Bei der Parlamentswahl im Libanon hat die mit dem Iran verbündete Hisbollah einen Rückschlag erlitten. Zwar konnte die schiitische Organisation und ihr Partner, die ebenfalls schiitische Amal, ihre führenden Positionen wohl behaupten, ersten Ergebnissen vom Montag zufolge verloren aber einige langjährige Verbündete ihre Sitze an parteilose Reformpolitiker. Zugleich verzeichnete die mit dem iranischen Erzrivalen Saudi-Arabien verbündete Partei der Libanesischen Kräfte Gewinne.

Die Partei der libanesischen Kräfte könnte die mit der Hisbollah verbündete Freie Patriotische Bewegung (FPM) von Präsident Michel Aoun als größte christliche Partei im Parlament überflügeln. Inwieweit die Mehrheit der Hisbollah-Koalition hielt, war noch unklar. Experten befürchten nun eine noch größere Zersplitterung und eine Pattsituation im Parlament, in der sich die beiden großen rivalisierenden Lager blockieren könnten. Zudem dürfe künftig das sunnitische Saudi-Arabien größeren Einfluss im Libanon haben, nachdem bei der vorherigen Wahl 2018 noch der schiitische Iran seinen Einfluss ausbauen konnte.

Wut auf Regierungsparteien

2018 konnte sich die Hisbollah, deren schwer bewaffnete Miliz von der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft wird, zusammen mit ihren Verbündeten 71 der 128 Parlamentssitze sichern. Seitdem ist das Land in eine schwere Wirtschaftskrise gerutscht, viele verarmte Libanesen treibt eine große Wut auf die Regierungsparteien an. Ob die Mehrheit der Hisbollah-Koalition hielt, war zunächst noch unklar. Doch große Veränderungen werden in dem streng nach Proporz organisierten Regierungssystem nicht erwartet. Von den rund sieben Millionen Libanesen sind schätzungsweise je knapp 30 Prozent schiitische und sunnitische Muslime, rund 40 Prozent sind Christen.