Die Weltgesundheitsorganisation WHO fordert von China Zugang zu den Rohdaten zu den ersten Corona-Fällen sowie Zugang zu den Laboren. Diese Informationen seien von „entscheidender Bedeutung“ für die weiteren Untersuchungen zum Ursprung der Pandemie, erklärte die WHO, nun an China gerichtet.

"Wahrscheinliche Hypothese"

Auch die Theorie eines Laborunfalls müsse endlich untersucht werden dürfen. Denn für den Chefermittler der WHO, den dänischen Wissenschaftler Peter Ben Embarek, zählt die Labor-Theorie in der Zwischenzeit sogar zu den „wahrscheinlichen Hypothesen“, wie er im dänischen Fernsehen erklärte. Er halte es für möglich, dass ein Labormitarbeiter sich bei der Probenentnahme infiziert habe und das Virus so von Fledermäusen auf den Menschen übertragen worden sei.

In dem Institut für Virologie im chinesischen Wuhan, in dem an Coronaviren geforscht wird, könnte es einen Unfall gegeben haben. Der dänische Forscher betonte allerdings auch, dass sein 13-köpfiges Untersuchungsteam der Weltgesundheitsorganisation keine echten Beweise für die These gefunden habe. Doch es gebe Indizien: So sei etwa eines der Labore Anfang Dezember 2019 umgezogen, ganz in die Nähe des Wildtiermarktes in Wuhan, der in den ersten Dezemberwochen Epizentrum der Ausbreitung des Coronavirus war.

So ein Umzug sei immer herausfordernd, da Viren- und Probensammlungen transportiert werden müssten, erklärte der WHO Chefermittler. Es sei daher unbedingt nötig, noch mehr über die Geschehnisse in jenen Wochen in Erfahrung zu bringen. Doch das Forscher-Team beiße in China auf Granit. Vonseiten Chinas sei viel Druck auf die WHO-Gruppe ausgeübt worden.  „Die Politik war bei uns immer auf der anderen Seite des Tisches im Raum“, hatte der WHO-Chefermittler bereits im Februar im „Science Magazine“ beklagt.

China blockt ab

So verweigerte China der Weltgesundheitsorganisation bisher auch jede Laborinspektion. Das könne China schlicht nicht akzeptieren, sagte Zeng Yixin, Vizeminister von Chinas Nationaler Gesundheitskommission Ende Juli. Die Hypothese des Laborunfalls zeuge von einer „arroganten Haltung gegenüber der Wissenschaft“, erklärte Zeng Yixin.

WHO-Chefermittler Peter Ben Embarek
© AFP

Die Hypothese von einem Laborunfall in Wuhan, bei dem das Coronavirus im Herbst 2019 entwichen sein könnte, war schon heuer im Mai wieder aufgetaucht. Das „Wall Street Journal“ berichtete damals über ein vertrauliches Papier noch aus der Ära der Trump-Regierung, das der Zeitung zugespielt wurde, demzufolge drei Forscher des Wuhaner Instituts im November 2019, also noch vor der Diagnose der ersten bekannten Coronafälle, ein Krankenhaus mit coronatypischen Symptomen aufgesucht hätten.

Auch US-Präsident Joe Biden hat seine Geheimdienste auf die Suche nach dem Ursprung des Coronavirus angesetzt. Noch in diesem Monat wird erwartet, dass CIA und Co. eine Überprüfung der Beweise über die Ursprünge des Coronavirus abschließen.

Indizien

Die Labortheorie findet sich längst schon nicht mehr nur im Eck der Verschwörungstheorien, immer mehr Indizien sprechen für weitere Untersuchungen: Das Wuhan-Institut beherbergt die größte Virusbank in Asien, in der mehr als 1500 Virenstämme aufbewahrt werden. Das zugehörige Hochsicherheitslabor ist das Erste des Kontinents, das für den Umgang mit Krankheitserregern der Klasse 4 wie Ebola ausgerüstet ist.
Das Labor in Wuhan verfügt außerdem über die weltweit größte Sammlung von Viren, die in Fledermäusen gefunden wurden.