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Umstrittener VorstoßDeutscher Juso-Chef will Aus für den Kapitalismus

Der Chef der deutschen Jungsozialisten will "Kollektivismus" einführen und etwa die private Vermietung von Wohnungen ganz verbieten.

Kevin Kuehnert
© APA/dpa/Michael Kappeler
 

Der Chef der deutschen Jungsozialisten, Kevin Kühnert, hält an seinen umstrittenen Vorstellungen über die Überwindung des Kapitalismus fest. "Ich habe das sehr ernst gemeint, was ich formuliert habe", sagte Kühnert dem Magazin "Spiegel". "Ich habe keine Lust mehr darauf, dass wir wesentliche Fragen immer nur dann diskutieren, wenn gerade Friedenszeiten sind, und im Wahlkampf drum herumreden."

"Nicht so weitermachen"

Wenn man ernsthaft einen anderen Politikstil wolle, "dann können wir uns nicht immer auf die Zunge beißen, wenn es um die wirklich großen Fragen geht", sagte der Berliner SPD-Politiker weiter. Der Kapitalismus sei "in viel zu viele Lebensbereiche" vorgedrungen. "So können wir auf keinen Fall weitermachen."

Kühnert wandte sich gegen die massive Kritik an seinen Thesen. "Die empörten Reaktionen zeigen doch, wie eng mittlerweile die Grenzen des Vorstellbaren geworden sind", sagte der Chef der SPD-Jugendorganisation dem "Spiegel". "Da haben 25 Jahre neoliberaler Beschallung ganz klar ihre Spuren hinterlassen."

"Überwindung des Kapitalismus"

Kühnert hatte der Wochenzeitung "Die Zeit" unter Hinweis etwa auf den Automobilkonzern BMW gesagt: "Ohne Kollektivierung ist eine Überwindung des Kapitalismus nicht denkbar." Wie genau solche Kollektivierungen ablaufen sollten, ließ Kühnert in dem Interview offen. Auch private Wohnungsvermietungen soll es nach seiner Auffassung im "Optimalfall" nicht mehr geben.

Widerspruch aus eigener Partei

Der Juso-Chef wurde für seine Äußerungen von Union, FDP, AfD und Wirtschaftsverbänden scharf kritisiert. Heftiger Widerspruch kam auch aus der eigenen Partei. Der Sprecher des konservativen Seeheimer Kreises, Johannes Kahrs, schrieb etwa im Kurzbotschaftendienst Twitter: "Was für ein grober Unfug. Was hat der geraucht? Legal kann es nicht gewesen sein."

Zuspruch kam dagegen von der Linkspartei. Und auch in der SPD werden zunehmend Stimmen laut, die Kühnert gegen Kritik in Schutz nehmen. So sagte Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) am Donnerstag in der rbb-Sendung "Talk aus Berlin": "Die Aufregung um diese Äußerung von Kühnert zeigt, dass er die richtige Frage gestellt hat. Nämlich die Frage nach der Verteilung von Einkommen."

"Sprengstoff"

Der Vorsitzende der einflussreichen nordrhein-westfälischen SPD, Sebastian Hartmann, sagte dem "Spiegel", die Debatte müsse aufgenommen werden. "Wir brauchen ein grundlegend neues Wirtschaftsmodell." Der ungeregelte Markt sei "unser Gegner". "Ungleichheit ist der Sprengstoff unserer Zeit."

Auch die Bielefelder Bundestagsabgeordnete Wiebke Esdar, Mitglied im SPD-Bundesvorstand, lobte Kühnert: "Wenn wir glaubhaft von Erneuerung sprechen wollen, müssen wir über den Widerspruch von Arbeit und Kapital reden." Seit Jahren erstarke der Neoliberalismus und wachse die Ungleichheit zwischen Arm und Reich: "Da kann sich die SPD nicht mit dem Status quo zufriedengeben."

Kommentare (18)

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Irgendeiner
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Naja, das ist erfreulich,nein nicht weil ich sein Ziel teile, das ist komplizierter, sondern weil endlich wer die methodologisch und empirisch schwachsinnige Erzählung bezahlter Metaphysiker dir fröhlich frech krähen der Markt würde alles regeln und sich dabei in tauloser und unverschämter Art auch noch sachwidrig auf Adam Smith berufen dem sie ihren eigenen Schwachsinn post mortem imputieren, das also wer diesen irren Gesang frontal angreift.Denn was klar ist, ist jedenfalls Folgendes,wir werden durch Rationalisierung weiterhin Arbeitsplätze verlieren,diese Menschen haben ein

