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EU-WahlDie größten Enttäuschungen und Überraschungen in Europa

Die EU-Wahl hat neben jubelnden Gewinnern und trauernden Verlierern auch einige überraschende Momente gebracht. Ein Überblick:

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Erst um 23 Uhr schließen die Wahllokale in Italien. Matteo Salvinis Lega dürfte zu den Gewinnern gehören © APA/AFP/MIGUEL MEDINA (MIGUEL MEDINA)
 

Noch ist der Wahlsonntag nicht zu Ende und längst sind nicht alle Stimmen ausgezählt, doch es zeichnet sich bereits ein erstes klares Bild ab, wo die Überraschungssieger und wo die größten Enttäuschungen in Europa zu finden sind.

Die herbsten Enttäuschungen:

SPD

Noch nie lagen die deutschen Sozialdemokraten bei einer bundesweiten Wahl so tief, weit nicht nur hinter der gleichfalls schwer gebeutelten Union, sondern auch hinter den triumphierenden Grünen - 15,5 Prozent sind ein Wahldesaster.

Emmanuel Macron

Die Partei von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der einen proeuropäischen Wahlkampf geführt hatte, landete mit 22,5 Prozent der Stimmen nur auf dem zweiten Plat hinter Marine Le Pens Rassemblement National. Widersacherin Le Pen fordert bereits Neuwahlen in Frankreich.

EVP und Sozialdemokraten S+D

Die gemeinsame Mehrheit im Europaparlament ist dahin, erstmals hat die "große Koalition" von Mitte-Rechts- und Mitte-Links-Volksparteien in Europa keine Mehrheit mehr.

Manfred Weber & Annegret Kramp-Karrenbauer

CDU/CSU mussten eine herbe Niederlage einstecken und verloren etwa sieben Prozentpunkte gegenüber 2014 (28,1 bis 28,6 Prozent). Der erste Stimmungstest für Neo-CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer ging damit daneben. Auch EVP-Spitzenkandidat Manfred Weber konnte dem historisch schlechten Abschneiden der CDU und den europaweiten Verlusten für die Konservativen nichts entgegensetzen.

Die größten Überraschungen:

Wahlbeteiligung

Die Beteiligung bei der Europawahl ist deutlich gestiegen. Laut Schätzungen des EU-Parlaments erreichte sie fast 51 Prozent in den 27 EU-Staaten außer Großbritannien. Dies ist die höchste Beteiligung seit 20 Jahren. Mit Großbritannien werde sie zwischen 49 und 52 Prozent liegen, sagte ein Sprecher des EU-Parlaments am Sonntagabend in Brüssel.

Die Grünen Parteien

Die Grünen gehören definitiv zu den Wahlsiegern in Europa - sie können rund zehn Sitze zulegen und werden mit etwa 62 Sitzen im neuen Europaparlament vertreten sein.

Die ÖVP

Die ÖVP hat die EU-Wahl in Österreich klar für sich entschieden. Ob das Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) am Montag vor einer Abwahl bewahrt, blieb am Sonntag offen. Während die Sozialdemokraten in Richtung Misstrauen marschieren, lässt sich die FPÖ alle Optionen offen.

Marine Le Pen

Die rechtspopulistische Partei Rassemblement National (RN) von Marine Le Pen hat sich in Frankreich ersten Hochrechnungen zufolge bei der EU-Wahl durchgesetzt. RN erhielt rund 24,2 Prozent der Stimmen, La République en Marche (LREM) von Staatschef Emmanuel Macron kam demnach auf 22,4 Prozent. Allerdings: Le Pens Partei ist schwächer als 2014.

