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Mitten im WinterHeute vor 50 Jahren begann der "Prager Frühling"

Am 5. Jänner 1968 begann der "Prager Frühling": Ein halbes Jahr später machten die Truppen des Warschauer Paktes alle Hoffnungen zunichte und ließen Land und Leute mehr als zwei Jahrzehnte nicht mehr aus den Krallen.

Im Sommer kamen dann die Panzer © AP
 

Heute vor einem halben Jahrhundert begann der  "Prager Frühling 1968". Was damals im Frühjahr für die Bürger der damaligen Tschechoslowakei als Hoffnung begann, endete im Sommer mit einem Desaster: Dem Einmarsch der Truppen des Warschauer Paktes, der das nördliche Nachbarland in eine mehr als zwei Jahrzehnte dauernde Ära der "Normalisierung" zurückwarf.

Das erste für die Öffentlichkeit sichtbare Anzeichen, dass in der kommunistischen Tschechoslowakei etwas geschah, war am 5. Jänner 1968 der plötzliche Austausch an der KP-Spitze. Der Erste Sekretär der KP, der Tscheche Antonin Novotny, wurde durch den Slowaken Alexander Dubcek ersetzt. Novotny war innerhalb der Partei seit Längerem unter Druck, auch weil er laut Kritikern ein überhebliches Verhalten gegenüber den Slowaken zeigte.

50 Jahre "Prager Frühling"

Der Prager Frühling begann bereits am 5. Jänner 1968. Der damalige Parteichef der tschechoslowakischen Kommunistischen Partei (KPC) Novotny wurde vom Reformpolitiker Alexander Dubcek abgelöst. Die neue Führung machte sich für umfassende politische Veränderungen stark. Unter dem Stichwort Sozialismus mit menschlichem Antlitz setzte sich Dubcek vor allem für mehr Pressefreiheit, Aufhebung der Zensur, Demokratisierung, Versammlungsfreiheit, Abbau des Zentralismus und wirtschaftliche Reformen in seinem Land ein.

Von diesem Moment an begann man über den Bedarf einer "Erneuerung des Sozialismus" zu reden. Als Novotny Ende März 1968 auch vom Amt des Staatspräsidenten zurücktrat und durch den respektierten Armeegeneral Ludvik Svoboda ersetzt wurde, bekam die Demokratie-Bewegung stärkeren Schwung. "Dubcek-Svoboda, to je nase obroda" ("Dubcek-Svoboda, das ist unsere Erneuerung") hieß eine der Parolen der Befürworter des "Sozialismus mit menschlichem Antlitz". "Svoboda" bedeutet auf Tschechisch "Freiheit".

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Alexander Dubcek Foto © APA/AFP/-

Alles geschah unter dem Taktstock der KP, die Reformkommunisten hatten die Oberhand. Die staatlichen Medien informierten immer offener über die Ereignisse, bis die Zensur auch offiziell abgeschafft wurde. Weil sich auch die tschechoslowakische Gesellschaft liberalisierte, wurden die konservativen Mitglieder der KP-Führung und vor allem die Machthaber in Moskau, Warschau und Ost-Berlin immer nervöser.

Für alle war es eine Überraschung, als Ende Juni 1968 das KP-kritische Manifest "Zweitausend Worte" in den Medien erschien. Auch die Reformkommunisten kritisierten das Dokument, weil ihr Programm immer noch von der "führenden Rolle der KP" ausging, während das Manifest die Partei scharf kritisierte. Die Konservativen sprachen von einer "Konterrevolution" und für die "Bruderländer" des Warschauer Pakts wurde das Manifest ein Vorwand, um zu "handeln".

Nach mehreren Warnungen aus Moskau marschierten in der Nacht vom 20. auf 21. August 1968 die Truppen des Warschauer Paktes - nicht aber die rumänischen - in die Tschechoslowakei ein, um den Versuch einer Reform des Kommunismus endgültig zu stoppen. Für die Tschechen und Slowaken, darunter auch Kommunisten, war das ein Schock: die Invasion wurde mit der Okkupierung durch Hitler-Deutschland vom März 1939 verglichen.

Zehntausende Tschechen und Slowaken nutzten schnell die noch offene Grenze und flohen in den Westen. Dabei half ihnen die österreichische Botschaft in Prag tatkräftig, persönlich der damalige Botschafter und spätere Bundespräsident Rudolf Kirchschläger. Dieser ließ Tausende Visa pro Tag ausstellen, ohne Beschränkung auf die sonst gültigen Amtszeiten. Und im Widerspruch zu den Anweisungen seines Vorgesetzten, Außenminister Kurt Waldheim, der angeordnet hatte, die Visum-Antragsteller "durch gütliches Zureden" zum Verlassen des Botschaftsgebäudes zu bewegen.

Unter anderem der Rolle Österreichs bzw. seiner Botschaft in Prag soll eine Konferenz gewidmet sein, die das Österreichische Kulturforum (ÖKF) in Prag für September 2018 plant. Die Konferenz hat den Arbeitstitel "Tschechisch-österreichische Transfer- und Verflechtungsgeschichten im langen 21./20. Jahrhundert", wie die stellvertretende Direktorin des ÖKF Prag Waltraud Strommer gegenüber der APA bestätigte.

Der "Prager Frühling 1968" und seine Niederschlagung wird auch für tschechische Politiker sowie Historiker ein Anlass zu verschiedenen Gedenkveranstaltungen. Traditionell soll eine Gedenkfeier vor dem Gebäude des Tschechischen Rundfunks auf der Straße Vinohradska in Prag stattfinden, wo sich im August 1968 heftige Zusammenstöße zwischen sowjetischen Panzern und den Demonstranten ereignet hatten.

Es war der - damals Tschechoslowakische - Rundfunk, der es schaffte, noch in der Invasionsnacht einen Aufruf des tschechoslowakischen KP-Politbüros auszustrahlen, in dem der Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen verurteilt wurde. Die Machthaber in Moskau waren äußerst verärgert, weil dadurch ihr Plan platzte, den Einmarsch als eine "Einladung" der "gesunden Kräfte" im Prager KP-Politbüro bzw. einer "Arbeiter- und Bauernregierung" zu präsentieren.

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