2,8 Milliarden Euro EU-Staaten votieren einstimmig für Strafzölle auf US-Produkte

Ab Anfang Juli wird auch die Europäische Union Strafzölle verhängen. Betroffen sind US-Waren wie Jeans, Erdnussbutter oder Motorräder.

Emmanuel Macron und Angela Merkel
Emmanuel Macron und Angela Merkel © APA
 

Die EU-Staaten bringen die 2,8 Milliarden Euro schweren Vergeltungszölle gegen die USA auf den Weg. Vertreter der Länder hätten die von der EU-Kommission aufgesetzte Liste von Zöllen auf US-Produkte einstimmig angenommen, sagten drei EU-Vertreter am Donnerstag in Brüssel.

Die Vergeltungszölle werden voraussichtlich ab Anfang Juli auf US-Waren wie Jeans, Erdnussbutter oder Motorräder fällig. Sie sind die Antwort der EU auf die Anfang des Monats verhängten US-Zölle auf Stahl und Aluminium aus Europa.

Wir haben wichtige Fragen und Antworten zum "Gegenschlag" der EU gesammelt:

Welche Produkte sind jetzt wirklich betroffen?

Während US-Präsident Donald Trump die klassischen Industriegüter Stahl und Aluminium ins Visier genommen hat, steht auf der acht Seiten langen europäischen Liste ein buntes Bündel an Lebensmitteln, Industrieprodukten und Luxusgütern. Dazu gehören etwa Erdnussbutter und Reis, Whiskey, Make-up und Motorräder. Für deren Import müssen Händler künftig 25 Prozent mehr zahlen - einzig Spielkarten werden nur mit zehn Prozent belegt.

Müssen die Verbraucher mehr zahlen?

Wie Gabriel Felbermayr, Direktor des Ifo-Außenwirtschaftsinstituts, erklärt, hängt das entscheidend davon ab, wie die Verbraucher auf Preiserhöhungen reagieren. Glauben die Hersteller, dass die Konsumenten bei einer Preiserhöhung zum Konkurrenzprodukt greifen, werden sie die Zölle aus der eigenen Marge zahlen - oder nicht mehr nach Europa exportieren. Sind die Verbraucher bereit, für ein US-Produkt mehr zu zahlen, dann werden die Hersteller einen größeren Teil der Zölle auf den Preis auch aufschlagen.

"Für viele Stahlprodukte auf der Liste kann Entwarnung für Europa gegeben werden", erklärt Felbermayr. Die Industrie könne auf Hersteller in anderen Ländern ausweichen. Gleiches gelte für Orangensaft, Mais oder Jeans. "Hier verlieren die Amerikaner Absatz, ohne dass die Europäer höhere Preise zahlen." Bei Markenprodukten dagegen müssen die Konsumenten wohl je nach Produkt mehr zahlen. So erwartet Felbermayr, dass sich Verbraucher und Hersteller bei Weber-Grills, Bourbon-Whiskey und Erdnussbutter die Kosten der Zölle etwa in gleicher Höhe teilen werden. Anders bei Motorrädern von Harley-Davidson, Sportbooten oder Kosmetik: Hier würden die Hersteller wohl den größten Teil der Zölle übernehmen.

Was sagen die Händler?

Nach Einschätzung der Außenhandelsvereinigung des deutschen Einzelhandels wird es nicht so schnell zu Preiserhöhungen im Handel kommen. Der Grund: "Die Verträge wurden basierend auf den bisherigen Kalkulationen geschlossen". So hätten etwa Bekleidungsläden ihre Kollektionen bereits geordert. Längerfristig könnten die Preise aber steigen, sofern der Markt das zulasse

 

 

 

 

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