Istanbul-KonventionFrauen-Proteste in der Türkei: "Wir gehorchen nicht!"

Tausende Menschen in der Türkei haben gegen den Austritt des Landes aus der Istanbul-Konvention zum Schutz von Frauen protestiert.

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© APA/AFP
 

Bei der Demo im Zentrum der Millionenmetropole Istanbul setzte die Polizei am Donnerstagabend Tränengas gegen die Teilnehmenden ein und versuchte so, die Menge aufzulösen. Auf Plakaten waren Parolen zu lesen wie: "Wir geben die Istanbul-Konvention nicht auf". Und in Sprechchören skandierten die Protestierenden unter anderem: "Wir schweigen nicht, wir fürchten uns nicht, wir gehorchen nicht."

Die Polizei war mit etlichen Kräften im Einsatz, viele Straßen wurden abgeriegelt, die Beamten versuchten immer wieder, den Demonstrationszug zu stoppen.

Auch in der Küstenmetropole Izmir, der Hauptstadt Ankara und anderen türkischen Städten gab es Proteste. Die Demonstrationen fanden unter massivem Polizeiaufgebot statt. Präsident Recep Tayyip Erdogan verteidigte unterdessen den umstrittenen Schritt.

Erdogan hatte im März per Dekret den Austritt aus der Konvention verkündet, der mit dem 1. Juli vollzogen wurde. Als Grund gab die türkische Führung an, das Abkommen sei von Menschen vereinnahmt worden, "die versuchten, Homosexualität zu normalisieren". Eine Klage gegen das Dekret hatte das Oberste Verwaltungsgericht zurückgewiesen.

Die Entscheidung wurde scharf kritisiert. Die Generalsekretärin von Amnesty International, Agnès Callamard, sagte: "Die Türkei hat die Uhr für Frauenrechte um zehn Jahre zurückgestellt und einen erschreckenden Präzedenzfall geschaffen." Die Chefin der Föderation der Frauenverbände, Canan Güllü, sagte der dpa, Opfer von Gewalt in der Türkei hätten durch den Austritt aus der Konvention Angst und fragten sich, "wer sie schützen wird".

Präsident Erdogan dagegen kritisierte in Ankara, dass manche "Kreise" versuchten, den Rückzug aus der Konvention als "Rückschritt" darzustellen. Er versicherte: "Unser Kampf gegen Gewalt an Frauen hat nicht mit der Istanbul-Konvention angefangen und endet auch nicht mit dem Rückzug aus dieser Konvention." Erdogan erklärte, die Türkei habe ohnehin schon ein effektives Gesetz gegen Gewalt, ohne Unterschiede etwa in Religion, Geschlecht oder "Rasse" zu machen. Diskriminierung wegen sexueller Orientierung ließ der Präsident aber in dieser Aufzählung aus.

Die Istanbul-Konvention war 2011 vom Europarat ausgearbeitet worden. Die Unterzeichnerstaaten verpflichten sich, Gewalt gegen Frauen zu verhindern und zu bekämpfen und dazu einen Rechtsrahmen zu schaffen. Ziel ist eine "echte Gleichstellung von Frauen und Männern", und Diskriminierung abzuschaffen. Erdogan selbst hatte die Konvention in Istanbul - dem Ort der finalen Einigung - unterschrieben, damals noch als Ministerpräsident. Später wurde sie in der Türkei ratifiziert.

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Danke für Ihr Verständnis.

Sam125
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Bitte wie schlimm kann es jetzt noch für die Frauen in der Türkei kommen! In

Rußland dürfen die Frauen und Kinder per gesetzlichen Erlaß von Putin wieder gezüchtet werden! Bei den Chinesen werden nach wie vor weibliche Föten abgetrieben und die radikalen Islamisten machen aus den Frauen und Mädchen gleich ihre Leibeigenen Sklavinnen! Was jetzt in der Türkei geschieht ist nur der Anfang vom Untergang der Türkei,denn schaut euch einmal das weltweite Geschehen der Islamisierung des radikalen Islams an!Überall auf der Welt außer in den reichen Erdölländern geht es den Menschen seit der Unterdrückung der Frauen sehr schlecht und es ist kein Ende in Sicht!

Hildegard11
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Wo bleiben unsere Frauenrechtlerinnen?

Ein Aufruf zum totalen Urlaubsboykott ganz Europas wäre wohl das Mindeste.

Shiba1
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Die

beschäftigen sich hier mit Gendersternchen und solchem Zeug.
Keine Zeit für Boykottaufrufe....

dieRealität2020
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Die Generalsekretärin von Amnesty International, Agnès Callamard, sagte: "Die Türkei hat die Uhr für Frauenrechte um zehn Jahre zurückgestellt und einen erschreckenden Präzedenzfall geschaffen."

