Die EU muss nach dem Machtwechsel in Afghanistan die Gesprächskanäle zu den radikalislamistischen Taliban offen halten. Dieser Ansicht ist der Politologe Gerhard Mangott von der Universität Innsbruck. Im Gespräch mit der ORF-ZiB 2 sagte Mangott am Mittwochabend: "Man kann die Taliban nicht ignorieren." Auch die Großmächte Russland und China würden nach dem Abzug der US- und NATO-Truppen und dem Durchmarsch der Taliban den Kontakt mit den militanten Islamisten suchen.

Russland mache dies auch, um einer "Destabilisierung Zentralasiens" vorzubeugen. Moskau habe schon vor längerer Zeit das Vertrauen verloren, dass sich die westlichen Kräfte in Afghanistan durchsetzen könnten. Da die Taliban früher etwa tschetschenische Kämpfer ausbildeten, sei neben dem Aufbau einer militärischen Drohkulisse auch das Gespräch mit den radikalen Islamisten gesucht worden.

Ähnliche Beweggründe würden Peking antreiben, Kontakt mit den Taliban zu suchen. So solle verhindert werden, dass diese die muslimische Minderheit der Uiguren in China unterstützen, meinte der Politologe. Dazu gebe es wirtschaftliche Interessen, etwa an Rohstoffen wie Gold und Lithium. "Daher sucht man gute Gespräche."