Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel hat auf der Münchner Sicherheitskonferenz vor einem Kollaps der internationalen Staatenordnung gewarnt. Die Nachkriegsordnung, an der sich die weltweite Zusammenarbeit jahrzehntelang orientiert habe, sei "unglaublich unter Druck geraten", sagte Merkel am Samstag. Diese Ordnung müsse "reformiert" werden, "aber ich glaube, wir dürfen sie nicht einfach zerschlagen".

Die Kanzlerin verwies auf der Konferenz auf die wachsende Rivalität der Großmächte. Diese Entwicklung gebe einen Eindruck davon, "dass das, was wir als Architektur der Welt gesehen haben, doch unter Druck ist". Besondere Bedeutung komme weiterhin der NATO zu, sagte Merkel. "Wir brauchen die NATO als Stabilitätsanker in stürmischen Zeiten." Gebraucht werde das Bündnis auch als "Wertegemeinschaft", das für Menschenrechte, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit stehe.

China bekennt sich zu Multilateralismus

China hat sich in München klar zu einer auf internationaler Zusammenarbeit basierenden Weltordnung - zum sogenannten Multilateralismus - bekannt. "Wir fördern diesen Ansatz, wir fördern Frieden und Entwicklung und Win-Win-Zusammenarbeit", sagte der oberste Außenpolitiker des Landes, Yang Jiechi, laut offizieller Übersetzung am Samstag.

Gleichzeitig wandte er sich gegen Einmischung in interne Angelegenheiten einzelner Länder. "Jedes Land darf seine Entwicklung selber wählen, und das sollte respektiert werden." Westliche Staaten kritisieren die mangelnde Achtung von Menschenrechten und eine mangelnde Rechtsstaatlichkeit in China. Die kommunistische Regierung in Peking sieht darin eine Einmischung in innere Angelegenheiten.

Der Multilateralismus ist seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump in einer Krise. Trump setzt in seiner Außenpolitik auf nationale Alleingänge und Deals mit einzelnen Staaten. Internationale Organisationen und Abkommen stellt er in Frage. Deutschland und die Europäische Union sehen dagegen in der internationale Zusammenarbeit in Organisationen wie den Vereinten Nationen den einzigen Weg zu Frieden, Stabilität und Wohlstand.