Auch wenn die Eiszeit zwischen Russland und den USA noch so groß ist, in einem Punkt sind sich die beiden Großmächte schon lange vor dem Kalten Krieg so ähnlich wie zankende Zwillinge: nämlich im Eishockey. Beide Nationen gelten als Nationen der Schlittschuhe, Schläger und Puck-Jäger. Alexander Ovechkin, einer der besten Eishockeyspieler der Welt, ist Russe und spielt in den USA.

Wehrdienst im Eis

Nach Amerika, nämlich zu den Philadelphia Flyers, wollte auch Iwan Fedotow in dieser Saison wechseln. Das kann der 25-Jährige nun nicht mehr. Am vergangenen Freitag wurde der Nationaltorhüter in St. Petersburg nach dem Training in einem Kleinlaster verschleppt. Kurze Zeit später tauchten Fotos des Vermissten auf. Sie zeigen Fedotow im 1500 Kilometer entfernten Sewerodwinsk, einer einstigen Gulag-Siedlung. Dorthin wurden bereits Mitstreiter des russischen Oppositionspolitikers Alexei Nawalny verfrachtet. Nach letzten Berichten befindet sich der Goalie mittlerweile auf einer Militärbasis auf der Arktisinsel Nowaja Semlja. Die Polarinsel ist auch als ehemaliges sowjetisches Atombombentestgelände bekannt.

Warum? Ihm wird vorgeworfen, den Wehrdienst verweigert zu haben. Dieser gilt bis 27 und kann bei Versäumnis bis zu drei Jahre Freiheitsstrafe bedeuten. An Fedotow, der in Finnland aufwuchs und dort seine Bildung genoss, will der Kreml nun ein Exempel statuieren. Das Motto: einmal Russe, immer Russe. Ein Leben als Goalie mit schusssicheren Protektoren und Helm am Eis? Wir zeigen dir, was richtige Eiseskälte ist! Du zeigst deinem Land als junger, kampffähiger Mann während des Krieges die kalte Schulter? Wir schicken dich ins ewige Eis.

Rechtlich ist er als ZSKA-Spieler Soldat

Rein formal gesehen, ist der Fall Fedotow mehr als außergewöhnlich. Denn der Tormann war zuletzt beim Klub „ZSKA Moskau“ unter Vertrag. 1946 wurde der Verein als „Sportnebenstelle“ der Roten Armee gegründet. Was so mancher Russe vergessen hat: Bis heute sind die Spieler des Militärvereins rechtlich gesehen Soldaten. Der Anwalt des Sportlers will nun Berufung einlegen.