Der Tod ereilte die Gläubigen, als sie die Auferstehung feierten. Aber das entsprach ganz dem perfiden Kalkül der islamistischen Selbstmordattentäter, die am Ostersonntag bei Anschlägen in Kirchen und Hotels in Sri Lanka über 300 Menschen in den Tod rissen: eine möglichst große Zahl von Christen an deren höchstem Festtag zu töten.

Nach ersten Erkenntnissen der Regierung in Colombo sollen die von der Terrormiliz IS für sich reklamierten Anschläge als Vergeltung für Christchurch gedacht gewesen sein, wo Mitte März ein australischer Rechtsextremist 50 Muslime beim Freitagsgebet getötet hatte. Schon davor hatte so mancher westliche Politiker Parallelen zwischen beiden Terrorakten gezogen. Die Attentäter zielten bewusst auf Gläubige, um zu spalten und Gräben zu vertiefen. Das verbinde die Jihadisten, die in europäischen Großstädten gezielt „Ungläubige treffen wollen, mit den Tätern von Sri Lanka und rechtsextremistischen Tätern wie in Christchurch“, sagte etwa Konstantin von Notz, Religionsbeauftragter der deutschen Grünen im Bundestag.

So einleuchtend diese Einschätzung aufs Erste erscheinen mag, so sehr verschleiert sie doch einen zentralen Unterschied: Beim Blutbad von Christchurch, so entsetzlich es war, handelt es sich letztlich um ein singuläres Ereignis. Nirgendwo in der westlichen Welt müssen Menschen ihres Glaubens wegen um ihr Leben bangen. Sri Lanka dagegen ist kein Einzelfall. Nicht nur in Südostasien sind Christen in einem zunehmend feindseligen Klima an Leib und Leben bedroht. Über den gesamten Globus verteilt werden sie immer mehr zu Opfern von Einschüchterung, Unterdrückung, Folter und Tod.

Die meisten Menschen würden bei Christenverfolgungen an das Römische Reich und an Märtyrer denken, die Löwen zum Fraß vorgeworfen wurden, schrieb der britische „Telegraph“ nach den Anschlägen von Sri Lanka. „Andere erinnern sich vielleicht an das Sowjetregime ... Doch dieses Jahrhundert ist rasch dabei, diesen beiden Epochen nahezukommen.“

Und in der Tat: Mehr als 200 Millionen Christen werden nach Angaben von „Kirche in Not“ in rund 50 Staaten heute etwa wegen ihrer Religion verfolgt, Tendenz steigend. Die Bandbreite reicht dabei von staatlichen Schikanen über Gefängnisstrafe bis zum Märtyrertod. Für seinen Zweijahresbericht hat das katholische Hilfswerk die Situation in 196 Ländern untersucht und gelangt zum Schluss: Nie war Christsein so gefährlich wie heute.

In Nigeria ist es am schlimmsten

Auch die christliche Hilfsorganisation Open Doors kommt in ihrem „Weltverfolgungsindex für 2018“ zu einem ähnlich erschütternden Befund. Demnach ist die Zahl dokumentierter Morde an Christen von 2782 im Jahr 2017 auf 4136 im Vorjahr angestiegen. Am schlimmsten ist die Lage im islamisch dominierten Norden von Nigeria, wo mit 3731 mehr Christen ermordet worden seien als in allen Ländern zusammen. Aber auch im Sudan, in Eritrea, auf den Philippinen und in der Zentralafrikanischen Republik stehen Christen im Fadenkreuz des Terrors. Dahinter stecken oft versprengte Kämpfer der Terrormiliz IS und anderer radikaler islamistischer Verbände, die nach der Niederlage im Nahen Osten nach neuer Betätigung suchen.

Islamismus und Autoritarismus

Als ein Hauptgrund für den anschwellenden Furor gegen Christen muss denn auch die immer stärkere Radikalisierung von Muslimen genannt werden. Eine bedeutsame Rolle misst Open Doors aber auch dem Aufstieg religiös-nationalistischer Bewegungen in Asien sowie dem globalen Trend zu staatlichem Autoritarismus bei.

So sei es kein Zufall, dass das repressivste Regime der Welt, Nordkorea, zum 18. Mal in Folge die Liste der 50 Staaten mit der stärksten Christenverfolgung anführt. Älteren Schätzungen nach sitzt rund ein Viertel der bis zu 400.000 Christen in Straflagern. Die fortschreitende Technologisierung mit ihren neuen Instrumenten der Überwachung spielt den totalitären Systemen dabei in die Hände, wie das Beispiel Chinas zeigt.

Besonders bedrückend bleibt die Situation der orientalischen Christen, und damit sind keineswegs nur Länder wie Pakistan, Saudi-Arabien oder der Iran gemeint, wo jedem, der vom Islam zum Christentum konvertiert, die Todesstrafe droht und nur Ereignisse wie der spektakuläre „Blasphemie“-Prozess gegen die Christin Asia Bibi für kurze Zeit die Augen der Welt auf das große Elend lenken. Im Irak, wo noch vor 20 Jahren Millionen von Christen lebten, setzt sich deren dramatischer Exodus unvermindert fort. Das bürgerkriegsgeplagte Syrien, eine der Wiegen christlicher Kultur, ist heute eine Wüste. Und auch in Ägypten, dem Ursprungsland des Mönchtums, bleibt die Situation der Kopten selbst nach dem Sturz der Muslimbrüder prekär.

Und der Westen? Hat nicht nur im säkularen, sondern auch in den kirchlichen Milieus lange geschwiegen. Erst seit einiger Zeit macht sich mit der globalen Terrorwelle gegen Christen ein deutlicher Wandel bemerkbar.