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75 Jahre Auschwitz-BefreiungVan der Bellen: "Ich empfinde Scham"

Beim Gedenken in Polen forderte Bundespräsident Alexander Van der Bellen Zivilcourage ein.

++ HANDOUT ++ BUNDESPRAeSIDENT VAN DER BELLEN IN ISRAEL: BESUCH ISRAEL MUSEUM
Van der Bellen beim Besuch des Israel Museums in Jerusalem vor einigen Tagen. © APA/BUNDESHEER/PETER LECHNER
 

Bundespräsident Alexander Van der Bellen wird am Montag anlässlich des 75. Jahrestages der Befreiung des NS-Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau am Gedenken in Polen teilnehmen. "Auschwitz zu besuchen ist nicht leicht. Aber es ist notwendig", teilte er in einer Stellungnahme im Vorfeld der Zeremonie mit. Gleichzeitig verwies er erneut auf die Mitverantwortung Österreichs am Holocaust.

Er empfinde "tiefes Entsetzen" darüber, was im KZ Auschwitz den Menschen angetan wurde. Von den 1,1 Millionen Menschen ermordeten Menschen seien die meisten Jüdinnen und Juden gewesen, so der Bundespräsident und betonte weiter: "Auschwitz steht auch für den Völkermord an den Roma und Sinti, für die Ermordung von Homosexuellen, von Menschen mit Behinderungen, politisch Verfolgten, Widerstandskämpfern, Deserteuren, Vertretern der polnischen Intelligenz, von Kriegsgefangenen aus der Sowjetunion und unzähligen Menschen aus ganz Europa." Opfer der "nationalsozialistischen Vernichtungsmaschinerie" seien auch Zehntausende Menschen aus Österreich gewesen.

"Ich empfinde Scham"

Gleichzeitig, so Van der Bellen, "empfinde ich Scham". Viele Österreicherinnen und Österreicher hätten bei dem "barbarischen Verbrechen" als Täterinnen und Täter "mitgewirkt". "Allzu viele Landsleute liefen mit, schauten weg, zu wenige leisteten Widerstand", kritisierte der Bundespräsident. Er erinnerte: Der "Antisemitismus und Rassismus der Nationalsozialisten ist nicht vom Himmel gefallen", sondern sei "schon zuvor in der österreichischen Gesellschaft sehr stark präsent" gewesen.

Es sei "unser gemeinsamer fester Wille und unsere Pflicht", jedem Aufkeimen von Menschenverachtung, Rassismus und Antisemitismus in der Gegenwart, jeder Herabwürdigung und jedem Angriff auf Minderheiten entschieden entgegenzutreten sowie Grund- und Freiheitsrechte kompromisslos zu verteidigen, plädierte Van der Bellen. "Denn die Menschenwürde ist unteilbar."

Er appellierte, am "Beginn anzusetzen". Wenn Menschen zu Außenseitern gemacht, Minderheiten angegriffen werden, "dann müssen wir gemeinsam dagegen auftreten", betonte der Bundespräsident. "Da ist Zivilcourage gefragt."

Reden und Lichterzeremonie

Van der Bellen wird bereits zu Mittag österreichische Gedenkdiener treffen (Zivildiener, die in Auschwitz Dienst tun). Am Nachmittag folgen Kranzniederlegungen und die Gedenkzeremonie (Beginn: 15.30 Uhr) auf dem Gelände des ehemaligen Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau, das im damals von Hitler-Deutschland besetzen Polen errichtet wurde. Der polnische Präsident Andrej Duda, einige Auschwitz-Überlebende sowie der Präsident des Jüdischen Weltkongresses, Ronald Lauder, werden Reden halten. Der Gedenkakt endet mit einer Lichterzeremonie beim Totendenkmal.

Rund 120 Auschwitz-Überlebende werden ebenfalls an der Gedenkzeremonie teilnehmen. Auf der Gästeliste stehen zudem der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, US-Finanzminister Steven Mnuchin, der französische Premierminister Édouard Philippe und die Ehefrau von des britischen Thronfolgers Prinz Charles, Herzogin Camilla. Der russische Präsident Wladimir Putin bleibt dem Gedenkakt in Polen fern, er lässt sich von Botschafter Sergej Andrejew vertreten. Hintergrund ist ein Streit zwischen Warschau und Moskau über die historisch korrekte Geschichtsschreibung.

Der nationalsozialistische Konzentrations- und Vernichtungslagerkomplex Auschwitz nahe der polnischen Stadt Oswiecim gilt weltweit als Symbol für den Holocaust. Nach Auschwitz wurden Schätzungen zufolge mindestens 1,3 Millionen Menschen deportiert. 1,1 Millionen von ihnen wurden ermordet, davon 90 Prozent Juden. Die Nazis und ihre Helfershelfer ermordeten während des Holocaust insgesamt rund sechs Millionen Juden - darunter mehr als 65.000 Österreicher.

Kommentare (4)

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huckg
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8
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Ich empfinde Scham, wenn ...

ich mir ansehen, wie wir Heute! die Umwelt unserer Nachkommen zerstören!
Vor 70 Jahren war ich nicht auf der Welt, ob ich damals auch weggeschaut hätte, sowie wie unsere Großeltern? Ziemlich wahrscheinlich! Und, ja selbstverständlich darf sowas nie mehr passieren, und selbstverständlich sind die Dinge die vor 70 Jahren in Europa passiert sind schrecklich und dürfen nie vergessen werden.
ABER: Wir leben heute, und zurzeit sehen wieder Alle weg.
Durch dieses kollektive Verdrängen Heute erzeugen wir Elend für unsere Nachkommen. Der durch Menschen verursachte Klimawandel und die kommende Klimakatastrophe ist keine Frage des Glaubens, sondern nur eine Frage des Wann, und wie Schlimm!
Die Wissenschaftler sind sich einig wie kaum jemals zuvor.
Aber wir, wir machen weiter wie bisher. Das sollte heute unser (Scham)- Thema sein!

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HansWurst
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Ein sehr unangebrachter,

dümmlicher Vergleich!
Wieso?
Weil sie vom Thema ablenken, es missbrauchen für ihre Anliegen. Ob bewusst oder unbewusst: so relativieren sie die Gräuel der Nazizeit.

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brosinor
35
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Geschätzter Präsident!

Ich empfinde Scham wenn ich mir den Nationalratspräsident Hofer und seine Gesinnung vor Augen führe und dessen Kumpanen die in wichtigen Positionen über unser ganzes Land verbreitet bei sehr hohen Gehältern werkeln dürfen.

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aral66
15
10
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👍

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