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Tunesien

Ausgangssperre in Tunesien

Regierung verhängt nächtliche Ausgangssperre. Tunesien erlebt die schlimmsten sozialen Unruhen seit Beginn der arabischen Aufstände vor fünf Jahren.

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Proteste in mehreren Regionen © APA/AFP/FATHI NASRI
 

Die gewaltsamen Proteste dehnten sich in der Nacht auf Freitag auf mehrere Regionen des nordafrikanischen Landes aus. Demonstranten griffen unter anderem in der Hauptstadt Tunis sowie in den Städten Jendouba und Bizerte Polizeiposten an, wie ein Sprecher des tunesischen Innenministeriums erklärte.

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Wegen der anhaltenden Unruhen wurde jetzt eine nächtliche Ausgangssperre verhängt Foto © APA/AFP/MOHAMED KHALIL

Auch Wagen der Sicherheitskräfte seien angezündet worden. Medien berichteten, in einem ärmere Viertel von Tunis seien Geschäften und zwei Banken geplündert worden. Die Proteste gegen die schlechte wirtschaftliche Lage und die Arbeitslosigkeit hatten am vergangenen Wochenende in der Provinz Kassérine im Westen Tunesiens begonnen. Bei Zusammenstößen wurde dort am Mittwochabend ein Polizist getötet.

In der tunesischen Kleinstadt Sidi Bouzid hatten die als "Arabischer Frühling" bekanntgewordenen Aufstände begonnen, nachdem sich dort Ende 2010 ein Gemüsehändler aus Verzweiflung selbst angezündet hatte. Tunesien ist das einzige arabische Land, dem seitdem der Übergang in die Demokratie gelungen ist. Allerdings leidet es unter der schlechten Wirtschaftslage.

Tunesiens steiniger Weg zur Demokratie

Tunesien erlebt derzeit die stärksten Proteste seit Beginn der Aufstände, die als "Arabischer Frühling" bekannt wurden. Die Entwicklung der vergangenen fünf Jahre:

17. Dezember 2010: Aus Verzweiflung über Behördenwillkür verbrennt sich ein Gemüsehändler selbst. Es folgen anhaltende Massenproteste.

14. Jänner 2011: Präsident Zine el Abidine Ben Ali flieht nach 23 Jahren an der Macht ins saudische Exil.

23. Oktober: Die gemäßigte islamistische Bewegung Ennahda (Erneuerung) gewinnt die Parlamentswahl.

13. Dezember: Moncef Marzouki wird als erster demokratisch gewählter Präsident vereidigt.

20. Mai 2013: Islamisten liefern sich Straßenschlachten mit Sicherheitskräften. Als Auslöser gilt das Verbot eines Kongresses der Gruppe Ansar al-Sharia, die für Angriffe auf die US-Botschaft in Tunis und auf TV-Sender verantwortlich gemacht wird.

27. Jänner 2014: Nach langem Ringen stimmt das Übergangsparlament für die neue Verfassung. Mit Rechten wie Gewissens- und Religionsfreiheit sowie der Gleichstellung von Mann und Frau gilt sie als wegweisend in der arabischen Welt.

5. März: Tunesien hebt den vor mehr als drei Jahren verhängten Ausnahmezustand auf. Dennoch gibt es Anschläge von Islamisten.

20. Juli: Die Regierung lässt Extremisten-Moscheen schließen. Betroffen sind auch Einrichtungen, in denen der Tod von 15 Soldaten bei einem Anschlag von Islamisten drei Tage zuvor gefeiert wurde.

26. Oktober: Bei der Parlamentswahl siegen die säkularen Kräfte der Allianz Nidaa Tounes über die Islamisten von Ennahda. Im November folgt die Wahl von Beji Caid Essebsi zum Präsidenten. Massive soziale und wirtschaftliche Probleme werden aber nicht gelöst.

18. März 2015: Bei einem Terrorüberfall auf ein Museum in Tunis werden mehr als 20 Menschen getötet.

26. Juni 2015: Bei einem Islamisten-Anschlag auf ein Touristenhotel im Badeort Sousse sterben 38 Menschen. Im Juli wird der Ausnahmezustand ausgerufen und erst im Oktober wieder aufgehoben.

9. Oktober: Das tunesische Quartett für den nationalen Dialog aus Gewerkschaftsverband, Arbeitgeberverband, Menschenrechtsliga und Anwaltskammer wird für seine Bemühungen um eine pluralistische Demokratie in Tunesien mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

25. November: Ein Selbstmordattentäter sprengt sich in einem Bus der Präsidentengarde in Tunis in die Luft und reißt mindestens zwölf Menschen mit in den Tod. Daraufhin ruft Essebsi erneut den erst kurz zuvor wieder aufgehobenen Ausnahmezustand aus.

 

 

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  • Besuch

    Fischer erörterte in Tunesien Menschenrechtsfragen

  • Kommentare (11)

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    So sieht der Arabische Frühling aus!

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    Komisch!

    War net da Fischa mit oana Delegation dort? A reife Leistung von unserem Hernn UHBP!

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    daFeinspitz
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    Vielleicht ist das Land nicht reif für eine Demokratie?

    Vielleicht brauchen die Einwohner dort einen starken Diktator, der mit aller Macht die Leute in Zaum hält.

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    Ja so wars in Libyen,bis die USA,Nato und EU die Demokratie einführen wollten.

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    World
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    Die nächsten Reisenden....

    ----stehen schon mit den Rucksäcken an ihrer Küste zur Abfahrt nach Sizilien, Malta und Lampedusa. Nordafrika ist bald unisono im Krieg.

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    alejulval
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    Der Fischer

    ist gerade dort und gratuliert dem Tunesischen Präsidenten zur seiner Politik.
    Oder hat er eine Einladung an die nächsten Flüchtlinge ausgesprochen.
    Es wird in diesen Ländern keine Ruhe einkehren da zu viele verschiedene Völker u. Religionen mit Fanatismus gibt.

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    fromm
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    so viel zur Funktion des BP und

    der salbungsvollen Worte. Überflüssig wie ein Fischer.

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    Endlich das richtige Wort: Aufstände statt "Frühling"! Und alle waren damals genauso begeistert wie beim "Welcome"! Endlich begriffen daß es keine Wunder gibt?

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    woelffchen
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    Danke USA

    die haben ganz Nordafrika destabilisiert und Europa muss mit den Folgen fertig werden! Wie wärs wenn wir die USA zukünftig besser beobachten und nicht alles für gut heissen was von dort drüben kommt?!!! Wenn Russland die gleichen Dinge getan hätte, wie Amerika, dann würde man Russland als "böse" hinstellen.

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    4ae4be38047bdb8d1137a43cf8138356
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    Das nächste Land das an die radikalen verloren geht - das Fermi paradoxum zeigt seine Früchte

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    918b64b39aa088011d007323d27678b5
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    12
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    war nicht grad unser BP

    dort?

    za wosn eigentli?

    überflüssig und teuer!

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