Recht auf Teilhabe und Leben, sonst kracht die Gesellschaft.Wir haben Konzerne die finanziell und machtmäßig potenter sind als der Staat,das ist zu zerschlagen, sonst fällt die Demokratie.Wir haben eine Schere zwischen Arm und Reich die nicht nur bei uns zu weit auseinanderklafft, auch das gefährdet Demokratie und Stabilität.Und wir haben Politiker die ihr Programm der Industrie vorstellen und nicht Euch und deren Agenda vertreten ambitionslos mit Strategiepapierl und das Problem ist keinesfalls nur lokal,das führt in die Postdemokratie,wählen dürfts noch, ändert aber nichts oder wie Schäuble sagte, wir können nicht zulassen daß Wahlen an der Wirtschaft was ändern,ich find schon.Und es ist gut daß einer im Geschwurbel von taulosen bezahlten Babbletanks dagegen antritt,nur der junge Mann wird lernen müssen, daß man mit Federstrich die Hölle produziert,ohne piecemeal engineering wirds nicht gehen. Als erstes solltma hier Herrn Kapsch und den seinen hier was durchdrücken,Steuern die auch real so hoch sind wie vorgesehen und Kurz solltma endlich wirklich privatisieren,ich mein,die sponsern ihn auch so,sollns in ganz haben, es reicht.

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differentialrechnung
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Der traurigste Teil der richtigen Aussage

"...wir werden durch Rationalisierung weiterhin Arbeitsplätze verlieren" wird immer bedeutsamer. "Wegrationalisiert" werden nicht nur wenig anspruchsvolle Arbeitsplätze für wenig gebildete (unterprivilegierte) Menschen - was schlimm genug ist - sondern auch mehr und mehr andere.
"diese Menschen haben ein Recht auf Teilhabe und Leben, sonst kracht die Gesellschaft" ist uneingeschränkt richtig. "Teilhabe und Leben" lassen sich selbst durch üppige (HA!) arbeitsunabhängige Grundeinkommen nicht ersetzen.

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Irgendeiner
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Ja, dadurch allein nicht,das ist mir schon klar,

sonst würden die meisten nicht in das Pensionloch fallen wenn sie aus dem Trott selbst bei nicht besonders intrensisch belohnender Arbeit rausfallen,Du müßtest Menschen daran heranführen, daß das Leben auch spannend sein kann wo es kein Gerstl dafür gibt,die psychologische Grundhaltung unserer Gesellschaft ist da schwer denaturiert,aber die Subsistenz müssen wir denen so oder so sichern, wie immer wir das dann lösen,ich glaub mittlerweile nicht mehr daß wir am Grundeinkommen vorbeikommen werden.Und zum unteren,die zukünftigen Dinge laß ich mittlerweile Jüngeren, denn ich muß es wohl nicht mehr ausbaden sowenig mich das freut,man lacht.

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Irgendeiner
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Addendum; Ja, ja, ihr mögt das nicht, das wußte ich

vorher schon, hat wer inhaltliche Einwände auch oder ist es damit so mau wie üblich.Also wenn man mit Strichen kann, kann ja kalligraphisch sehr schönes entstehen, in Japan ist das sogar mehr als nur eine Kunstform, aber das hier wirkt auf mich etwas uninspiriert,vielleicht versucht ihr es doch mit Worten, können ja am Anfang nur schlichte Hauptsätze sein,man lacht.
PS und Pro domo:Und für Dich wärs ein Möglichkeit deine omnipotente Überlegenheit unter Beweis zu stellen,Lucy, ist doch glaub ich so Dein Metier,slay the dragon,man lacht.

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differentialrechnung
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Reformvorschläge

werden erhofft, wären erwünscht, werden aber nicht mit angehaltenem Atem erwartet ....

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schteirischprovessa
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Wer braucht die SPD?

Das Problem der SPD ist es wohl, dass sie nicht mehr gebraucht wird. Denn der großen Mehrheit der Bevölkerung geht es recht gut und selbst diejenigen , denen es schlecht geht, können leben ohne Angst vor dem Hungertod zu haben oder ohne medizinische Grundversorgung auskommen zu müssen.

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Gedankenspiele
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Dann stellt sich aber die Frage...

...warum es in Deutschland zur "Volkssportart" geworden ist Pfandflschen aus dem Müll herauszusuchen. Da trifft man die verschiedensten Gesellschaften an, auch jene, von denen ich es nicht erwartet hätte.
Meiner Meinung nach braucht es sehr wohl eine SPD, allerdings keine Schröder-SPD, die die eigene Klientel (alà FPÖ) verrät. Die Deutschen sind da schon draufgekommen, in Österreich dauerts halt noch ein bisschen.

