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Präsidentenwahl Gott, Waffen, Vaterland: Ex-Militär polarisiert bei Wahl in Brasilien

Der "Trump Brasiliens" mischt selbst seit fast 30 Jahren im Politzirkus mit - und hat heute beste Chancen, die Präsidentschaftswahl zu gewinnen.

Jair Bolsonaro
Jair Bolsonaro © AP
 

Sein Name ist Programm: Jair Messias Bolsonaro versteht sich als Retter Brasiliens. Der Ex-Militär will das größte Land Lateinamerikas von Gewalt und Korruption befreien. Der "Trump Brasiliens" hetzt gegen Homosexuelle und Schwarze und verherrlicht die Militärdiktatur (1964-1985). Trotz seiner Entgleisungen dürfte Bolsonaro die erste Runde der Präsidentenwahl am Sonntag klar für sich entscheiden.

"Er ist der Kandidat, der unser Land revolutionieren wird", sagt Michel Bem bei einer Kundgebung in Nova Iguacu vor den Toren von Rio de Janeiro. Der 43-jährige Polizist will bei der Wahl für Bolsonaro stimmen. "Das Volk erträgt den Mangel und die Demagogie nicht mehr." Auf Transparenten ist zu lesen: "Brasilien über alles. Gott über alles."

Krisenland

Das Land steckt in einer schweren Krise. Vor einigen Jahren galt die größte Volkswirtschaft Lateinamerikas noch als aufstrebende Regionalmacht, heute ist Brasilien ein Sorgenkind. Durch die jüngsten Korruptionsskandale ist fast die gesamte politische Klasse des Landes diskreditiert. Nach einer schweren Rezession erholt sich die Wirtschaft nur langsam. Und die Spirale der Gewalt dreht sich immer weiter.

Mit 35 Prozent liegt Bolsonaro in den Umfragen 13 Prozentpunkte vor Fernando Haddad, der anstelle des inhaftierten Ex-Präsidenten Luiz Inacio Lula da Silva für die linke Arbeiterpartei ins Rennen zieht. In der zweiten Runde am 28. Oktober dürfte es dann zum Showdown zwischen dem ultrarechten Populisten und dem wenig charismatischen Ex-Bürgermeister von Sao Paulo kommen - mit ungewissem Ausgang.

Das Vertrauen der rund 146 Millionen Wähler in die Politiker ist schwer erschüttert. Seit Beginn des Korruptionsskandals "Lava Jato" kreist die gesamte politische Klasse fast ausschließlich um sich selbst. Davon profitiert nun der Ex-Militär Bolsonaro, der sich als Anti-System-Kandidat präsentiert.

"Saustall Brasilia" ausmisten

"Ich werde den Saustall Brasília ausmisten", verspricht der Hauptmann der Reserve. Dabei ist der 63-Jährige selbst ein Insider: Seit fast drei Jahrzehnten mischt er in der Politik mit, saß für neun verschiedene Parteien im Parlament. Allerdings wurde er bisher nie mit den großen Korruptionsskandalen in Verbindung gebracht.

Das Land ist tief gespalten. Fast religiös ist die Verehrung vieler armer Brasilianer für Ex-Präsident Lula und seine Arbeiterpartei, die sie mit milliardenschweren Sozialprogrammen aus der bittersten Armut geholt haben. In der Mittel- und Oberschicht hingegen herrscht tiefes Misstrauen gegen die Linken, die sich in den Boomjahren selbst die Taschen füllten.

Wutbürger

Immer lauter wird der Ruf der brasilianischen Wutbürger nach einer Politik der harten Hand. 33 Jahre nach dem Ende der Diktatur liebäugeln nicht wenige mit einer stärkeren Rolle des Militärs im Kampf gegen Gewalt und Misswirtschaft. "Was in Brasilien gerade mit der extremen Rechten passiert, könnte einen Einfluss auf die ganze Region haben", warnt der Politikwissenschaftler Mauricio Santoro.

Bolsonaro spielt geschickt auf der Klaviatur der sozialen Medien, bringt sich mit gezielten Provokationen immer wieder neu ins Gespräch. "Das Problem der Diktatur war, dass sie nur gefoltert, aber nicht getötet hat", sagte er einmal. Bei anderer Gelegenheit erklärte er, eine Abgeordnete sei es nicht wert, vergewaltigt zu werden, weil sie zu hässlich sei.

Nachdem ihn ein geistig verwirrter Mann vor einigen Wochen bei einer Wahlkampfveranstaltung mit einem Messer verletzte, ist sein Mythos noch weiter gewachsen. "Bolsonaro ist die Rettung für unser Land, weil er nicht korrupt ist", sagt die 25-jährige Studentin Mayari Ferrari. "Diese Vorwürfe, er sei rassistisch und homophob, sind nur Lügen."

Im Kampf gegen die ausufernde Kriminalität - pro Jahr werden in Brasilien über 60.000 Menschen getötet - will er den Waffenbesitz erleichtern. Zudem hat er angekündigt, die Spitzen der Ministerien mit Generälen zu besetzen. "Ich unterstütze Bolsonaro wegen seiner Vorschläge und Ideen", sagt Evanir Moura. "Ich will, dass die Verbrecher ihre Strafen verbüßen, ohne Nachlässe und Begnadigungen."

Kugel, Vieh, Bibel

"Bala, Boi e Bíblia" (Kugel, Vieh, Bibel) - so wird die Ideologie von Bolsonaro in Brasilien beschrieben. Vor wenigen Tagen stellte sich die einflussreiche Agrarlobby des südamerikanischen Landes offiziell hinter ihn. Die Parlamentsgruppe FPA zählt 261 Abgeordnete und Senatoren. Sie ist ein wichtiger Machtfaktor in Brasilien.

Zusätzlichen Aufschwung erhält Bolsonaro durch die evangelikalen Bewegungen in Brasilien, die seine konservative Agenda unterstützen. Im größten katholischen Land der Welt bekennen sich bereits 27 Prozent der Menschen zu den Evangelikalen, die sich mit ihren Kampagnen gegen gleichgeschlechtliche Ehe und Abtreibungen in ganz Lateinamerika immer stärker in die Politik einmischen.

Der hemdsärmelige Bolsonaro ist ganz auf ihrer Linie. "Wenn ich sehe, wie sich zwei Männer auf der Straße küssen", werde ich sie schlagen", sagte der Präsidentschaftskandidat einmal.

Kommentare (2)

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Es ist sagenhaft was die mit Lula aufführen

vor allem der rechtliche Vorwurf und auch dort greifen Plutokraten zu einem Faschisten reinsten Wassers,weil der wieder einem Ökonomen die Wirtschaft überläßt der turbokapitalistisch schon bei Pinochet mit dabei war,eines der bekannten großes Fiasko der turbokapitalistrschen Metaphysiknarren und der privatisieren wird und zwar restlos alles, wie er schon sagte.Leute die irre genug sind zu glauben daß Aktienpakete Elite machen haben nie Berührungsängste wenn es um ihre Knete geht, das ist international.

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Addendum:Ein Südamerikaspezialist ist nicht

einverstanden,tritt vor mein Yanomami und erzähl von deiner Heimat.

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