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Fast nur Brexit-Hardliner Johnsons "Gruselkabinett"

Der neue britische Premier umgibt sich mit Gleichgesinnten. Kaum zum neuen britischen Premierminister ernannt, baute er flugs das Kabinett radikal um. Jetzt haben in London endgültig die Brexit-Hardliner das politische Sagen. Die wichtigsten Minister im Überblick.

Überlebt: Vom Innen- zum Finanzminister

Nachdem Finanzminister Philip Hammond am Mittwoch zurückgetreten ist, folgt ihm der bisherige Innenminister Sajid Javid auf den Posten. Der 49-jährige EU-Skeptiker und Ex-Banker ist als Sohn pakistanischer Einwanderer der erste Finanzminister einer ethnischen Minderheit. Johnson hatte bereits angekündigt, mehr Frauen und Politiker ethnischer Minderheiten in sein Kabinett zu ernennen.

TOLGA AKMEN

Politisches Comeback

Die 47-jährige Priti Patel übernimmt von Javid das Amt der Innenministerin. Sie ist wohl eine der Umstrittensten im Kreise Johnsons. Denn zwei Jahren musste die Brexit-Hardlinerin als Entwicklungsministerin zurücktreten, da sie auf eigene Faust in Israel über den Nahostkonflikt verhandelte. Die Tochter indischstämmiger Eltern aus Uganda ist eine Gegnerin der gleichgeschlechtlichen Ehe und sprach sich für ein strengeres Asylsystem aus, außerdem befürwortete sie vor ein paar Jahren noch die Todesstrafe.

TOLGA AKMEN

Ein Boxer für die Außenpolitik.

Der bisherige Außenminister Jeremy Hunt war Johnson bei der Wahl zum Premierminister unterlegen, der Neue auf dem Posten heißt Dominic Raab. Der frühere Anwalt für internationales Recht und Boxer mit schwarzem Karategürtel wurde von Johnson auch zu seinem Stellvertreter ernannt. Der 45-Jährige war im November als Brexit-Minister zurückgetreten. Das von May mit der EU verhandelte Abkommen bezeichnete er damals als "schlecht für unsere Wirtschaft und unsere Demokratie".

ISABEL INFANTES

Die rechte Hand Johnsons

Der 51-jährige Ex-Bildungs, Justiz und Umweltminister Michael Gove gehört zu den leidenschaftlichsten Euroskeptikern und hat eine Sonderrolle im Kabinett inne: Er wurde von Johnson zum Kanzler des Herzogtums Lancaster ernannt und wird damit Medienberichten zufolge eine entscheidende Rolle in den Brexit-Verhandlungen spielen. Denn Johnson habe seinen ehemaligen Rivalen mit der Vorbereitung für einen möglichen EU-Austritt ohne Deal beauftragt. Als Kanzler hat er zwar ein Ministeramt ohne Geschäftsbereich, ist aber de facto die rechte Hand des Premierministers.

ISABEL INFANTES

Den Bruder angestellt.

Auch den kleinen Bruder hat Premierminister Johnson untergebracht: Jo Johnson ist nun Staatssekretär im Wirtschaftsministerium. Der 47-Jährige war schon unter David Cameron und Theresa May Minister und ist wie sein Bruder Brexit-Befürworter.

BEN STANSALL

Passt sich an und bleibt.

Amber Rudd behält ihr Amt als Arbeitsministerin. Nach einer Karriere im Finanzwesen und als Wirtschaftsjournalistin wurde Rudd 2010 ins Parlament gewählt. In der Regierung von Theresa May war sie zunächst Innenministerin, später Arbeitsministerin. Die 55-Jährige gilt eigentlich als EU-Anhängerin, näherte sich inzwischen aber den Brexit-Verfechtern an, weshalb Kritiker ihr Opportunismus vorwerfen.

TOLGA AKMEN

Vehement gegen das Abkommen

Der Leiter der extrem konservativen "European Research Group" ist zum Minister für Parlamentsangelegenheiten ernannt worden. Diese Position könnte entscheidend sein, wenn das Parlament bald versuchen dürfte, Johnsons Brexit-Kurs zu durchkreuzen. Drei Mal stimmte der sehr Erz-Brexiteer gegen das von Theresa May ausgehandelte Abkommen mit der EU. Der 50-Jährige und sechsfache Vater ist ein Abtreibungsgegner und lehnt die Homo-Ehe ab.

Jonathan Brady

Zurück für die Wirtschaft.

Die 56-jährige Andrea Leadsom übernimmt das Amt der Wirtschaftsministerin. Die überzeugte Brexit-Befürworterin unterlag im Rennen um den Tory-Vorsitz im Sommer 2016 ihrer Konkurrentin Theresa May. Aus Protest gegen Mays Brexit-Kurs schmiss Leadsom im Mai ihren Posten als Ministerin für Parlamentsangelegenheiten hin.

ISABEL INFANTES

Brexit-Minister bleibt.

Stephen Barclay bleibt Brexit-Minister. Das Amt des 47-jährigen Austrittsministers hatte er auch schon seit November 2018 unter Theresa May inne. "Es ist Zeit dem Land Energie zu verleihen, um mit 31. Oktober den Brexit zu vollziehen", schrieb der ehemalige Anwalt am Mittwoch ganz in Johnsons Linie auf Twitter. 

TOLGA AKMEN

Johnsons 33

Die britische Regierung steht also: 22 Minister sowie neun Staatssekretäre und Staatsminister, darunter insgesamt acht Frauen hat Boris Johnson um sich geschart. Die meisten sind aus dem rechten Flügel der konservativen Partei, Johnson wollte sichergehen, dass alle bereit seien, notfalls auch einen „No-Deal Brexit“ zu akzeptieren. 

AARON CHOWN
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