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Gedankenspiele
12
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Mit Essen, Trinken und Wohnen...

...sollte generell nicht spekuliert werden dürfen. Dies sind Grundbedürfnisse, die vom restlichen Wirtschaftsleben entkoppelt gehören.

Auch ich kenne Leute, die, weil sie es sich leisten können, Wohnungen aufkaufen, die sie dann teuer an Leute vermieten, die sich nicht mal eine einzige Wohnung leisten können, in der sie dann selbst wohnen würden. Und die sehen das auch noch als ihre Altersvorsorge.
Mit anderen Worten: In unserem heutigen System zahlen die Armen den Reichen die Pension für die Zukunft.

Die Unterpriveligierten müssen endlich mal nachdenken und draufkommen auf welcher Seite rechte und konservative Parteien stehen. Es ist nicht die Seite der Armen auf der sie stehen.

Hoffentlich setzten sich Leute wie Kühnert in manchen Punkten durch!

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Balrog206
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Bezgl

Nahrung gebe ich dir recht ! Steigt der Weltmarktpreis zb für Mais oder Weizen , haben Menschen in den Ärmeren und Entwicklungsländern große Schwierigkeiten ihren Hunger zu stillen !

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77ebb8cbcdcaeb9db3ad652831220f4b
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Finde ich durchwegs interessant!

Auch die Idee der KPÖ zur EU Wahl, Ultra-Reiche zu entmachten und ihnen das Geld weg zu nehmen, finde ich angesichts der wachsenden Ungleichheit (und dazu trägt leider Gottes die österr. Bundesregierung (weil meine ist es nicht) ihren Senf dazu drastisch bei!) Oder wie lässt es sich erklären, dass eine Alleinerzieherin angesichts der gesenkten Kinderbeihilfen nicht über die Runden kommen wird?

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wjs13
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Sie fühlen sich ganz offensichtlich wohl

in der Neidgenossenschaft.
Den Reichen alles wegnehmen, damit im Endeffekt alle nichts haben. Bei Churchill heisst es "equal sharing of misery".
Mit einer einfachen Milchmädchenrechnung könnte man den Effekt ihrer Verteilung errechnen. Aber dazu sind Sie wohl nicht fähig.

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differentialrechnung
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Interessant

ist vieles - und "Heilslehren", wie es Ideologien nun einmal sind, haben ihren besonderen Reiz, wenn sie sich auf "man müsste doch nur" beschränken, ohne für ihre Durchsetzung Gewalt anzuwenden.

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Civium
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Der Sozialismus verstaatlicht die

Wirtschaft um sie zu ruinieren, der Kapitalismus ruiniert die Wirtschaft um sie später zu verstaatlichen!
Sozialismus hat erst dann eine Chance , wenn der Kapitalismus die Länder ausgesogen, viele ultrareich gemacht und Masse in die Armut getrieben hat!

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wjs13
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Aus der Geschichte lernten Sie nicht viel

Den real existierenden Sozialismus hatten wir schon. Hat 44 Jahre gedauert bis die überreiche Bevölkerung nicht mehr mitmachen wollte und den arm machenden Kapitalismus wünschte.

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Civium
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Natürlich

habe ich die Geschichte beobachtet , gesehen wie der Sozialismus die Wirtschaften ruinierte und der Kapitalismus die Banken mit Geld der arbeiteten Bevölkerung rettete, nachdem die Ultrakapitalisten es gestohlen haben.
Nach der ausbeuterischen Feudalherrschaft der Aristokraten, gewann der Sozialismus und nach ihm der Kapitalismus.
Es gibt immer ein hin und her, ich denke das Paradies werden wir erst dort finden,wo kein gieriger Mensch mehr das sagen hat.

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rand
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Der Burschi

hat ja keine Ahnung wie es im Osten ausgesehen hat. Alles runtergekommen und niemand hatte etwas außer die Politbonzen. Hier sieht man ganz deutlich von wo die wirkliche Gefahr ausgeht von den Linken. Der Osten hat sich 30 Jahre nach dem Zusammenbruch noch immer nicht ganz auf westlichem Niveau entwickelt.

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Sam125
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Was ist jetzt in Deutschland los, wünschen sich die jungen Sozialisten

Deutschlands die DDR zurück! weit haben sie es gebracht und das alles nur um an der Macht zu bleiben!? Da fragt man sich alles ernstens wie verblendet, der besser gesagt, wie verblödet die Leute geworden sind!

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differentialrechnung
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So sind historische Entwicklungen

untrügliche Beweise für die großen, dauerhaften Erfolge aller in Europa und anderswo unternommenen Kollektivierungsmaßnahmen.

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