"Gesetze allein können die Frauen nicht schützen", davon ist Natalia Kanem überzeugt. "Wir müssen das Problem an der Wurzel anpacken, die Gemeinden besser dabei unterstützen zu erkennen, welchen Preis die Mädchen bezahlen und welchen Vorteil die Gesellschaft davon hat", wenn Frauen geschützt würden. Seit 2017 ist Natalia Kanem, geboren in Panama, die Direktorin des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) ‒ und damit eine der ranghöchsten Frauen bei der UNO.

Vielen Millionen Frauen weltweit wird die freie Entscheidung über ihren eigenen Körper verwehrt. Mehr als die Hälfte aller Frauen in 57 untersuchten ärmeren Ländern dürfen beispielsweise nicht selbstständig entscheiden, mit wem sie Sex haben oder ob sie Verhütungsmittel benutzen wollen, hieß es in dem am Mittwoch veröffentlichten Weltbevölkerungsberichts.

"Hunderte Millionen Frauen und Mädchen sind nicht die Besitzerinnen ihrer eigenen Körper. Ihre Leben werden von anderen Menschen beherrscht", sagte Kanem bei der Präsentation. Die Menschenrechts-Expertin forderte die internationale Gemeinschaft zu mehr Engagement für die Gleichberechtigung der Geschlechter auf. Der Weltbevölkerungsbericht wird seit 1978 jährlich von der UNFPA veröffentlicht.

Die 65-Jährige, die in New York lebt und einen erwachsenen Sohn hat, kann mit mehr als drei Jahrzehnten strategischer Führungs- und Managementerfahrung in den Bereichen Medizin, öffentliche Gesundheit, internationaler Frieden und Entwicklung, Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit aufwarten. In diese Positionen brachte sie ihre Expertise in der direkten Programmumsetzung und im Aufbau starker lokaler, nationaler und internationaler Allianzen.

Kanem studierte an der Johns-Hopkins-Universität und Columbia University Schools of Medicine and Public Health. Sie hat einen Bachelor of Arts in Geschichte und Naturwissenschaften von der Harvard University; einen Doktor der Medizin von der Columbia University; eine Zertifizierung in Tropenmedizin vom Walter Reed Army Institute of Research; und einen Master of Public Health in Epidemiologie von der University of Washington.

Von 2005 bis 2011 war sie die Gründungspräsidentin von ELMA Philanthropies Services, einer privaten Institution, die sich in ihrer Arbeit hauptsächlich auf Kinder und Jugendliche in Afrika konzentriert.

Ihre nüchterne Conclusio nach all den Jahren des Einsatzes für die Gleichberechtigung von Frauen: "Wir sind längst nicht da, wo wir sein müssten."

Reaktion aus Österreich

Österreichs Frauenministerin Susanne Raab erklärte: „Der Bericht des UNO-Bevölkerungsfonds UNFPA zeigt auf, dass Unterdrückung und Phänomene wie kulturell bedingte Gewalt, weibliche Genitalverstümmelung (FGM) oder Kinder- bzw. Zwangsehen für viele Frauen und Mädchen weltweit weiterhin traurige Realität sind." Der Bericht führe einmal mehr vor Augen, "dass die Corona-Pandemie diese bestehende Unterdrückung zusätzlich verstärkt hat". Im Kampf gegen Gewalt an Frauen und Mädchen brauche es also einen Schulterschluss auf internationaler Ebene.