Seit den russischen Angriffen auf die Ukraine und den in der Folge verhängten Sanktionen gegen den Kreml und sein Umfeld steht er immer wieder im Mittelpunkt von Ermittlungen: Der steinreiche Milliardär und Putin-Vertraute Alischer Usmanow. Mehrfach wurden Villen, Autos und Schiffe, die mit ihm in Verbindung stehen, Ziel von Ermittlungen. Darunter auch eine der größten Privatjachten der Welt: die 156 Meter lange "Dilbar", die Usmanow im Herbst 2021 für Reparaturarbeiten nach Hamburg hatte bringen lassen.

Wie Recherchen deutscher Medien nun ergaben, stießen die Fahnder dort nun auf beeindruckende Kunstschätze, die sich offenbar lange Zeit an Bord der "Dilbar" befanden: 30 Bilder bedeutender Maler im Wert von geschätzt fünf Millionen Euro, so der Rechercheverbund. Auch ein Werk des berühmten französisch-russischen Expressionisten Marc Chagall sei Bestandteil der Sammlung.

In Holzkisten

Entdeckt wurden die Werke dem Bericht zufolge aber nicht bei der Durchsuchung der "Dilbar" Ende September. Stattdessen seien die Schätze bereits im September 2021 bei einer Hamburger Spedition eingelagert worden, als das Schiff zur Generalüberholung ins Trockendock kam. Anfang Oktober hätten Polizistinnen und Polizisten die Lagerräume der Spedition durchsucht – eigentlich nur, um Hinweise zu finden, wem die "Dilbar" gehört. Dabei seien sie auf zahlreiche Kunstwerke in Holzkisten gestoßen.

Bereits vor der Durchsuchung der "Dilbar" war Usmanows mutmaßliches Anwesen am Tegernsee durchsucht worden. Auch dort wurden mehrere Kunstwerke gefunden, unter anderem Fabergé-Eier. Allerdings soll der Oligarch laut NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" mittlerweile mitgeteilt haben, dass es sich bei diesen um Repliken handelt.

Im Zuge des von der deutschen Regierung erlassenen Sanktionsdurchsetzungsgesetzes hätte Usmanow seine Vermögen in Deutschland offenlegen müssen. Usmanow streitet ab, dass das Schiff zu seinem Besitz gehört. Ein Muster, das sich laut "Süddeutscher Zeitung" wiederholt: Die Bilder, die Jacht und auch Villen am Tegernsee gehörten Stiftungen, an denen Usmanow nicht beteiligt ist. Doch: Die Gemälde wurden vor Beginn der Bauarbeiten professionell von Bord gebracht und eingelagert. Die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, dass ein Hamburger Kunstberater die Organisation und Durchführung geplant habe. Dieser kooperiere nun mit den Behörden und habe, so heißt es, "umfangreiche Unterlagen und 'sachdienliche Hinweise' übergeben". Für Usmanow könnte es teuer werden – er hätte im Rahmen des "Sanktionsdurchsetzungsgesetzes" sämtliche Vermögenswerte in Deutschland melden müssen – auch alle Kunstwerke.