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Wo lebt diese Frau? Und wo hat sie bis jetzt gelebt? Anscheinend dürfte sie die gesellschaftspolitischen Verhältnisse der Frauen nicht im geringsten in der Türkei noch der Frauen die sich in Europa befinden kennen.
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10 Jahre? Mitnichten bei näherer Betrachtung kann man sehen, dass es größtenteils 100 Jahre in die Zeit noch vor Atatürk sind.

jg4186
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"Wir schweigen nicht, wir fürchten uns nicht, wir gehorchen nicht."

Kompliment an die Frauen in der Türkei!
Zu lange haben sie geschwiegen, sich gefürchtet, haben ihren Männern gehorcht. Auch oft unter Gewalt(-androhung).
Gerade die Frauen hätten so viel an "Macht", etwas für Frauenrechte zu tun. Man kann ihnen nur weiterhin ein offenes Wort, Mut und Selbstwertgefühl wünschen - wie allen anderen Frauen der Welt auch. Gerade in islamischen Ländern ist da noch sehr viel zu tun.

servus
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Wir gehorchen nicht...

Die Frauenmorde in der Türkei werden sich häufen...

duesenwerni
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Damit beweist die Türkei eindrucksvoll, wie die Rolle der

Frau im Islam durch den Koran definiert ist. In Sure 4, Vers 38 (Der Koran, Reclam Verlag, Übersetzung von Max Henning) heißt es:

"Die Männer sind den Weibern überlegen wegen dessen, was Allah den einen vor den anderen gegeben hat, und weil sie von ihrem Geld für die Weiber auslegen. Die rechtschaffenen Frauen sind gehorsam und sorgsam in der Abwesenheit (ihrer Gatten), wie Allah für sie sorgte. Diejenigen aber, für deren Widerspenstigkeit ihr fürchtet, - warnet sie, verbannt sie in die Schlafgemächer und schlagt sie. Und so sie gekrochen kommen, suchet einen Weg wider sie, Allah ist hoch und groß."

Da das Züchtigungsrecht der muslimischen Männer dem Abkommen zum Schutz der Frauen zuwider läuft, war der Austritt der sich vom Laizismus immer mehr entfernenden Türkei nur der logische Schritt.

Bluebiru
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Ein paar Zitate katholischer Kirchenlehrer zu den Frauen

"Das Weib ist ein minderwertiges Wesen, das von Gott nicht nach seinem Ebenbilde geschaffen wurde. Es entspricht der natürlichen Ordnung, daß die Frauen den Männern dienen."
Kirchenvater Augustinus

"Ein männlicher Fötus wird nach 40 Tagen, ein weiblicher nach 80 Tagen ein Mensch. Mädchen entstehen durch schadhaften Samen oder feuchte Winde."
Thomas von Aquin

"Das Weib verhält sich zum Manne wie das Unvollkommene und Defekte zum Vollkommenen."
Thomas von Aquin, Kirchenlehrer

"Wenn du eine Frau siehst, denke, es sei der Teufel! Sie ist eine Art Hölle!"
Papst Pius II. (1458-1464

"Die Weiber sind hauptsächlich dazu bestimmt, die Geilheit der Männer zu befriedigen."
Johannes Chrysostomos, Kirchenlehrer

"Wenn sich die Frau ihrem Mann, der ihr Haupt ist, nicht unterwirft, ist sie desselben Verbrechens schuldig wie ein Mann, der sich Christus nicht unterwirft."
Kirchenvater Hieronymus

"Die Weiber sollen in der Gemeinde schweigen, denn es kann ihnen nicht gestattet werden zu reden, sondern sie haben sich unterzuordnen..."
Apostel Paulus (1. Korinther 14,34)

Und da gäbe es noch viele, viele mehr.

pescador
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Wir brauchen weder die eine, noch die andere Religion, die uns den Wert oder Unwert von Mann und Frau aufschwatzen will. Wir brauchen keine Religion, die uns das Denken abnimmt.

duesenwerni
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Zwei kleine, aber feine Unterschiede:

Die Ihren Zitaten entsprechende Anschauung wird in aufgeklärten westlichen Demokratien nicht mehr so gelebt und vom Staat weder unterstützt noch eingefordert.
Und Österreich hat die Konvention zum Schutz der Rechte der Frauen schon 1980 unterfertigt und 1982 ratifiziert und ist nicht aus ihr ausgetreten.

Mein Graz
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@duesenwerni

Bitte nicht vergessen: die christlichen Kirchen sind 500 Jahre älter.
Ich hoffe allerdings, dass es keine 500 Jahre dauert, bis sich der Islam ähnlich weiter entwickelt hat.