Häupl Hofer vor, "unverblümt in Richtung Präsidialdikatatur zu marschieren".

"Das Amtsverständnis Hofers ist jeden Tag aufs Neue erschreckend", kommentiert Häupl in einer Aussendung die Anmerkung des FPÖ-Präsidentschaftskandidaten, er sei "nicht sicher", in wieweit Wehsely in den "Skandal rund um islamische Kindergärten" in Wien verwickelt sei - und würde sie, wäre er Präsident, vor einer Klärung nicht als Ministerin angeloben.

Häupl sieht darin "typische FPÖ-Politik, wenn zuerst Gerüchte in die Welt gesetzt werden, um diese danach politisch zu verwerten" - und dies praktiziere Hofer "selbst als Kandidat für das höchste Amt im Staate". Wehselys Arbeit als Soziallandesrätin sei "tadellos" - aber Hofer wolle sie "anpatzen", weil sie ihm "nicht opportun erscheint". "Dieser Mann kann nicht gewählt werden! Es drohen Machtmissbrauch und instabile bis chaotische Verhältnisse", unterstrich Häupl.