Bitte warten - Ihr Zugang wird eingerichtet.

''Nationales Trauma''Die USA in der Dauer-Krise - und ein Präsident, der spaltet, nicht eint

Amerika kommt unter Trump nicht zur Ruhe: Amtsenthebungsverfahren, Pandemie, systemischer Rassismus, Schießereien in Schulen - der Präsident spaltet das Land immer tiefer.

© (c) AFP (SETH HERALD)
 

Die "New York Times" attestiert den USA "ein Jahr des nationalen Traumas". Dabei ist 2020 noch nicht einmal zur Hälfte vorbei. Es begann mit dem Amtsenthebungsverfahren gegen Präsident Donald Trump. Dann traf die Coronakrise die Vereinigten Staaten mit voller Wucht. Vor wenigen Tagen überstieg die Zahl der Toten in Verbindung mit dem neuartigen Coronavirus die Marke von 100.000.

Die Pandemie löste eine Wirtschaftskrise aus. Mehr als 40 Millionen Amerikaner meldeten sich arbeitslos.

Nun brechen die Narben von Rassismus und sozialer Ungerechtigkeit wieder auf. In vielen Städten kommt es seit Tagen zu Unruhen. Über all dem steht ein Präsident, der das Land nicht zu einen sucht, sondern dessen Spaltung vertieft - und der im November wiedergewählt werden möchte.

Nach Tod von George Floyd: Proteste in den USA

(c) AP (Travis Long)
(c) AP (Travis Long)
(c) AP (Ethan Hyman)
(c) AP (Ethan Hyman)
(c) AP (Ethan Hyman)
(c) AP (Ethan Hyman)
(c) AP (Ricardo B. Brazziell)
(c) AP (Jeff Siner)
(c) AP (Jeff Siner)
(c) AP (Jeff Siner)
(c) AP (Jeff Siner)
(c) AP (Jake May)
(c) AP (Jeff Siner)
(c) AP (Jake May)
(c) AP (Jake May)
(c) AP (Jake May)
(c) AP (Jeff Siner)
(c) AP (Manuel Balce Ceneta)
(c) AP (Jake May)
(c) AP (Manuel Balce Ceneta)
(c) AP (Manuel Balce Ceneta)
(c) AP (Jake May)
(c) AP (Bryon Houlgrave)
(c) AP (Bryon Houlgrave)
(c) AP (Bryon Houlgrave)
(c) AP (Bryon Houlgrave)
(c) AP (John Locher)
(c) AP (John Locher)
(c) AP (John Locher)
(c) AP (John Locher)
(c) AP (John Locher)
(c) AP (Ashlee Rezin Garcia)
(c) AP (Ricardo B. Brazziell)
1/33

In der Nacht auf Sonntag erschütterten Proteste die fünfte Nacht in Folge die USA - ausgelöst vom Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis im Bundesstaat Minnesota. In der Großstadt gerieten die Demonstrationen außer Kontrolle. Es kam zu schweren Ausschreitungen. Die Polizei musste aus einer brennenden Wache fliehen. Demonstranten setzten sich über Ausgangssperren hinweg. Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg wurde in Minnesota die gesamte Nationalgarde mobilisiert. Wie ein Lauffeuer verbreiteten sich die Proteste in andere Metropolen.

"Ein Verbrechen, schwarz zu sein"

"Letztendlich ist es ein Verbrechen, schwarz zu sein", sagte ein aufgebrachter afroamerikanischer Demonstrant dem Sender CNN. "Und ich verstehe nicht, warum das so ist. Weil wir alle Menschen sind." Er wolle sich nicht jedes Mal Sorgen müssen, wenn er hinter sich einen Polizeiwagen sehe.

Systematischen Rassismus haben die USA nie überwunden. Der Polizeieinsatz gegen Floyd, festgehalten auf Video, hat nun aber für einen kollektiven Aufschrei der Empörung gesorgt. Acht Minuten und 46 Sekunden lang drückte ein weißer Polizist sein Knie auf Floyds Nacken. Floyds flehentliche Worte - "Ich kann nicht atmen" - sind nun Kampfruf der Demonstranten. Sie dürften das Lebensgefühl vieler Afroamerikaner ausdrücken. Nicht nur wegen der Jahrhunderte langen Diskriminierung. Afroamerikaner und andere Minderheiten sind es auch, die die Coronakrise besonders hart getroffen hat.