Der Rezo-Effekt - Zerstörung der CDU

In Deutschland scheint der Rezo-Effekt bei der EU-Wahl voll zugeschlagen zu haben: "Wählt nicht die CDU/CSU, wählt nicht die SPD", forderte Deutschlands mittlerweile bekanntester YouTuber kurz vor der Europawahl. Erste Wahlanalysen zur Pleite der Parteien der Großen Koalition zeigen, dass vor allem junge Wähler der Forderung gefolgt zu sein scheinen. Der ARD zufolge landete die Union bei den 18- bis 24-Jährigen bei nur noch elf Prozent, die SPD sogar nur bei acht Prozent.

Iberische Sozialisten

Die regierenden spanischen Sozialisten von Ministerpräsidenten Pedro Sanchez haben in Spanien mit großem Vorsprung auf die konservative Volkspartei gewonnen. Laut Prognosen kommen sie auf 18 Mandate, die Konservativen stehen bei 11 bis 12. Auch in Portugal kam die Partei von Premier Costa auf bis zu 34 Prozent.

Frans Timmermans

Der niederländische Sozialdemokrat und Spitzenkandidat der europäischen Sozialdemokraten, die auch dank Wahldebakels in Deutschland herbe Verluste einstecken dürften, konnte in seiner Heimat einen Überraschungssieg verbuchen. Die Sozialdemokraten um den Europa-Spitzenkandidaten lagen völlig unerwartet vorn und kamen auf 18,1 Prozent.

Europas Liberaldemokraten

Die ALDE holt vermutlich trotz schwachen Ergebnisses von Emmanuel Macron 32 Sitze Plus - insgesamt also vermutlich mehr als 100 Sitze.

Die ungarische Fidesz

Die Fidesz-Partei von Ministerpräsident Viktor Orban ist einer ersten Prognose zufolge mit Abstand stärkste Kraft bei der Europawahl in Ungarn geworden. Sie kommt auf rund 56 Prozent der Stimmen. 2014 waren es bereits 51 Prozent gewesen.

Europas Rechtsparteien

Die rechtspopulistischen Parteien haben in der Europawahl am Sonntag deutlich zugelegt, aber von der Europa-Wahl wohl mehr erhofft. So kamen die bisher in drei Fraktionen organisierten nationalistischen und EU-kritischen Parteien in ersten Prognosen auf insgesamt 177 der 751 Sitze im Europaparlament. Das sind 23 mehr als im bisherigen Parlament. Allerdings blieben einige der Parteien hinter ihren Erwartungen. So kam die Alternative für Deutschland laut Prognosen auf 10,6 bis 10,8 Prozent und elf Sitze. Das waren zwar drei Sitze mehr als 2014, als die AfD auf 7,1 Prozent kam. Sie blieb aber hinter dem Wert von 12,6 Prozent aus der Bundestagswahl 2017, und das, obwohl sie in Brandenburg und Sachsen zur stärksten Partei wurde.

Satiriker Martin Sonneborn

Die Partei des deutschen Satirikers Martin Sonneborn hat ersten Schätzungen zufolge mindestens zwei Sitze im EU-Parlament gewonnen. "Die Partei" kam laut Hochrechnungen von ARD und ZDF bei der Europawahl am Sonntag auf 2,4 Prozent der Stimmen. Neben Parteichef Sonneborn, der bereits seit 2014 ein EU-Mandat innehat, wird demnach auch der Kabarettist Nico Semsrott ins Europapaparlament einziehen.

Die Lega Salvinis

Die Lega um Innenminister Matteo Salvini soll zwischen 27 und 31 Prozent der Stimmen erobern - gerechnet wurde aber mit bis zu 34 Prozent der Stimmen. Die oppositionelle Demokratische Partei (PD - Partito Democratico) dürfte zwischen 21 und 25 Prozent der Stimmen erhalten haben. Die mit der Lega regierende Fünf Sterne-Bewegung dürfte zwischen 18,5 und 22,5 Prozent der Stimmen bekommen haben. Die oppositionelle rechtskonservative Forza Italia um Expremier Silvio Berlusconi könnte laut Exit Polls zwischen 8 und 12 Prozent erhalten.

 

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