Jede Zeit kennt ihr Ängste, die konkreten und die diffusen. Suchte man gerade im ersten Jahr der globalen Pandemie noch drei- und vierlagige Sicherheit und bunkerte Toilettenpapier, als wäre dieses erst zum übernächsten Monatsersten wieder verfügbar, haben wir nun andere Szenarien: Der wie aus einem vergangenen Jahrhundert in unser Jetzt gefallen wirkende Überfall von Putins Truppen auf die Ukraine rüttelt auch am Gemütskostüm der Österreicher.

Auf dem Online-Marktplatz "Willhaben" werden massiv Technik und Waren nachgefragt, die helfen sollen, etwaige Ausfälle von Strom, Gas oder Öl einfacher durchstehen zu können. Der Wunsch nach – wenigstens vorübergehender – Selbstversorgung ist im ersten Quartal 2022 deutlich. Entsprechende Gerätschaft wird häufiger nachgefragt als noch vor einem Jahr: Photovoltaik-Anlagen, Benzinkanister, Holzkessel, Brennholz, Notstromaggregate, Heizöltanks, Windräder oder Stromspeicher sind die ganz "heißen" Suchbegriffe dieser Tage.

Klug mitgedacht oder arg übertrieben? Psychologisch scheint es nachvollziehbar: Schon Freud wusste, dass Angst Menschen elementar lenken kann. Das Gefühl, das Leben nicht mehr in wohlgeordneten Bahnen zu wissen, nagt zusehends. Am Ende liegt es an der Politik, für weitsichtige Versorgungssicherheit zu sorgen: Dass diese die Energiewende über Jahrzehnte verschlief, lässt unseren Vertrauensspeicher zwar gewiss nicht schneller voll werden.

Angst darf unsere Zuversicht trotzdem nicht ganz ausknocken.