Schuld sind die Anderen

Die demokratische Kongressabgeordnete Ilhan Omar - seit langem selbst ein Ziel von Verbalattacken des Präsidenten - sagte am Sonntag, es gehe bei den Protesten um weit mehr als um den Fall Floyd. So viele Menschen hätten Ungerechtigkeit, Brutalität und Vernachlässigung erfahren. "Die Leute haben es satt." Nötig seien landesweite Reformen. "Dieser Präsident hat den Schmerz und die Angst, die viele seiner Bürger empfinden, nicht wirklich verstanden."

Im November steht die Präsidentenwahl an, Trumps Sieg ist nicht gewiss. Sein Management in der Coronakrise hat die Chancen auf eine zweite Amtszeit Umfragen zufolge nicht erhöht. Für diese Krise sucht der republikanische Politiker Sündenböcke: zum Beispiel China und die Weltgesundheitsorganisation WHO. Zwar zeigte auch er sich entsetzt über den brutalen Einsatz der Polizei. Er begann dann aber schnell, den Fall zu instrumentalisieren.

Die Unruhen nach Floyds Tod lenken von der Pandemie und ihren Folgen ab. Deren Ausmaß ist in den USA noch nicht abzusehen. Trump gibt sich als Hardliner, der Recht und Ordnung durchsetzen will - notfalls mit Gewalt. Für Empörung sorgte ein Tweet, in dem Trump dem demokratischen Gouverneur von Minnesota, Tim Walz, den Einsatz des Militärs anbot und hinzufügte: "Wenn es Schwierigkeiten gibt, werden wir die Kontrolle übernehmen, aber wenn die Plünderungen beginnen, beginnt das Schießen." Die Zeitschrift "New Yorker" kommentierte: "Die Drohung des Präsidenten, das US-Militär auf Zivilisten schießen zu lassen, ist das Gegenteil von Führung."

Es ist Teil von Trumps Wahlkampfstrategie, die Demokraten als Schwächlinge darzustellen, die der Kriminalität keinen Einhalt gebieten. Die Ausschreitungen bestätigen das nun aus seiner Sicht. "Wie kommt es, dass all diese Orte, die sich so schlecht verteidigen, von liberalen Demokraten geführt werden?", schrieb Trump in einem Tweet. "Zeigen Sie Härte und kämpfen Sie." Dann twitterte er: "Liberale Gouverneure und Bürgermeister müssen VIEL härter durchgreifen, oder die Bundesregierung wird einschreiten und tun, was getan werden muss." Dazu gehöre, "die unbegrenzte Macht unseres Militärs zu nutzen" und viele Menschen festzunehmen. Atlantas Bürgermeisterin Keisha Lance Bottoms sagte dazu, der Präsident möge einfach schweigen. "Er spricht und macht es so schlimmer."

Einig sind sich der Präsident und die Demokraten darin, dass Randalierer und Plünderer dem Anliegen friedlicher Demonstranten schaden - an den Protesten beteiligen sich übrigens längst nicht nur Afroamerikaner. Trump hat aber bereits den Kampf um die Deutungshoheit begonnen. Aus seiner Sicht handelt es sich bei den Randalierern nicht um Menschen, deren Wut über Rassismus und soziale Ungerechtigkeit sich gewaltsam Bahn bricht, sondern um ein linkes Komplott. "Die Gewalt und der Vandalismus werden von der Antifa und anderen gewaltsamen Gruppen des linken Flügels angeführt."

Antifa als "Terrororganisation"

Belege dafür legte der Präsident nicht vor. Die Theorie passt aber in sein Konzept. Im vergangenen August hatte Trump erklärt, er erwäge, die Antifa zur Terrororganisation erklären zu lassen. Wie das mangels Organisationsstrukturen des losen Bündnisses funktionieren soll, sagte er nicht. Wenige Tage später erschoss ein mutmaßlicher Rassist in El Paso (Texas) mehr als 20 Menschen. Er wollte nach eigenen Angaben möglichst viele Mexikaner töten. Nicht erst seit dieser Bluttat meinen Kritiker, dass nicht Antifaschisten die größte Gefahr für die USA darstellten, sondern Rechtsextremisten.

Trotz aller Krisen gab es am Samstag einen Moment des Stolzes für Amerika: Erstmals seit fast zehn Jahren schickten die USA wieder eine bemannte Raumkapsel ins Weltall. Trump trat kurz darauf am Weltraumbahnhof in Cape Canaveral auf. Zu Beginn seiner Ansprache erinnerte der Präsident an Floyd. Dann betonte er, er werde die "Mob-Gewalt" von "linksradikalen Kriminellen" stoppen. Als Trump über die Raumfahrtmission sprach, sagte er, der Start der Kapsel "bringt uns als Amerikaner zusammen". Trump fügte hinzu: "Wenn Amerikaner vereint sind, gibt es nichts, was wir nicht tun können." In Los Angeles brachen ungefähr zur selben Zeit gewaltsame Proteste aus.

Kommentare (20)

Kommentieren
anonymus21
1
12
Lesenswert?

Es gab wohl noch nie

einen unreflektierteren Menschen in dieser Position als Donald Trump. Würde gerne wissen wie oft sich Abraham Lincoln in seinem Grab bereits gedreht hat...

Mein Graz
1
6
Lesenswert?

@anonymus21

Lincolns Gebeine rotieren wahrscheinlich schon wie ein Ventilator.

anonymus21
0
0
Lesenswert?

wohl wahr

aber nicht erst seit Trump.

Ich bin jetzt zwar noch nicht der älteste, aber irgendwie kommts mir vor dass es seit gut 20, oder eher 30Jahren nur noch bergab geht in den USA. Da konnte auch ein Obama nichts gravierendes dagegen tun.

posmotrim
17
5
Lesenswert?

einer muss ja dagegenhalten

bei euren hasspostings gegen trump: ist euch noch nicht aufgefallen, dass in den von der EU z.zt. verdammten ländern amerika, china, brasilien etc. menschen leben, die ihre anführer offenbar unterstützen. sie haben trump u. co. genauso verdient wie wir vdb. die wenigstens von uns werden putin oder orban persönlich kennen, unser bild von ihnen haben wir ausschließlich aus den mehr oder weniger objektiven, aber immer radikaler werdenden medien. ich bin auch ein gegner der todesstrafe, will aber niemanden missionieren.

Mein Graz
3
16
Lesenswert?

@posmotrim

Du sagst es: die wenigsten kennen Trump persönlich. Kennst du ihn persönlich, da du dich berufen fühlst, seine "Ehre" (so er so etwas hat) zu retten?

Wir könnten es ja auch so machen, dass jeder nur an denjenigen Kritik üben oder sie loben darf, die ihm persönlich bekannt sind. Die Medienberichte müssen alle außen vor gelassen werden.
Oder darf man nur die Medienberichte zulassen, die der persönliche Favorit unterstützt?

posmotrim
4
2
Lesenswert?

@mein graz, genauer lesen, lieber freund!

mit keinem wort habe ich von trumps ehre gesprochen, sondern vom respekt vor denen, die anders denken als du und ich. ich bin bloß ein gegner von missionierung und blindem glauben an "objektive informationen". und ich gestehe jedem zu, das zu glauben, was er für richtig hält! nur sollte das auch für minderheiten gelten, die sich - siehe corona-krise- oft über nacht zu mehrheiten entwickeln.

Mein Graz
1
3
Lesenswert?

@posmotrim

Dann hab ich dich wohl falsch verstanden.
Ich darf es kurz zusammenfassen:
Du meinst also, keiner, der jemanden nicht persönlich kennt, darf versuchen, andere von der Unwahrheit der Aussagen der betroffenen Person zu überzeugen. Nicht einmal Personen, die sich in unterschiedlichsten Medien in verschiedenen Sprachen informieren, können so gut informiert sein, dass er Lügen erkennt und diese publik macht. Jeder hat das Recht das zu "glauben" - nicht aber zu wissen - was er will und diesen "Glauben" zu vertreten.

Oder hab ich da jetzt wieder was falsch verstanden?

posmotrim
0
0
Lesenswert?

@mein graz, ich find das (ehrlich) sehr sympathisch,

wenn sich jemand auf einen diskurs einlässt! natürlich "darf" jeder jeden im rahmen der gesetze von seiner meinung zu überzeugen suchen. ich selbst mache das ja auch, finde es aber (auch an mir) nicht sonderlich sympathisch. im wesentlichen gefällt mir dein letzter satz recht gut, und das schätze ich auch an den amerikanern. du wirst mir "glauben", dass etwa geld nur so lang einen wert darstellt, als wir glauben, dass papierfetzen einen wert haben (harari). und wäre es nicht so, wie du schreibst, müsste man folgerichtig überlegen, etwa bei wahlen nur diejenigen abstimmen zu lassen, die nachweisen können, dass sie aus mehreren quellen bestens "informiert" sind. und waldheim hätten wir dann wahrscheinlich nicht wählen dürfen.

hbratschi
1
23
Lesenswert?

trump spaltet...

...nicht nur amerika sondern die ganze welt. er hetzt und zündelt wo immer es geht. und da er leider(!!!) der mächtigste mann der welt ist, ist das sehr gefährlich. er zerstört alles, das mühsam ausverhandelt wurde und das bisher auch so halbwegs beauchbar funktioniert hat. typen wie er sind es, die die welt immer wieder ins chaos stürzen. aber menschen die solche typen wählen, machen das erst möglich. und das ist das eigentlich schlimme daran...

anonymus21
1
5
Lesenswert?

@hbratschi, stimmt

aber das eigentlich schlimme an den USA ist deren Wahlsystem und der ganze Apparat dahinter. Dass nach den ganzen Vorwahlen und und und dann so ein Typ als Kandidat ausgespuckt wird.

FotoWallner
1
25
Lesenswert?

Es ist traurig...

...das im 21. Jahrhundert die Menschen noch immer solch zweifelhafte Charaktere an Spitzenpositionen wählen. Wenn dies wie beispielhaft in den USA oder Brasilien nur ihr Land betreffen würde, so könnte es man banal mit dem Satz abtun „jedem Land das, was es verdient“, doch bei den zwei Genannten steht leider auch das Wohl der gesamten Menschheit am Spiel (Frieden, Klima).

herwig67
1
22
Lesenswert?

Trump und Demokratie

ein Widerspruch. Wenn man seine Äußerungen und Ansichten hört, denkt man an Russland oder China..Trump formt die USA zu einem rechts des Gesetzes stehenden Staat. Wenn er von Menschenrechte und Gleichberechtigung spricht, so ist das ein Hohn..für Trump mittlerweile beides Fremdwörter.

wlan
5
32
Lesenswert?

Jeder hat das Recht zu demonstrieren und seine Meinung frei zu sagen, immer und überall!

Wenn man aber beginnt fremdes Eigentum mutwillig zu beschädigen bzw. Polizisten mit Wurfgeschossen verletzt, ist Schluss mit lustig!
Wie kommt ein Ladenbesitzer dazu, (nur weil er sein Geschäft blöderweise neben der Demo hat) dass ihm von irgendwelchen Chaoten, die sich nicht unter Kontrolle haben, seine Existenz genommen wird?

Ragnar Lodbrok
7
75
Lesenswert?

Trump ist einer der größten Angeber

und Idioten auf dieser Welt!

FB4
2
33
Lesenswert?

👍

Das mit Sicherheit und ich dachte schon nach Bush junior es geht nicht tiefer 🤷🏻‍♂️

tenke
5
29
Lesenswert?

Viel zu harmlos formuliert.

Viel fehlt nicht mehr und wir finden uns im 3. WK.

FB4
7
88
Lesenswert?

Unglaublich

Es ist schon unheimlich welch unglaublich armselige Politiker diese Welt in den letzten Jahren hervorgebracht hat. Viel schlimmer ist, dass sie noch glauben dass sie gut sind.
Traurig und erbärmlich ist denke ich der richtige Ausdruck!!!

umo10
6
88
Lesenswert?

Jetzt kommt wohl der freie Fall für den Dollar

Ich bin heilfroh, dass ich in Europa lebe

HASENADI
9
99
Lesenswert?

Dringlich: God Bless America!

Schon lange nicht mehr zu packen, dieses menschenverachtende Agieren des einstmals mächtigsten Staatenlenkers weltweit. Sein erbärmliches narzisstisches Gehabe ist zunehmend gepaart mit lächerlich auf Ablenkung zielenden PK-Auftritten in Folge seines verspäteten Handelns in der Corona-Krise. Vieles von seinem eingelernten Selbstbewusstsein ist zunehmend dem Habitus eines hilflosen, um sich schlagenden Orientierungslosen gewichen. Heerscharen von Message-Control-Beratern und willfährige Medien versuchen mit Mühe den Schein von Überlegenheit zu wahren, seine Niederlage bei den Wahlen dürfte krachend werden. Das Schlimme dabei ist, dass er jetzt, angesichts der landesweiten Proteste wg. des himmelschreienden Polizistenversagens, im Bewusstsein seines bevorstehenden Wahldesasters diabolisch versucht, möglichst viel verbrannte Erde und eine sich feindlich gegenüberstehende, gespaltene Gesellschaft zu hinterlassen. Seine Wahl, eine weltweite Tragödie, in der Verantwortung eines von konservativen amerikanischen Kreisen bewusst herbeigeführten politischen Ränkespiels.

Hausverstand100
3
29
Lesenswert?

Ich fürchte nur

Dass seine Niederlage nicht krachend wird, allein schon mangels eines entsprechenden Gegenkandidaten.
Bei der derzeitigen Situation in Amerika ist eher von einer Wiederwahl auszugehen.
Ein Failed State und die EU ist unfähig, daraus einen Nutzen zu ziehen.
Ein großer Teil der Welt wird von unfähigen
Idioten regiert...